Wie sinnvoll sind Antikörpertests bei Corona?

Sie sind aktuell sehr gefragt – und es wird viel darüber spekuliert: über Antikörpertests, mit denen man feststellen könnte, ob eine Person bereits immun ist gegen das Coronavirus. Denn solche Tests könnten nicht nur helfen, wieder ein normaleres Leben zu führen, weil man sich nicht mehr vor Ansteckungen fürchten müsste, sondern würden auch die Lagebeurteilung und den Rückgang unserer Gesellschaft in die Normalität erleichtern. Kein Wunder, dass sie – neben der Hoffnung auf eine baldige Impfung oder Therapie – zu den potenziellen Wundermitteln hochstilisiert werden. Nachdem bereits einige Hersteller mit grossartigen Versprechungen solche Tests anbieten, ist die Nachfrage danach gross.

Was taugen diese Tests aktuell?

Dr. med. Felix Huber, VR-Präsident von mediX sagt dazu: «Wir haben schon vor zwei Wochen auf der mediX-Website unsere Zweifel an der Verlässlichkeit von Antikörpertests geäussert. Inzwischen haben wir aufgrund der grossen Nachfrage von seiten unserer PatientInnen in einzelnen Praxen unter wissenschaftlicher Begleitung eigene Test mit verschiedenen Produkten durchgeführt. Diese haben ergeben, dass die grossen Versprechen der Hersteller bei weitem nicht eingehalten werden. Wir empfehlen daher weiterhin, auf solche Tests zu verzichten, bis wir aussagekräftige Antikörpertests zur Verfügung haben.»

Neun Gründe, die aktuell gegen Antikörpertests bei Corona sprechen

In einem ausführlichen Artikel hat nun auch der Tages-Anzeiger unter dem Titel «Genauso gut wie eine Münzwurf» die wichtigsten Gründe zusammengefasst, die gegen Antikörpertests sprechen. Darin erwähnt der Immunologie Dr. med. Martin Bachmann vom Berner Inselspital der folgende neun Gründe:

  1. Die Herstellerangaben stimmen oft nicht.
  2. Die Tests können nicht sicher unterscheiden zwischen anderen Erkältungs-Coronaviren und dem neuen Sars-CoV-2.
  3. Es ist offen, ob die Tests wirklich die richtigen Antikörper eruieren.
  4. Die Tests messen die Menge der Antikörper nicht; eine Aussage zur Immunität ist damit kaum machbar.
  5. Manche Covid-19-PatientInnen bilden keine Antikörper, sondern wehren eine Wiedererkrankung mit Blutkörperchen ab. Die Tests erkennen diese Zellen aber nicht.
  6. Wirklich aussagekräftige Tests sollten erst längere Zeit nach durchgemachter Krankheit durchgeführt werden.
  7. In den ersten Wochen nach der Infektion kann man weiterhin ansteckend sein.
  8. Die Tests wurden bisher noch zu wenig getestet. Man kennt also die „Fehlerquote“ noch nicht.
  9. Bei der heutigen, tiefen „Durchseuchungsrate“ ist die Mehrzahl der Resultate falsch. (siehe dazu auch die Grafik im Tages-Anzeiger-Beitrag, den Sie hier auch als PDF herunterladen können).
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