Wahrscheinlichkeiten sind ein schwieriges Thema

In unserem Alltag wird viel mit Wahrscheinlichkeiten argumentiert. So und so hoch sei die Wahrscheinlichkeit, in der Stadt von einem Tram angefahren zu werden, die Regenwahrscheinlichkeit für den nächsten Freitag liege bei 20 Prozent oder die Chance, im Lotto betrage nur eins zu X Millionen. Gerade im letzten Fall lassen wir uns aber kaum von Zahlen täuschen, sonst würde wohl niemand im Lotto mitspielen – und auch die Regenwahrscheinlichkeit hilft mir nur wenig bei der Entscheidung, ob ich nun einen Regenschirm mitnehmen soll oder nicht. Denn selbst bei einem Prozent Wahrscheinlichkeit könnte es ja doch regnen.

Auch in der Medizin hört man viel von Wahrscheinlichkeiten, z.B. wenn es um die Wirksamkeit einer Behandlung geht, oder um die Möglichkeit, sich mit einer Krankheit anzustecken oder im Zusammenhang mit möglichen Nebenfolgen einer Behandlung. Wie aber sind solche Zahlen zu beurteilen und was helfen sie mir im Alltag?

Das online-Wissenschaftsmagazin higgs, das ich immer gerne wieder konsultiere, hat dazu unter dem Titel Relative Wahrscheinlichkeit sagt relativ wenig aus einen lesenswerten Beitrag veröffentlicht, der an Beispielen zeigt, wie schwierig es ist, solche Zahlen zu interpretieren. Ein kleiner Tipp für Lesefaule: Den Beitrag können Sie sich dort auch als Podcast anhören.

Higgs schreibt dort, dass wir wohl intuitiv einer Aussage zustimmen würden, die besagt, dass  eine präventive Behandlung, die das Risiko für eine bestimmte Krankheit um ein Drittel senkt, eine gutes Medikament sei. Auch würde man wohl zustimmen, dass eine Technologie, die die Häufigkeit eines bestimmten Tumors auf das Zweieinhalbfache steigert, gefährlich ist. .Ohne aber die absoluten Zahlen zu kennen, sei das aber nicht zwingend so.

Bei der Frage, ob es sich lohnt, das präventive Medikament allen PatientInnen abzugeben, sei es entscheidend, wie oft die Krankheit tatsächlich vorkomme.

Higgs schreibt: «In der erwähnten Studie wurde eine Pille gegen Herzkreislaufkrankheiten getestet. Diese Krankheiten sind bei uns die häufigste Todesursache und der dritthäufigste Grund für Hospitalisierung. In der Studie haben von den 3400 Probanden, die keine Pille erhielten, deren 299 eine Herzkreislauferkrankung erlitten, mit Pille 200. Ein Drittel weniger Erkrankungen.

Das bedeutet auf die Schweizer Bevölkerung umgerechnet: Anstatt jährlich 114 000 Herzkreislauf-Fällen hätten wir jedes Jahr um die 40 000 Erkrankte weniger. Ob es sich dafür lohnt, allen Leuten eine Pille zu verschreiben, ist aber auch noch nicht gesagt.

Wären hingegen nur ganz wenige Leute von der Krankheit betroffen – sagen wir drei pro Jahr – wäre eine Reduktion um ein Drittel genau eine Person. Für diesen Effekt macht es kaum Sinn, alle Leute das Medikament präventiv schlucken zu lassen.

Wie sich dieser Zusammenhang auf das Technologiebeispiel und die Tumorwahrscheinlichkeit auswirkt, lesen Sie am besten selbst im Higgs-Artikel. Sie können dann ja dort gleich noch weiter nach wissenswerten Inhalten stöbern.

Dieser Beitrag wurde unter Krankheiten erkennen, Vorsorgen und heilen, Was tun bei ......? veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.
Dein Kommentar wird von der Blog-Redaktion geprüft und und erscheint erst nach der Freigabe.

Spamschutz * Frist ist abgelaufen. Bitte laden Sie den Spamschutz erneut.