Managed Care setzt sich durch – eine Standortbestimmung

Vor rund 30 Jahren sind die ersten HMO-Hausarztpraxen entstanden. Mit diesen Modellen wollte man gleichzeitig die Gesundheitskosten senken und die Qualität der Betreuung verbessern. Die HausärztIn bekam dabei eine neue Rolle als erste AnsprechpartnerIn für die PatientInnen und als Verantwortliche für alle weiteren Betreuungsschritte, auch ausserhalb der Hausarztpraxis. Diese Modelle waren in den ersten Jahren heftig umstritten: besonders die traditionelle Ärzteschaft und die SpezialärztInnen wehrten sich vehement dagegen. Der Begriff HMO ist heute weitgehend verschwunden, das Prinzip Managed Care, im Sinne einer koordinierenden Grundversorgung durch die HausärztIn, hat in den letzten Jahren im Schweizer Gesundheitswesen jedoch stark an Bedeutung gewonnen und dieses wesentlich geprägt.

Die Erfolgsgeschichte von Managed Care – aufbereitet in einem lesenswerten Buch

Zur Geschichte der Managed-Care-Modelle, deren Einfluss auf die medizinische Versorgung in der Schweiz, ihre aktuellen Herausforderungen und deren Zukunftsperspektiven, hat die SGGP (Schweizerische Gesellschaft für Gesundheitspolitik) kürzlich das Buch «Managed Care Swiss made» veröffentlicht. 

Das im Rahmen der Schriftenreihe der SGGP publizierte Buch – herausgegeben von Eleonore und Jürg Baumberger, Felix Huber und Christian Köpe – beschreibt in einem historischen Teil, wie in den letzten 30 Jahren eine Vielzahl von Einrichtungen der Integrierten Versorgung entstanden sind und wie sich diese entwickelt haben. Heute sind zwei Drittel aller Versicherten sind in einem solchen Modell versichert. Diese Patientinnen und Patienten profitieren nicht nur von Prämienrabatten, sondern auch von transparenten, optimalen Behandlungsverläufen. Die Integrierte Versorgung ist ein Erfolgsmodell mit Zukunftsperspektiven – und in der Schweiz weitgehend etabliert. 

Integrierte Versorgung nachweislich kostensenkend

Die grosse Bedeutung der Integrierten Versorgung für den medizinischen Alltag in der Schweiz hat nachweislich kostensenkend gewirkt. Kosteneinsparungen von 15 bis 35 Prozent gegenüber der konventionellen Krankenversicherung sind möglich. Sie hat gleichzeitig die Qualität der Grundversorgung verbessert und die Position und das Selbstbewusstsein der HausärztIn gestärkt. Transparenz und intensive Zusammenarbeit – besonders im Rahmen von Qualitätszirkeln – haben wesentlich dazu beigetragen. Der Zusammenschluss von ÄrztInnen und medizinischen Fachleuten in Gemeinschaftspraxen und Ärztenetzen hat neue Arbeitsmodelle ermöglicht und den Frauenanteil am Hausarztberuf markant gesteigert. Qualitätszirkel, Praxis-Zertifizierungen und eine moderne Informatik zur Analyse von medizinischen Daten sowie zur Verbesserung der Behandlungspfade sind die Grundlagen zur weiteren Steigerung der Qualität der Behandlung und Senkung der Kosten. Die Entwicklungen dieser und weiterer Aspekte sind im Buch ausführlich dokumentiert.

Problem Schwarzfahrer-Modelle ungelöst

Viele Probleme sind aber trotz des unbestreitbaren Erfolgs der Managed-Care-Modelle noch ungelöst. So verfügen beispielsweise «pseudo»- oder Schwarzfahrer-Modelle (Listenmodelle) aufgrund von Mängeln im Krankenversicherungsgesetz über unberechtigte Wettbewerbsvorteile. Prämienreduktionen sollten aber in Zukunft jeweils nur die tatsächlichen Einsparungen widerspiegeln und die tatsächlich koordinierenden Modelle sollten sich prämienmässig von den blossen Gatekeeping-Produkten unterscheiden können. 

Dringend ist auch die Vereinheitlichung der Finanzierung von ambulanten und stationären Leistungen (EFAS). So könnten sich gut strukturierte Hausarztnetze kostenmässig noch deutlicher von Produkten unterscheiden, die keine Koordinationsarbeit leisten. 

Ausbau der Versorgungsforschung nötig

Und um auch in Zukunft die wissenschaftlich nachgewiesenen Vorteile von Ärztenetzwerken mit Budgetverantwortung (tiefere Kosten bei deutlich besserer Ergebnisqualität) zu sichern, sollten Versorgungsforschung ausgebaut sowie Aus- und Weiterbildung von HausärztInnen verstärkt werden. Informatik-Systeme müssen entwickelt werden, die weit über die heutigen Praxisinformationssysteme hinausgehen. Der Hausarztberuf sollte tarifarisch noch stärker aufgewertet werden. Vor allem aber müssen die Schweizer Hausärztinnen und -ärzte mit der Gründung von ärzteeigenen Managed-Care-Gruppenpraxen und -Netzwerken dafür sorgen, dass die ambulante Medizin in der Schweiz unabhängig bleibt. Eine neue Generation von Pionieren soll so dafür sorgen, dass die Praxen und Netzwerke vom Gedanken der medizinischen Qualität geleitet bleiben, um so eine freiheitliche Grundversorgung sicher zu stellen. 

Das Fazit der Expertinnen und Experten

Es braucht einen Innovationsschub, damit aus Managed Care ein voll Integriertes Versorgungssystem entstehen kann. Nötig ist ein neues Verständnis von Gesundheit, mehr Budgetverantwortung, eine einheitliche Finanzierung ambulanter und stationärer Leistungen und eine noch bessere Vernetzung der Ärzteschaft.

Das Buch können Sie bei Interesse bestellen bei der SGGP zum Preis von CHF 52.00 zuzügl. MWST für Nicht-Mitglieder oder CHF 40.00 zuzügl. MWST für Mitglieder der SGGP (persönlich oder Arbeitgeber) plus Versandkosten

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