Medizinische Überversorgung grafisch dargestellt

Gemäss einer Studie im Auftrag der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) sind in der Schweiz zwischen 20 und 30% der medizinischen Eingriffe überflüssig. Das hat massive Folgen für die Lebensqualität der PatientInnen und führt gleichzeitig zu unnötig hohen Kosten. Verantwortlich für die Überversorgung sind sowohl ein Teil der Ärzteschaft als auch PatientInnen, die auf einer bestimmten Abklärung oder Therapie beharren, auch wenn sie aus medizinischer Sicht nicht sinnvoll ist.

Das Swiss Medical Board (SMB) und smarter medicine, zwei Organisationen, die sich zum Ziel gesetzt haben, Über- und Fehlversorgung im Schweizer Gesundheitssystem zu verhindern, haben daher kürzlich beschlossen für einzelne ihrer Empfehlungen leicht verständliche Infografiken zu publizieren. Mit einem einfachen Klick im Internet findet man dort z.B. die wichtigsten Argumente, warum eine ÄrztIn bei unkomplizierten Atemwegsinfekten keine Antibiotika verschreiben sollte.

Eine weitere Infografik zeigt beispielsweise, warum der behandelnde Arzt vor der Durchführung eines so genannten PSA-Tests (Test zur Erkennung von Prostatabkrebs) den Patienten ausführlich über Risiken und Nutzen informieren sollte; oder warum ein Röntgenbild bei Rückenschmerzen in den ersten sechs Wochen im Normalfall unnötig ist.

Die Infografiken sind zwar primär als Gesprächsgrundlage für die behandelnden ÄrztInnen gedacht. Sie geben aber auch den PatientInnen Hinweise, auf unnötige Behandlungen, sollten aber einen Arztbesuch nicht ausschliessen, wenn die Probleme andauern.

Mehr Informationen über Einsparmöglichkeiten durch Reduktion unnötiger Behandlungen finden Sie auch in den Top-5-Listen von smarter medicine aus jeder klinischen Fachdisziplin. Sie enthalten jeweils fünf medizinische Massnahmen, die in der Regel unnötig sind.

Einen ausführlichen Bericht über die Infografiken, deren Einsatz im Alltag und deren wissenschaftlichen Hintergrund finden Sie in einem kürzlich in der Schweizerischen Ärztezeitung erschienen Beitrag.

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