Alle reden von Big Data

Big Data ist in aller Munde – und viele haben Angst davor. Andere versprechen das Blaue vom Himmel. Gemeint sind mit Big Data gemäss Wikipedia «Datenmengen, welche beispielsweise zu gross, zu komplex, zu schnelllebig oder zu schwach strukturiert sind, um sie mit manuellen und herkömmlichen Methoden der Datenverarbeitung auszuwerten.» Die Versprechungen beziehen sich dabei meist auf die ungeahnten Möglichkeiten der Auswertung mit neuen so genannten Algorithmen oder künstlicher Intelligenz, die Ängste vor allem auf das Sammeln und Anhäufen derartiger Datenmengen über den sehr persönlichen Bereich der Gesundheit, des eigenen Körper und genetischer Hintergründe.

Kürzlich hat sich unter dem Titel «Das ist erstens peinlich, zweitens Betrug» der Medizinstatistiker Gerd Antes, ein vehementer Kritiker und ausgewiesener Kenner der Materie, im Tages-Anzeiger dazu geäussert. Big Data in der Medizin sei geprägt von leeren Versprechen – und berge Gefahren für PatientInnen. Antes stelle seit längerem fest, dass seit Jahren mit falschen Versprechungen argumentiert werde, besonders in Hinblick auf Diagnose und Therapien von Krankheiten, dass aber die Risiken und Kosten kaum thematisiert würden. Allein das Sammeln der Daten verursache nämlich beispielsweise in Deutschland bereits Kosten in Milliardenhöhe, ohne zu wissen, welchen Nutzen man einmal aus diesen Daten ziehen könne.

Das Problem liege gemäss Antes im Medizinbereich auch nicht primär beim Datenschutz, obwohl auch dieses nicht zu unterschätzen sei, sondern in der Tatsache, dass grosse Datenmengen nicht zu mehr Wissen führen, sondern im Gegenteil. Durchsuche man nämlich grosse Datenmengen nach Korrelationen – und das tun Algorithmen im Bereich der künstlichen Intelligenz – so liessen sich fast immer Korrelationen finden und darunter auch viele „falsche Korrelationen“, die eigentlich nichts miteinander zu tun hätten. Antes zeigt dies im Interview mit dem Tages-Anzeiger an einem einfachen Beispiel: «Gemäss einer Statistik folgt der Pro-Kopf-Käsekonsum in den USA praktisch der gleichen Kurve wie die Zahl der Todesfälle durch Verheddern im eigenen Bettlaken. Zwischen den zwei parallel laufenden Entwicklungen besteht rein zahlenmässig ein Zusammenhang. Es wäre aber völliger Unsinn, daraus zu schliessen, dass man durch weniger Käse das Todesrisiko verringern könnte.»

Wenn nun aus solchen Analysen Handlungsanleitungen oder Therapieempfehlungen abgeleitet würden, dann werde es sehr problematisch, argumentiert Antes weiter: «Es stört keinen, wenn ich an der Kasse mit der Kreditkarte einen neuen Anzug bezahle und dann auf meinem Handy die passende Krawatte erscheint. In der Medizin ist das anders. Wenn ich mich aufgrund einer falschen Datenanalyse für eine Behandlung entscheide, kann das böse Folgen haben.»

Lesen Sie mehr über das Thema in den Blogbeiträgen Die Digitalisierung in der Medizin hat noch Potenzial und Kommt die digitale Revolution im Gesundheitswesen?

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2 Kommentare zu Alle reden von Big Data

  1. Juliane sagt:

    Sehr nützliche Informationen. Sie müssen mit Ihrer Gesundheit sehr vorsichtig sein. Daher sollten Sie bei jeder Krankheit einen Arzt konsultieren.
    Alles Gute
    Juliane

  2. Jan Freeh sagt:

    Ich bin einverstanden. Aber es kann kontroliert werden, deshalb würden es keine schlechte Folgen existieren.

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