Patientenverfügungen reichen meist nicht

Immer mehr Menschen haben in den letzten Jahren eine PatientInnen-Verfügung erstellt. Damit möchten sie sicher stellen, dass sie nach einem Unfall oder bei einer schweren Erkrankung so behandelt werden, wie sie es wünschen, auch wenn sie nicht mehr in der Lage sind, diese Wünsche selber zu äussern. Mit einer Patientenverfügung halten sie dies schriftlich fest, und ermöglichen den behandelnden Ärztinnen und Ärzten medizinische Entscheide und helfen den Angehörigen, im Sinne der PatientInnen zu entscheiden.

Gerade in Notfällen sind aber die Patientenverfügungen oft nicht greifbar. Schliesslich tragen Sie ja dieses Dokument nicht immer auf sich. Ausserdem sind sie in vielen Fällen zu sehr auf dauerhafte Urteilsunfähigkeit oder auf das Lebensende ausgerichtet. Und häufig sind sie auch zu allgemein gehalten. Daher müssen die behandelnden ÄrztInnen die PatientInnenverfügungen – wenn sie denn überhaupt greifbar sind – immer wieder für die jeweilige Situation interpretieren, auch wenn sie an sich juristisch verbindlich wären.

Lesen Sie dazu den Beitrag «So wird der Patientenwille auch umgesetzt» im Tages-Anzeiger.

Es braucht eine gesundheitliche Vorausplanung

Die medizinische Behandlung von kranken Personen sollte sich immer an deren aktuellen Vorstellungen und Zielen orientieren. Um dies zu garantieren, braucht es mehr als eine einmal schriftliche festgehaltene, allgemein gehaltene PatientInnenverfügung.

Nur mit der gesundheitlichen Vorausplanung nach ACP (Advanced Care Planning) können Behandlungen und Betreuung auch dann dem eigenen Willen entsprechen, wenn die Betroffenen sich nicht mehr selbst äussern können. Bei diesem Verfahren werden im gemeinsamen Gespräch – idealerweise mit einem oder mehreren Angehörigen – Einstellungen zum Leben und zu schwerer Krankheit zusammengefasst, um die Grundlage für Festlegungen individueller Therapieziele zu schaffen und verständlich in der Patientenverfügung nach ACP-Standard festzuhalten.

Die Behandlungsteams erhalten durch diese strukturierte gesundheitliche Vorausplanung klare Leitplanken für medizinische Entscheidungen bei Urteilsunfähigkeit. Die Angehörigen gewinnen mehr Sicherheit in der Vertretung des Patientenwillens.

Mit dem Konzept der gesundheitlichen Vorausplanung werden Werte, Erwartungen und Wünsche von Patientinnen und Patienten ermittelt und in Therapieziele, Behandlungsentscheide und entsprechende Massnahmen für zukünftige Situationen der Urteilsunfähigkeit „übersetzt“. Die Ergebnisse werden in geeigneter Form dokumentiert und es wird sichergestellt, dass diese Informationen jederzeit verfügbar sind und umgesetzt werden können.

Wer sich für einen solchen – oft auch PatientInnenverfügung plus – genannten Plan entscheiden möchte, kann sich bei „palliative zh+sh“ beraten lassen. Auf der Geschäftsstelle von palliative zh+sh in Zürich können sich Interessierte und Betroffene professionell für eine vorausschauende Behandlungsplanung (Patientenverfügung «plus») beraten lassen. Die Beratung arbeitet mit dem hier vorgestellten System ACP-NOPA (Advance Care Planning – Notfallplanung Palliative) und wird von zertifizierten Fachpersonen durchgeführt. Eine ACP-NOPA-Beratung kostet CHF 175.00. Bitte klären Sie mit Ihrer Krankenkasse, ob diese Kosten übernommen werden.

Die ACP-Beratenden sind dafür zuständig, die Beratung individuell und situationsbezogen anzubieten und auf Ihre Anliegen und Bedürfnisse einzugehen. Diese vertreten die Haltung, dass Sie bestimmen, ob Sie Festlegungen machen möchten, was Sie festlegen, wen Sie bei den Beratungsgesprächen als Angehörige dabeihaben und wie Sie die Festlegungen kommunizieren und dokumentieren wollen.

Eine Kurzbroschüre zum Thema können Sie sich hier als PDF herunterladen.

 

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