Von psychischen Problemen Betroffene leiden und schweigen

Menschen in der Schweiz sehen im Arbeitsstress die Hauptursache für psychische Leiden. Im Umgang damit gilt offenbar: Leiden und Schweigen. Dies zeigt eine neue Studie der Forschungsstelle sotomo. Die Kampagne «Wie geht’s dir?» macht sich deshalb stark für einen offenen Umgang mit dem heiklen Thema.

Zwei Drittel der Schweizer Bevölkerung haben im Verlauf ihres Lebens schon einmal unter psychischen Beeinträchtigungen gelitten und fast ein Fünftel gibt an, sich aktuell in einem länger dauernden emotionalen Tief zu befinden. Als Hauptfaktor für eine negative psychische Grundstimmung geben die Befragten Stress und Überlastung an. Und 70 Prozent der in der Studie Befragten haben Angst davor, über ihr psychisches Tief zu sprechen. Die Furcht davor, als nicht leistungsfähig und schwach zu gelten, ist weit verbreitet. Bei Menschen, die aktuell unter einer psychischen Beeinträchtigung leiden, fürchten sich gar vier Fünftel der Befragten davor, dass andere von ihrer Situation erfahren könnten.

Verlust der Leistungsfähigkeit als Damokles-Schwert

Das Dilemma: Wenn es den Befragten nicht gut geht, wünschen sie sich noch vor jeder anderen Reaktion, dass ihr Umfeld sie ernst nimmt und zuhört. Betroffene befinden sich also in einem Teufelskreis. Sie würden gerne über ihre Situation reden, fürchten sich aber gleichzeitig vor den Reaktionen. Das ist vor allem Arbeitsplatz problematisch. Stress im Job wird als Hauptursache für die Entstehung von psychischen Krankheiten gesehen. Die Angst davor, als nicht mehr leistungsfähig zu gelten, erschwert die offene Ansprache bei beeinträchtigter psychischer Verfassung.

«Wie geht’s dir?» – ein gemeinsames Engagement

Die Studienresultate zeigen das klare Bedürfnis der Bevölkerung, einen offeneren Umgang mit dem Thema «psychische Gesundheit» zu finden – und ohne Ängste darüber reden zu können. Die Neuauflage der 2014 lancierten Kampagne «Wie geht’s dir?» von den Deutschschweizer Kantonen und Pro Mente Sana im Auftrag von Gesundheitsförderung Schweiz will für dieses wichtige Anliegen noch stärker sensibilisieren. Das Ziel des gemeinsamen Engagements ist, dass es selbstverständlicher und einfacher wird, über psychische Belastungen zu sprechen und damit raschere Hilfe zu ermöglichen. Die Kampagne macht sich deshalb dafür stark, psychische Erkrankungen zu entstigmatisieren und will zum aktiven Einsatz für die psychische Gesundheit ermutigen. Auf der dazugehörigen Website wie-gehts-dir.ch sind für Betroffene und deren Umfeld ganz konkrete Gesprächstipps zu finden.

Mehr zum Thema finden Sie auf der Website von «Wie geht es dir», einer Kampagne mit breiter Trägerschaft im Auftrag der Gesundheitsförderung Schweiz. Im Rahmen der Kampagne sind eine Reihe von Broschüren entstanden.

  • Wir reden über alles. Auch über Psychische Gesundheit und Krankheiten.
    Sie enthält umfassende Informationen und Tipps für Gespräche und zur Pflege der psychischen Gesundheit. Sie erklärt kurz und gut verständlich psychische Erkrankungen. (hier als PDF herunterladen)
  • Psychische Gesundheit und Erkrankungen in der Familie.
    Die Broschüre richtet sich an Familienmitglieder und Bezugspersonen aus dem privaten Umfeld. Themen sind: Wie kann psychische Gesundheit in der Familie geschützt werden, wie erkennt man psychische Belastungen, wie und wann kann man Belastungen ansprechen, was tun, wenn Eltern, Kinder oder Jugendliche erkranken. (hier als PDF herunterladen)
  • Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz.
    Die Broschüre fasst kurz und gut verständlich zusammen, wie der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz Sorge getragen werden kann, was Warnzeichen sind und wie man vorgehen kann, wenn die Gesundheit gefährdet ist. (hier als PDF herunterladen)
  • Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz für Führungskräfte.
    Themen sind: Wie kann psychische Gesundheit bei Mitarbeitenden geschützt werden, wie erkennt man psychische Belastungen, wie und wann kann man Belastungen ansprechen, was tun, wenn Mitarbeitende erkranken. (hier als PDF herunterladen)
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