Manchmal wäre weniger mehr

Vor ein paar Wochen haben wir über die Sendung Puls von SRF berichtet, in dem der mediX-Arzt Dr. med. Felix Huber vor laufender Kamera Patientinnen und Patienten gezeigt hat, welche Medikamente sie problemlos weglassen können. Nun hat auch ein lesenswerter Beitrag im Tages-Anzeiger deutlich gemacht, dass viele – vor allem ältere PatientInnen – viel zu viele Medikamente schlucken; Menschen ab 65 nehmen durchschnittlich täglich fünf bis sechs Arzneimittel, HeimbewohnerInnen sogar neun bis zehn.

Da ist gemäss Tages-Anzeiger «die Geschichte des ‹Herrn B.›», die Garfinkel (Anmerkung der mediX-Blog-Redaktion: ein israelischer Arzt) auf seiner Website schildert: Bei dem 72-Jährigen war eine Alzheimerdemenz diagnostiziert worden. Ausserdem musste er wegen seiner Nierenschwäche regelmässig zur Blutwäsche. Er bekam zehn Medikamente. Dann wurden sechs davon abgesetzt – und innerhalb von zwei Wochen verbesserten sich B.s geistigen und alltagspraktischen Fähigkeiten massiv. Vor dem Absetzen hatte er in einem Demenztest nur 14 von 30 Punkten erreicht. Das entspricht einer mittelschwer bis schwer eingeschränkten Hirnleistung. Nach dem Medikamentenstopp schaffte B. 30 von 30 Punkten – also normal. Er nahm wieder am Gemeinschaftsleben teil und unterzog sich später einer Nierentransplantation.» Sicher, dabei handelt es sich um ein Extrembeispiel, aber auch die Sendung im Pulstipp hat es deutlich gemacht, dass bei Verabreichung von vielen Medikamenten – die z.T. von unterschiedlichen ÄrztInnen ohne Kenntnis der bereits bestehenden Medikation verschrieben wurden – die Wechsel- und Nebenwirkungen nicht mehr eingeschätzt werden können.

Häufig verursache die Polypharmazie – so der Fachbegriff für die Einnahme von fünf oder mehr Arzneimitteln – unspezifische Beschwerden: Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Schwindel, Verwirrtheitszustände, Zittern, Stürze, Funktionsstörungen der Blase oder Magen-Darm-Probleme, heisst es im erwähnten Tages-Anzeiger-Artikel. Und oft würden solche Symptome nicht als unerwünschte Wirkungen von Arzneimitteln erkannt.

Gerade im Alter ist aber die Einnahme vieler unterschiedlicher Medikamente auch in der Schweiz sehr verbreitet. Gemäss dem jährlich erscheinenden Helsana-Arzneimittelreport schlucken 60 Prozent aller SchweizerInnen mindestens vier Medikamente und 20 Prozent sogar mehr als zehn gleichzeitig. In Heimen sind die Quoten noch höher.

Den ganzen Tages-Anzeiger-Beitrag können Sie hier als PDF herunterladen.

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