Gute Noten für das Schweizer Hausarztsystem

Die Schweiz nimmt jährlich an den internationalen Befragungen zu gesundheitspolitisch relevanten Themen der amerikanischen Stiftung Commonwealth Fund (CWF) teil, wie das BAG (Bundesamt für Gesundheit) berichtet. 2019 seien die Ärztinnen und Ärzte in der Grundversorgung befragt worden.

93 Prozent der befragten Ärztinnen und Ärzte in der Schweiz beurteilen die Leistungen des Gesundheitssystems als gut oder sehr gut. Damit steht die Schweiz an der Spitze, vor Norwegen und Australien, schreibt das BAG. Ein Drittel der Grundversorger sei jedoch der Meinung, dass zu viele medizinische Leistungen erbracht werden. Als einen der Gründe dafür nannten die Hausärztinnen auch die PatientInnen, die nach unnötigen Tests und Behandlungen verlangten. Über ein Drittel der der Befragten empfanden gemäss der Umfrage ihre Arbeit als äusserst oder sehr stressig. Dieser Anteil hat seit der letzten Umfrage 2015 deutlich zugenommen, liege aber noch immer in den meisten anderen Ländern deutlich höher. 

Das Schweizer Gesundheitssystem sei sehr leicht zugänglich, meinten die befragten ÄrztInnen. Die  Wartezeiten seien in der Schweiz kurz; 84 Prozent der Ärzte sagen, dass ihre Patienten nach einer Diagnose nicht lange auf eine Behandlung warten müssen. Auch die Zusammenarbeit mit den SpezialärztInnen sei gut. Verbesserungsbedarf sähen die Grundversorger in der Koordination mit den Sozial- und Pflegediensten, schreibt das BAG. Im Vordergrund stehe dabei der hohe administrative Aufwand, der die Koordination mit Sozialdiensten mit sich bringe. 

Zu denken gibt jedoch der Trend zur Überalterung der Akteure in der ärztlichen Grundversorgung: 34 Prozent der Grundversorger sind gemäss der Umfrage über 59 Jahre alt. Betrachte man das untere Ende der Alterspyramide, so zeichne sich in der Schweiz mit einem relativ geringen Anteil an Ärztinnen und Ärzte unter 45 Jahren (21 Prozent) ein Engpass in der Grundversorgung ab. 

Diesem Thema hat übrigens kürzlich auch die SonntagsZeitung unter dem Titel «Im land der Rentnerärzte» einen längeren Beitrag veröffentlicht, den Sie hier als PDF herunterladen können. Unter anderem zitiert die SonntagsZeitung Professor Sven Streit, Hausarzt und Leiter Nachwuchs am Institut für Hausarztmedizin der Universität Bern so: «Hausärzte wie er sind das Rückgrat der medizinischen Versorgung in der Schweiz. Ohne sie würde das System zusammenbrechen. Das zeigt ein Blick in die neuste Statistik der Ärzteorganisation FMH. Die Grundversorger – dazu gehören im wesentlichen Haus- und Kinderärzte – werden immer älter. Ihr Durchschnittsalter steigt stetig – mittlerweile liegt es bei mehr als 54 Jahren. 2018 war in der Schweiz rund jeder sechste noch tätige Grundversorger über 65 Jahre alt. In den Kantonen Solothurn, Glarus und Tessin war es sogar jeder fünfte.» Streit schätzt, dass dass aufgrund der Pensionierungen in den nächsten 10 Jahren etwa 4000 Hausärzte fehlen dürften. Und sagt: «Eine Analyse der Universität Basel von 2015 zeigt: Wenn es so weitergeht, dass nur 20 Prozent der Studenten Hausarzt werden wollen, wird man in den nächsten Jahren nur jede zweite Praxis weiter betreiben können.»

Fortschritte scheinen sich in der Digitalisierung der Arztpraxen abzuziehen. Gemäss Umfrage isst der Anteil der Grundversorger, die ihre Krankengeschichten elektronisch dokumentieren gegenüber 2015 von 54 Prozent auf 70 Prozent agenstigen; bei den jüngeren ÄrztInnen unter 45 Jahren sind es offenbar schon fast 100 Prozent. Die Schweiz bleibe damit insgesamt weiter auf dem letzten Platz der befragten Länder.

Möchten Sie sich die vollständigen Studienergebnissen zu Gemüte führen, so können Sie diese hier als PDF herunterladen.

Mehr Informationen zum Thema «Ärztinnen und Ärzte in der Grundversorgung» finden Sie auf der Website des BAG. Einen ausführlichen Artikel zu dieser Umfrage mit mehreren informativen Grafiken finden Sie auch online auf medinside.ch.

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