Mehr Durchblick beim Grauen Star

Jährlich rund 100’000 PatientInnen legen sich in der Schweiz wegen eines Grauen Stars unters Messer. Sie versprechen sich von diesem Eingriff, bei dem die getrübte Linse entfernt und durch eine klare, neue Linse ersetzt wird, wieder gute Sicht. Der Eingriff gilt heute als Routine, kann ambulant durchgeführt werden und dauert normalerweise rund eine Viertelstunde. Auch wenn die Operation in den meisten Fällen gelingt, so schaffen doch viele Augenärzte nicht gerade für mehr Durchblick, wenn es um die Kosten geht. Das jedenfalls beschreibt der Beobachter in einem längeren Online-Beitrag.

Anhand eines Beispiels zeigt der Beobachter, wie Betroffene von einzelnen Augenärzten zur Kasse gebeten werden. Er schreibt in seinem Artikel: «Für den Eingriff verlangte die Tagesklinik von der Kasse 3500 Franken, davon 732 Franken für die Linse. Doch damit nicht genug: Der Patient musste für die Linse weitere 360 Franken aus der eigenen Tasche bezahlen. Macht insgesamt 1092 Franken. Dafür habe er an den Rändern eine klarere Sicht, und ein Filter schütze die Netzhaut vor schädlichen UV-Strahlen, wurde ihm versprochen. (…) Die Tagesklinik (die den Eingriff durchgeführt hat,) zahlt im Einkauf für solche Linsen nur 260 Franken.»

Gemäss Beobachter begründeten die Augenärzte diese Kosten mit zusätzlichen Aufwendungen bei der Verwendung von sogenannten Komfortlinsen. Ausserdem bezahlten die Krankenkassen diese speziellen Linsen nicht vollständig, weshalb die PatientInnen einen Teil der Kosten selber tragen müssten. Gemäss der Generellen Interpretation (GI-20) zum Ärztetarif Tarmed darf ein Augenarzt jedoch abzüglich seiner Rabatte für die Jahreseinkaufsmenge nichts an den Linsen verdienen. Deshalb ist auch die Behauptung der Augenärzte, die Krankenkassen würden die Kosten für Linsen mit Komfortfunktionen nicht übernehmen, so nicht richtig.

Grosse Kassen wie Helsana, Groupe Mutuel, Assura und andere hätten gemäss Beobachter nämlich einen Höchstbetrag festgelegt, bis zu dem sie die Kosten für solche Linsen übernehmen. Dies unabhängig davon, ob es sich um Standard- oder Speziallinsen handelt. Bei Helsana und Groupe Mutuel liege dieser Betrag bei 600 Franken, bei der Assura gemäss einer Sprecherin «zwischen 400 und 500 Franken». Würden die Augenärzte also nur ihre effektiven Kosten verrechnen, wären zumindest bei diesen Kassen die vollen Kosten für die Linsen gedeckt.

Bei Operationen des Grauen Stars lohnt es sich also in jedem Fall, genauer hinzuschauen und allenfalls auch bei einer zweiten AugenärztIn nachzufragen, wie er oder sie es mit den Kosten für die Linsen hält; dem eigenen Portemonnaie und der Senkung der Gesundheitskosten allgemein zuliebe. Viele Augenärztinnen könnten jedoch auch mit einem geringeren Einkommen noch ganz gut leben: Gemäss den Zahlen des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) erzielten diese nämlich 2014 (neuere Zahlen sind nicht verfügbar) ein durchschnittliches AHV-pflichtiges Einkommen von 43’300 Franken – pro Monat, hochgerechnet auf Vollzeit.

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