Mit Virtual Reality gegen den Schmerz spielen

Wer eigene Kinder hat oder schon einmal mit einem Kind ins Spital musste, weiss gut, dass diese meist schmerzempfindlich sind und in diesem klinischen Umfeld Ängste entwickeln. Manchmal sind sie kaum zu trösten nach dem Pieks beim Impfen, der Blutentnahme oder bei einem Verbandswechsel. Nun setzen aber immer mehr Spitäler Virtual-Reality-Spiele ein, um das Schmerzempfinden von Kindern und von Erwachsenen zu senken.

Pionier ist laut einem Artikel auf Zeit online der Kinderpsychologe Jeff Gold vom Children’s Hospital in Los Angeles. Schon im Gang der Kinderabteilung «watschelt ein dicker Corgi, den die jungen Patientinnen und Patienten streicheln dürfen. Von den sonnengelb gestrichenen Wänden winken Eisbärenbabys und im Foyer singt eine Liveband.» schreibt die ZEIT. Golds Herzstück ist aber eine Virtual-Reality-Brille, mit der die Kinder in eine dreidimensionale Plüschwelt mit pinkfarbenen Teddybären tauchen können. Mit Kopfbewegungen kann man flauschige lila Bälle steuern und wenn man einen Bären trifft, fallen diese glucksend und kichernd um.

Gemäss Zeit online hat Gold «das Spiel Bear Blast in Zusammenarbeit mit der Softwarefirma AppliedVR für Kinder und Teenager von zehn bis 21 Jahren entwickelt, und zwar speziell für schmerzhafte Prozeduren wie Blutabnahme oder Chemotherapie. Das ist auch der Grund, warum man beim Spiel die Hände nicht bewegt, denn die Pfleger müssen Zugang zu den Venen finden.»

Da unser Schmerzempfinden stark davon beeinflusst ist, wie sehr wir unsere Aufmerksamkeit darauf richten, kann mit solchen Spielen der empfundene Schmerz reduziert werden. Gleichzeitig wird auch der negative Regelkreis von Schmerz und Angst durchbrochen. Gold sagt im Beitrag: «Wir können nachweisen, dass die Kinder beim Spielen Endorphine produzieren, also körpereigene, schmerzlindernde Stoffe. Das sind natürliche Opioide.» Kinder hätten manchmal sogar nach der Blutentnahme gefragt, wann es jetzt endlich losgehe.

Mit seinen Versuchen mit Virtual-Spielen hat Gold bereits 2004 begonnen und hat das Pain Management Lab gegründet. Zu Beginn waren aber die dafür nötigen 3D-Brillen noch sehr teuer und seine Methode ist auf heftigen Widerstand gestossen. Heue liegen aber die Preise für solche Brillen bei wenigen hundert Franken und das Geld ist längst kein Argument mehr.

Unterdessen haben auch andere Spitäler die Methode übernommen. «Der Psychologe Hunter Hoffman an der Universität von Washington in Seattle nutzt es für erwachsene Patientinnen und Patienten mit Verbrennungen. Während der oft schmerzhaften Verbandswechsel spielen sie das Game Snow World, in dem sie mit Schneebällen auf Pinguine und Eisberge zielen. Das Eintauchen in die virtuelle Polarwelt senkt das Schmerzempfinden laut Hoffmans Studien nachweislich um 35 bis 50 Prozent.», schreibt die Zeit online, basierend auf einer Studie zu diesem Thema. In Deutschland verwenden ÄrztInnen Virtual Reality zur Behandlung von Phobien; sie gewöhnen so ihre PatientInnen langsam und kontrolliert an die Angstmacher.

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