Erektionsstörungen mindern Lebensqualität

Für Männer – auch für die Beziehung, wenn sie in einer solchen Leben – ist eine Erektionsstörung, oder erektile Dysfunktion wie sie medizinisch korrekt genannt sein will, meist ein echtes Problem.

Die Ursachen sind dabei nicht immer leicht zu eruieren, denn sexuelles Erleben und Verhalten basieren auf einem Zusammenspiel organischer, psychischer und sozialer Faktoren. Körperliche Sexualfunktion, Persönlichkeitsmerkmale, Lebensumstände und die Partnerbeziehung sind bei Sexualstörungen einzeln zu beurteilen und zu Gewichten. In den mediX-Guidelines für ÄrztInnen und Ärzte zum Thema «Sexualstörungen beim Mann» werden Erektionsstörungen als «das anhaltende oder wiederkehrende Unvermögen, eine ausreichende Erektion für eine sexuelle Aktivität zu erzielen oder aufrecht zu erhalten. Dieser Zustand sollte (in der Regel; Anmerkung der Redaktion) mindestens 3 Monate bestehen.»

Die Störungen treten je nach Alter unterschiedlich häufig auf. Männer unter 40 Jahren sind zu 9 Prozent betroffen, bei den 40-50-Jährigen sind es bereits 10 bis 15 Prozent, bei den 50-60-Jahrigen 20 bis 30 Prozent und bei den 60-70-Jährigen bereits 40 Prozent.

Die Krankheit gilt weitherum immer noch als Tabu. Daher haben viele Betroffene auch Hemmungen sich an einen Arzt zu wenden und leben mit einem schlechten Gefühl, Ungewissheit und Hilflosigkeit. Die Konsultation eines Hausarztes wäre aber in jedem Fall angezeigt, denn neben den Problemen im Alltag kann die Störung auch Ausdruck einer gravierenderen Krankheit sein, z.B. ein Frühzeichen für eine kardiale Erkrankung (Herz-Kreislauf-Erkrankung).

Mögliche Ursachen

Die erektile Dysfunktion kann verschiedene Ursachen haben:

Organische Ursachen

Folgende Ursachen der Erektionsstörung sind organisch:

  • vaskulär bedingt: z.B. Probleme mit dem Schwellköper infolge reduziertem arteriellem Blutzustrom oder beschleunigtem venösen Abfluss. Die Risikofaktoren sind meist identisch mit denen einer koronaren Herzkrankheit:Alter, Diabetes mellitus, Hypertonie (Bluthochdruck), Hypercholesterinämie (zu hoher Cholesterinspiegel im Blut) und Rauchen.
  • neurologisch bedingt: z.B.  (diabetische) Polyneuropathie (Erkrankungen des peripheren Nervensystems, die mehrere Nerven betreffen), Infarkte, Hirnblutungen, Alzheimer, Parkinson, Tumore oder Multiple Sklerose oder andere neurologische Krankheiten
  • hormonell bedingt: z.B. Hypogonadismus (verminderte Funktion der männlichen Geschlechtsdrüsen), Hypo-/Hyperthyreose (Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse)
  • systemische Ursachen: Krankheiten, die sich auf ein gesamtes Organsystem auswirken

Psychische Ursachen

Oft haben die Störungen keinen körperlichen Ursachen, sondern sind mental bedingt. Psychische Ursachen sind wahrscheinlich bei Männern unter 50, wenn keine Risikofaktoren vorliegen, der Patient sich genau an den Beginn des Problems erinnert, nächtliche und morgendliche Spontanreaktionen erhalten sind, keine Erektionsprobleme bei Masturbation oder bestimmten Partnern zu erkennen sind, belastende Lebensereignisse vorausgegangen sind oder bei nur situationsabhängigen oder wechselnden sexuellen Störungen.

Psychische Ursachen sind z. B.:

  • Häufig Angstsymptome, ausgelöst z. B. durch Beziehungsunsicherheit oder Insuffizienzgefühle. Der sexuelle Reaktionszyklus wird durch Erwartungsangst, Versagensangst, Leistungsdruck, erhöhte Anspannung und Selbstbeobachtung behindert. Diese Reaktionsmuster können auch bei einer primär organisch bedingten erektiler Dysfunktion entstehen
  • Psychiatrische Erkrankungen (Depression, Schizophrenie) gehen oft mit erektiler Dysfunktion einher.
  • Partnerschaftsprobleme, traumatische sexuelle Erfahrungen, Stress, etc.

Medikamente als Ursache

Auch Medikamente zur Bekämpfung anderer Krankheiten können zu Sexualstörungen führen. Z.B.:

  • Antidepressiva
  • BPH-Medikamente (Medikamente gegen gutartige Prostatavergrösserung)
  • Antihypertensiva (blutdrucksenkende Arzneimittel) und Diuretika (harnfördernde Medikamente)
  • Hormone, Histaminrezeptorantagonisten (zur Hemmung der Magensäuresekretion) sowie bestimmte Drogen (Kokain, Alkohol).

Eine weitere denkbare Ursache, die schon fast anekdotisch wirkt, ist übrigens ausgedehntes Velofahren.

Was kann man dagegen tun?

Sind die Ursachen einmal bekannt, sind verschiedene Therapien denkbar:

Sexualberatung

  • Lifestyle-Massnahmen (z. B. Stressreduktion, Bewegung, Rauchstopp), Aufklärung über altersbedingten physiologischen Rückgang der Potenzkraft, Erwartungsdruck und unrealistische Vorstellungen über sexuelle Leistungsfähigkeit ansprechen, lustvoller Sex auch ohne Erektion möglich
  • Beratungsstellen, Kurse: z. B. ziss.ch (Zürich), Sexuelle Gesundheit Schweiz
  • Selbsthilfe-Weblink: Selbsthilfegruppe Impotenz
  • Bei komplizierteren Beziehungs-/Persönlichkeitsstörungen –> Sexual-/Paar- oder Psychotherapie.

Medikamentöse Therapie nach Ursachenabklärung und Beratung

Als vor rund 20 Jahren mit Viagra ein erstes „Potenzmittel“ auf dem Markt erschien, galt dies als Durchbruch. Seither sind neuere, direkter wirkende Stoffe entwickelt worden mit weniger Nebenwirkungen. Für die Wahl des richtigen Medikaments sollte in jedem Fall ein Hausarzt konsultiert werden, denn die Arzneimittel wirken sehr unterschiedlich und nicht bei allen Männern gleich.

Weitere Therapieformen sind die Vakuumpumpe, mit guter Wirksamkeit, Beckenbodentraining oder als letzte Möglichkeit eine Operation.

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