Wie wirksam sind Krebsmedikamente eigentlich?

Aktuell überschlagen sich die Medien mit News über neue Krebsmittel. Da ist dann von sensationellen Heilungsorfolgen die Rede, aber auch von den enormen Kosten. Die Pharma-Industrie hat grosses Interesse, ihre Forschungsergebnisse möglichst rasch in Form neuer Medikamente auf den Markt zu bringen. Gemäss einem Artikel zum Thema im online-Magazin Dialog der CSS «nahm dieAnzahl beschleunigter Zulassungsverfahren (in den vergangenen Jahren für Arzneimittel in Europa stark zu». Dies habe aber, so liest man weiter, auch «zu zunehmenden Unsicherheiten hinsichtlich des klinischen Nutzens zum Zeitpunkt der Zulassung» geführt.

Gemäss CSS Dialog habe eine kürzlich veröffentlichte Studie des Ludwig Boltzmann Instituts für Health Technology Assessments gezeigt, dass in den Jahren 2009 bis 2016 neu zugelassene Krebsmedikamente (gegenüber einer Vergleichstherapie) in 40 Prozent aller Fälle keine Informationen zum Überleben der PatientInnen gezeigt hätten (27 Prozent nicht verfügbar, 2 Prozent nicht schätzbar und 11 Prozent nicht erreicht); weitere 39 Prozent brächten eine Lebensverlängerung von 0 – 3 Monaten, 5 Prozent hätten das Gesamtüberleben sogar verkürzt und nur gerade 16 Prozent hätten das Leben um mehr als 3 Monate verlängert.

Häufig würden – sehr vereinfacht ausgedrückt – lediglich erhoben, ob eine Wirkung erzielt werden könne, aber nicht, ob sich diese überhaupt (positiv) auf die Sterblichkeit auswirke. Das senke zwar die Kosten von Studien aufgrund kürzerer Laufzeiten und geringerer Patientenanzahlen. Allerdings erhöhe sich so die Unsicherheit hinsichtlich des tatsächlichen Nutzen-Risikos von Arzneimitteln.

Als Folge der wachsenden Kritik am geringen Nutzen der neuen Krebsmedikamente – bei extrem hohen Kosten nota bene – hätten verschiedene Organisationen, darunter auch die European Society for Medical Oncology (ESMO, Instrumente für die Bewertung des klinischen Nutzens entwickelt, welche auch Nebenwirkungen und Lebensqualität der PatientInnen berücksichtigen.  In einer andern Studie des Ludwig Boltzmann Institutes aus dem Jahr 2017 seien «siebzig Therapien für die Behandlung von soliden Tumoren untersucht (worden). Diese Therapien wurden durch die europäische Arzneimittelbehörde (EMA) zwischen 2011 und 2016 zugelassen. Davon erreichten lediglich 21% den Schwellenwert für «meaningful clinical benefit» (MCB), ermittelt mit der Originalskala, und gar nur 11% der Arzneimittel mittels der adaptierten Version», ist im CSS-Beitrag zu lesen. Die Originalskala ESMO-MCBS (Magnitude of Clinical Benefit Scale) bezieht qualitative Aspekte und Nebenwirkungen in die Bewertung mit ein, die erweiterte Skala (Adapter ESMO-MCBS) gewichtet diese Aspekte noch stärker.

Der Artikel kommt zum Schluss, «dass regelmässig der klinische Nutzen onkologischer Therapien erhoben werden (sollte), um die gerechte Verteilung von limitierten Gesundheitsressourcen zu gewährleisten».

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2 Kommentare zu Wie wirksam sind Krebsmedikamente eigentlich?

  1. Hallo und erst Mal Bravo für diesen interessanten Blog
    Stephanie Zobrist Pflegefachfrau neu bei Medix.
    Zum Beitrag
    Also heisst das, nur 3 Monate länger gelebt? Keiner hat überlebt oder wieviel %?

    • Gemäss dem vom Bundesamt für Statistik in der Reihe „Statistik der Schweiz“ erschienen Bericht „Krebs in der Schweiz“ handelt es sich den «verlorenen potenziellen Lebensjahren» um einen Indes, der sich aus der Differenz zwischen dem Todesalter und einer theoretischen Lebenserwartung
      von 70 Jahren (in Anzahl Jahren) berechnet.

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