Hausärztlich koordinierte Medizin in Gefahr

Am 19. August 2020 hat der Bundesrat sein zweites Kostendämpfungspaket präsentiert (hier als PDF herunterladen). Es dient als indirekter Gegenvorschlag zur Kostenbremse-Initiative.

Darin schlägt Bundesrat Berset unter anderem vor, die koordinierenden Hausarztmodelle künftig gesetzlich für alle vorzuschreiben – und dürfte diese aus der Sicht von mediX schweiz damit zerstören. Bersets Vorschläge würden nicht nur ein über Jahre erfolgreiches Modell der Gesundheitsversorgung gefährden, sondern auch den Wettbewerb und die Entwicklung weiterer innovativer Modelle verhindern, schreibt der mediX-Präsident Dr. med. Felix Huber in seiner Stellungnahme.

Erfolg der aktuellen Modelle basiert auf dreifacher Freiwilligkeit

Die hausärztlich koordinierte Medizin in Ärztenetzwerken zeigt seit 20 Jahren die besten Kosteneinsparungen bei gleichzeitig hoher Versorgungsqualität. Dieser Erfolg beruht auf einer dreifachen Freiwilligkeit:

  1. Die Versicherten sind frei in ihrer Wahl, ob und von welcher Hausärztin sie die Behandlung koordinieren lassen wollen.
  2. Die Versicherer sind frei, welche Verträge sie mit welchen Ärztenetzen aushandeln wollen.
  3. Die ÄrztInnen entscheiden frei, ob sie sich einem Netzwerk anschliessen wollen, und welche Verträge ihr Ärztenetz mit welchen Versicherungen aushandeln sollen.

Der Erfolg basiert auf einer Kultur der Qualitätstransparenz und der Kostenmitverantwortung. Damit werden die Mittel richtig und sorgfältig eingesetzt.

Gesetzlicher Zwang zerstört die erfolgreichen Modelle

Jetzt will Bundesrat Alain Berset diese ausgezeichneten Modelle vorschreiben und wird sie damit zerstören. Sie funktionieren nämlich nur, wenn die Versicherten sich freiwillig für eine koordinierende Behandlung entscheiden, weil sie für sich darin Vorteile sehen.

70% der Bevölkerung sehen diese Vorteile und zahlen deshalb tiefere Prämien. Eine gesetzliche Pflicht zur Erstberatung entmündigt die 30% der Bevölkerung, die die freie Arztwahl und keine Koordination wünscht und bereit ist, dafür auch entsprechend mehr zu bezahlen.

Behandlungskultur muss erarbeitet werden

Eine Kultur kann nicht aufgezwungen werden. Sie muss laufend erarbeitet werden und auf Akzeptanz stossen. Sonst kommt es zu enttäuschenden Leerläufen und zur Nivellierung der Modelle auf einem tiefen Niveau.

Entscheidend an den heutigen Modellen ist, dass Patienten welche medizinisch-qualifizierte Beratungen annehmen und damit den Ressourcen im System Sorge tragen, einen Prämienrabatt erhalten. Entscheidend ist, dass die Ärzte in solchen Modellen über Fortbildungen und mannigfaltige Qualitätsprojekte ihre Versorgungsstruktur gezielt verbessern.

Allgemeine Pflicht führt zu Nivellierung

Die heute erfolgreichen Hausarztmodelle werden es schwer haben, ihr differenziertes und hoch entwickeltes Angebot den Versicherten verständlich zu machen. PatientInnen die sich bislang an ein Hausarztmodell gehalten haben würden für diese Bereitschaft bestraft, diejenigen PatientInnen, welche bereits heute bereit sind mehr zu zahlen für eine freie Arztwahl, müssten gegen ihren Willen koordiniert werden. Eine jahrzehntelange Aufbauarbeit würde zerstört. Der Vorschlag des Bundesrates schwächt die alternativen Versicherungsmodelle,

Freiwilligkeit muss bleiben

Die Politik des Bundes und der Kantone sollte deshalb die grundsätzliche Freiwilligkeit respektieren und diese Modelle nicht mit staatlichen Eingriffen und neuen diffusen Vergütungsansätzen konkurrieren. Nur so ist es möglich eine hohe Motivation von PatientInnen und ÄrztInnen für solche Modelle und eine stete Qualitätsentwicklung aufrechtzuerhalten.

Globalbudgets führen zu endlosen administrativen Verfahren

Der zweite Teil der Vorlage mit den Globalbudgets wird zu endlosen administrativen Verfahren führen und ihr Ziel der Kosteneinsparung ebenfalls ins Gegenteil verdrehen. Die Vorlage führt insgesamt zu nutzlosen Zwängen und ist als ganze Übung abzulehnen.

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