Immer mehr Resistenzen gegen Antibiotika

Als Alexander Fleming sie vor rund 75 Jahren erfunden hatte, gereichten sie der Menschheit rasch zum Segen. Antibiotika waren in der Lage, viele Krankheiten zu heilen, die vorher oft zum Tode führten. Sie haben gefährlichen bakteriellen Infektion den Schrecken genommen. Dank ihnen überlebten und überleben auch heute noch Tausende von Menschen bisher tödliche Krankheiten wie Lungenentzündung oder Blutvergiftungen. Aber mehr und mehr geraten die Antibiotika selber in Gefahr, denn viele Bakterien entwickeln zusehends Resistenzen gegen die Heilmittel. Damit verlieren diese ihre Fähigkeit, Zellwände von Bakterien zu zerstören oder deren Zellvermehrung zu unterbinden.

Die wachsende Antibiotika-Resistenz – und ganz besonders die Bakterien, die gegen mehrere oder gar alle verfügbaren Antibiotika resistent sind – stellen die Medizin vor grosse Herausforderungen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt davor, dass selbst einfache Infektionen wieder zur tödlichen Gefahr werden könnten.

Resistenzen entstehen, wenn Bakterien und Mikroorganismen extremen Umweltbedingungen ausgesetzt sind oder sich gegen feindliche Lebewesen und Giftstoffe verteidigen müssen. Mikroorganismen reproduzieren sich alle 20 bis 30 Minuten durch Zellteilung. Dabei entstehen immer wieder kleine Fehler im Erbgut, sogenannte Mutationen. Aufgrund der schnellen Vermehrung von Bakterien können solche Mutationen dazu führen, dass ein ganzer Bakterienstamm rasch widerstandsfähig gegenüber Umweltgiften oder eben auch bestimmten Antibiotika wird. Denn während alle anderen Keime noch empfindlich gegenüber der toxischen Substanz sind und absterben, überleben die resistenten Erreger und geben ihre Widerstandsfähigkeit an die nachfolgenden Generationen weiter. Da Bakterien außerdem genetisches Material untereinander austauschen, können sie die Resistenzen an andere Bakterienarten weitergeben.

Dieser an sich natürliche Prozess, der schon seit Jahrtausenden im Gange ist, wurde jedoch in den letzten Jahren durch den Menschen dramatisch beschleunigt. Der schon fast inflatorische Einsatz von antibiotischer Substanzen gegen alles und jedes sowohl beim Menschen als auch in der Landwirtschaft hat den Resistenzdruck auf die Bakterien massiv erhöht. Fachleute vertreten die Meinung, dass heute in der Humanmedizin fast jeder dritte Einsatz von Antibiotika medizinisch unangemessen ist. Ein gutes Beispiel sind die Infektionen der Atemwege: obwohl rund 85 Prozent aller Fälle durch Viren verursacht werden, bei den Antibiotika unwirksam sind, verordnen Ärzte häufig antibakterielle Substanzen.

Noch deutlich achtloser geht die Landwirtschaft mit Antibiotika um. Weltweit geht die Forschung davon aus, dass Tierzüchter und -ärzte jedes Jahr rund 130’000 Tonnen Antibiotika verfüttern, bis 2030 rechnet man sogar mit 200’000 Tonnen. Denn in der Tierzucht werden diese Mittel nicht nur zur Behandlung kranker Tiere eingesetzt, sondern auch zur Prävention. Massentierhaltung ist anfällig gegenüber Infektionen; erkrankt ein Tier an einer Infektion, wird meist gleich die ganze Herde behandelt.

Alle Fachleute sind sich einig, dass man in Zukunft Antibiotika nur gezielt zu therapeutischen Zwecken zu verwenden sollten um die zunehmenden Resistenz von Bakterien gegen Antibiotika in den Griff zu bekommen. Darüber, wie dieser Grundsatz in die Praxis umgesetzt werden soll, ist man sich jedoch weniger einig. Denn in einem globalen Gesundheitssystem geben unterschiedliche Regierungen, unterschiedliche nationale Gesundheitsorganisationen und internationale Konzerne den Ton an, die alle ihre eigenen Interessen vertreten. Strategien gegen die Antibiotika-Resistenzentwicklung müssen jedoch über Staatsgrenzen hinaus und letztlich global wirksam werden, um erfolgreich zu sein.

Lesen Sie den ausführlichen Beitrag unter dem Titel Resistenzen ohne Grenzen, der kürzlich bei gg-digital, dem Online-Magazin der AOK in Deutschland veröffentlicht wurde.

Wenn Sie mehr wissen möchten, was sich in der  Schweiz in Sachen Antibiotika und Resistenzen dagegen tut, dann finden Sie dazu Informationen und ein einfach verständliches Video unter Antibiotika richtig einsetzen, einer gemeinsamen Initiative von pharmaSuisse, FMH, SSO (Schweizerische Zahnärztegesellschaft) und BAG (Bundesamt für Gesundheit)

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