Vieles spricht für Vertragsfreiheit

Bildschirmfoto 2015-04-21 um 12.19.43In der Mitgliederzeitschrift Senso von Helsana konnte ich kürzlich mit Jürg Schlup, FMH-Präsident schriftlich die Klingen kreuzen über Sinn oder Unsinn des heute geltenden Vertragszwangs zwischen Krankenversicherern und Ärzten. Während der Vertreter der FMH sich erwartungsgemäss für den Status Quo stark macht, sehe ich in einem mehr marktwirtschaftlichen Modell mit Vertragsfreiheit nur Vorteile. Weit über die eindeutig kostensparende Wirkung einer Aufhebung des Vertragszwangs hinaus bin ich überzeugt, dass der aktuell geltende Vertragszwang in erster Linie die aktuell schon problematische Überversorgung mit SpezialistInnen weiter verstärkt.

 Vertragszwang führt zu ärztlicher Fehlversorgung

Die ärztliche Grundversorgung in der Schweiz ist bereits heute in ländlichen Gebieten nicht mehr sichergestellt. Da werden wir mit der Zunahme der älteren Bevölkerung in den nächsten Jahren in einen gravierenden hausärztlichen Versorgungsengpass geraten. Die Zahl der Ausbildungsplätze ist begrenzt und deckt auch bei der geplanten Aufstockung der Studienplätze niemals den Bedarf an Hausärzten ab.

Grundsätzlich bilden wir aber genügend Ärzte aus. Nur wählen zu viele ein spezialärztliches Fachgebiet. So haben wir derzeit vor allem eine Überversorgung bei der Kardiologie, Orthopädie und der plastischen Chirurgie. Die Krankenversicherer müssen all diese Spezialisten unter Vertrag nehmen. Sie haben heute keine Möglichkeit, diese ärztliche Fehlversorgung zu ändern. Mit der Vertragsfreiheit könnten die Versicherer das Angebot an medizinischer Versorgung nach den Bedürfnissen der Bevölkerung gestalten.

Grundversorgung fördern

Es wären differenzierte Tarife nach Regionen, nach Fachgebieten oder auch nach Versorgungsstrukturen möglich, und der Wettbewerb könnte neue und innovative Abgeltungssysteme hervorbringen. Hausärzte würden primär in ländlichen und unterversorgten Gebieten eine Zulassung zur Abrechnung über die Grundversicherung erhalten. Jene, die bereit sind, in gut strukturierten Hausarztmodellen mitzuarbeiten, würden dabei generell bevorzugt.

Jahrelang wurde über einen Zulassungsstopp versucht, die Zahl der Ärzte, die eine eigene Praxis betreiben wollen, zu beschränken. Dieser staatliche Steuerungsversuch hatte leider kaum Wirkung gezeigt. Jetzt ist es den Kantonen überlassen, eine kantonale Planung der Praxiszulassung umzusetzen. Das ist schwerfällig und dürfte kaum den gewünschten Effekt erzielen.

Mit der Vertragsfreiheit hätten wir eine flexible und unbürokratische Lösung. Die Versicherer könnten primär die qualitativ guten und kostenbewussten Ärzte unter Vertrag nehmen. Sie werden sich bei der Auswahl der Ärzte auch an den Erwartungen der Patientinnnen und Patienten orientieren.

FMH setzt sich auf die «freie Arztwahl»

Bildschirmfoto 2015-04-21 um 12.20.03Der FMH-Präsident Jürg Schlup argumentiert mit der freien Arztwahl, und glaubt, dass die PatientInnen die Qualität der Ärzte am besten beurteilen könnten. Er befürchtet, dass es ohne Vertragszwang für ÄrztInnen schwieriger werden dürfte, schwer oder chronisch Erkrankte zu behandeln. Die freie Wahl des Arztes soll bei der PatientIn bleiben.

Helsana fürchtet immerwährenden Zulassungsstopp

Bildschirmfoto 2015-04-21 um 12.20.39In seinem Kommentar zum Thema will Wolf Stüwe, Leiter Gesundheitspolitik, nicht abschliessend Stellung nehmen zum Thema. Welche Argumente richtig seien, sei schwer zu sagen, aber es gebe ein paar Fakten:

Die Übergangslösung «Zulassungsstopp» sei ohne Wirkung geblieben. Das gehe ins Geld der Prämienzahlenden, denn die Arztkosten seien in den beiden letzten Jahren (während denen der Zulassungsstopp aufgehoben war) massiv gestiegen.

Fakt sei auch, dass alle Ärzte in einem Kanton den gleichen Preis für ihre Leistungen erhalten, egal, ob es viele oder wenige einer Fachdisziplin gebe. Auch spiele es keine Rolle, ob sie in der Stadt oder auf dem Land praktizieren. Die Qualität der erbrachten Leistung spiele bei der Entschädigung schon gar keine Rolle, sie werde einfach als gegeben vorausgesetzt.

Strüwe plädiert für Lösungen, die gemeinsam mit den Krankenversicherern gefunden werden, denn nur so seien Nachhaltigkeit und Akzeptanz gewährleistet. Unser Gesundheitswesen basiere auf Partnerschaft. Dabei dürfe es keine Scheuklappen geben und es müsse offen diskutiert werden. Die Alternative dazu sei jedenfalls schon heute bekannt: der immerwährende Zulassungsstopp, den keiner wolle.

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