Gesundheits-Check-up fällig?

Neulich haben wir wieder mal im Freundeskreis diskutiert, ob und wie häufig ein gesunder Mensch eigentlich ein Gesundheits-Check-up braucht. Dabei gab es unterschiedliche Meinungen: „Wer nicht jedes Jahr ein Check-up macht, handelt fahrlässig.“ meinte eine der Kolleginnen, schliesslich bringe man sein Auto auch regelmässig in den Service. Ein Kollege war völlig anderer Ansicht: „Check-ups sind blödsinnige Kostentreiber; wenn ich etwas habe, merke ich das früh genug.“ Tatsächlich ist die Frage nicht so einfach zu beantworten und wie immer sind es die Zwischentöne, die der Wahrheit am nächsten liegen.

Von vielen Faktoren abhängig

Über Sinn und Unsinn von Vorsorgemassnahmen wird selbst unter Fachleuten gestritten, denn wann und wie häufig welche Untersuchungen bei einem Check-up gemacht werden sollen, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wichtige Aspekte sind zum Beispiel die persönliche Krankheitsgeschichte, die familiären Belastung und persönliche Risikofaktoren wie Übergewicht, Rauchen, fehlende Bewegung oder ungesunde Ernährung. Die Frage, welche Tests bei wem sinnvoll sind, kann also nicht generell beantwortet werden, sondern muss eine ÄrztIn für jede PatientIn individuell beurteilen.

Check-up nur nach einem Gespräch mit einer ÄrztIn

Ein Check-up ist weit mehr als eine starre Abfolge von körperlichen Untersuchungen und Labortests; er beginnt immer mit einem Gespräch mit der ÄrztIn. Nur vor dem Hintergrund Ihrer Lebensumstände, Risikofaktoren für bestimmte Krankheiten und aktuellen Beschwerden kann eine Ärztin nämlich beurteilen, welche Untersuchungen nötig und sinnvoll sind.

Für Menschen, die zu einer Risikogruppe gehören, gelten ausserdem andere Empfehlungen als für gesunde Männer und Frauen ohne Beschwerden.

Wichtig sind auch Ihre persönlichen Befürchtungen, an einer bestimmten Krankheit zu leiden. Soweit möglich kann man so auch Ihr tatsächliches Risiko für diese Krankheit abklären.

Es gibt ein paar Faustregeln

Ein paar Faustregeln aus dem mediX-Gesundheitsdossier «Check-up für Erwachsene» (hier als PDF downloaden) möchten wir Ihnen aber nicht vorenthalten und haben daher aus der Fülle der Informationen ein paar Beispiele herausgegriffen. Im Dossier selbst finden Sie viele weitere Hinweise über Sinn und Unsinn von Vorsorgeuntersuchungen.

Blutdruck

Ein über Jahre zu hoher Blutdruck ist aber ein wichtiger Risikofaktor für Herzschwäche, Herzinfarkt, Hirnschlag und andere Herz-Kreislauf-Krankheiten. Deshalb empfiehlt mediX, den Blutdruck ab einem Alter von 20 Jahren alle drei Jahre messen zu lassen.

Cholesterin

Ein hoher Cholesterinspiegel ist ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Krankheiten. Daher sollte Cholesterin bei Männern ab 35 bis 65 und bei Frauen ab 45 bis 65 alle fünf Jahre gemessen werden.  Wenn Sie bereits unter einer Herz-Kreislauf-Krankheit oder Diabetes leiden oder in der Familie erhöhtes Cholesterin, Herzinfarkt, Hirnschlag, oder Gefässverschlüsse vorkommen, sollten Sie Ihr Cholesterin in jedem Alter und in kürzeren Abständen auf ärztlichen Rat bestimmen lassen.

Zuckerkrankheit (Diabetes)

Etwa drei bis vier Prozent der Schweizer Bevölkerung sind zuckerkrank – aber viele wissen nichts davon. Behandelt man den zu hohen Blutzucker frühzeitig, können Schäden an Augen, Nieren, Herz und Gefässen verzögert oder vermieden werden. Ab 45 nimmt das Risiko für Blutzuckerkrankheit (Diabetes) stark zu. Ab einem Alter von 45 Jahren ist es also sinnvoll, den Blutzucker kontrollieren zu lassen. RisikopatientInnen, z.B. bei bei Diabetes in der Familie, bei Übergewicht, bei erhöhtem Blutdruck, bei erhöhtem Cholesterin, bei Frauen, die Schwangerschaftsdiabetes hatten oder deren Kind bei der Geburt über 4100 Gramm wog und bei Tamilen sollten sich auch unter 45 Jahren regelmässig auf Blutzucker untersuchten lassen.

Brustkrebs

In der Schweiz wird heute empfohlen, dass alle Frauen zwischen 50 und 69 alle zwei Jahre eine Mammographie (Röntgenuntersuchung der Brüste) machen lassen sollen. Der Nutzen dieser Routine-Untersuchung ist allerdings sehr umstritten. Mit der Mammographie kann Brustkrebs zwar eventuell früher entdeckt und behandelt werden, die Untersuchung birgt aber auch gravierende Nachteile und Risiken. Es gibt aber keinen Beweis, dass damit auch das Leben der betroffenen Frauen verlängert werden kann. Ausführliche Informationen über das Für und Wider des Mammographie-Screenings finden Sie im Gesundheitsdossier «Früherkennung von Brustkrebs» (hier als PDF downloaden) und im mediX-Blog-Beitrag «Mammografie-Screening: Negative Effekte stärker als positive» mit einem ausführlichen Interview zum Thema mit Frau Dr. med. Brida von Castelberg.

Wirkung von Checkup wird von PatientInnen oft überschätzt

Das mediX-Gesundheitsdossier «Check-up für Erwachsene» (hier als PDF downloaden) zeigt in leicht verständlichen Tabellen für eine Reihe von Vorsorgeuntersuchungen, wie viele Krankheiten oder Todesfälle mit einer Vorsorge-Untersuchung möglicherweise verhindert werden können. Für eine abschliessende Beurteilung ist aber in jedem Fall ein Gespräch mit einer ÄrztIn nötig.

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Ein Kommentar zu Gesundheits-Check-up fällig?

  1. Mein Vater geht ständig zum Check-up, obwohl er gesund ist. Fand ich bisher immer etwas überflüssig. Aber jetzt verstehe ich, warum er das macht.

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