Sind die Fingernägel „Krankheits-Schmöcker“?

Wir alle kennen die Wetterschmöcker aus dem Muotatal. Auf der Grundlage von Ameisenhaufen und anderen zweifelhaften Signalen geben sie jeweilen mit kräftigem medialem Rückenwind ihre Wetter-Prognosen für das nächste Jahr ab. Viele glauben daran – und andere sehen darin einfach grossen Humbug.

Ähnliches gilt für die angebliche Diagnosefähigkeit unserer Fingernägel für alle möglichen Krankheiten. Im Internet finden sich Tausende von unseriösen Hinweisen im Sinne von «Darauf sollten Sie achten, wenn Ihre Fingernägel ……!», «Diese 8 Fingernagel-Krankheiten musst du unbedingt beachten» «Lunula: Das sagt sie über deine Gesundheit» oder «Haben Ihre Fingernägel ……, könnte dies ein Zeichen einer schweren Krankheit sein!»

Gemäss einem lesenswerten Artikel im Tages-Anzeiger, scheinen aber die meisten dieser Warnmeldungen verfehlt. Nur hinter wenigen Verformungen der Nägel verbergen sich ernsthafte Krankheiten, heisst es dort.

Im erwähnten Artikel lässt sich der Bülacher Dermatologe Andreas Müller so zitieren: «Verformungen an den Fingernägeln sind häufig. Die meisten sind harmlos. Es handelt sich in der Regel lediglich um ein ästhetisches Problem. Doch viele Betroffene stören sich enorm daran.» Die Hände seien eben ein sichtbarer Körperteil. Viele Frauen überdeckten Auffälligkeiten mit Nagellack. Manche Verformungen seien aber bei feinmotorischen Tätigkeiten hinderlich – etwa beim Öffnen von Knöpfen. Medizinische Lehrbücher zeigten denn auch Hunderte von Bildern von verunstalteten Finger- und Fussnägeln. Nur selten – so Müller – werde man aufgrund von veränderten Nägeln auf eine Krankheit aufmerksam. Meist habe diese sich bereits vorher durch andere Symptome bemerkbar gemacht.

Der Tages-Anzeiger-Artikel enthält eine interessante Liste, die wir Ihnen hier nicht vorenthalten möchten:

«Die häufigsten Auffälligkeiten an den Nägeln und was sie bedeuten können:

  • Längsrillen: Wer dieses Rillenmuster schon immer auf den ­Nägeln trägt, hat einfach eine Veranlagung dafür. Tritt die Riffelung erst im Laufe des Lebens auf, handelt es sich, wie bei Hautfalten, um eine normale ­Alterserscheinung.
  • Querrillen: Die Nagelproduktion erfolgt unregelmässig. Ursache können Fieberschübe sein, entzündliche Krankheiten, Verletzungen an der Nagelwurzel, Pilze oder Bakterien.
  • Dellen oder Rillen: Sie können entstehen, wenn man sich oft an der Nagelwurzel reibt (dabei handelt es sich meist um einen unbewussten Tick).
  • Braune Verfärbungen der Zehennägel: Sie treten häufig bei Menschen auf, die regelmässig joggen, Fussball spielen oder andere Sportarten treiben, bei denen Druck auf die Nägel entsteht. Auch bei einem Hallux valgus können die Nägel aufgrund der Zehenverschiebungen unter Druck geraten.
  • Schieferartige Splitterungen: Diese sieht man bei Personen, die oft nasse Hände haben und mit Putzmitteln hantieren – oder acetonhaltigen Nagellackentferner benutzen.
  • Weisse Punkte: Sie entstehen meist nach Verletzungen an der Nagelmatrix, die erst Wochen bis Monate später sichtbar werden und langsam herauswachsen. Dass Kalziummangel zu weissen Punkten führt, ist ein Irrtum.
  • Dunkle Punkte: Sind meist auf winzige Blutergüsse zurückzuführen, die entstehen, wenn man sich zum Beispiel den Finger einklemmt. Besorgnis angebracht ist hingegen, wenn es sich um dunkle Streifen handelt, die nicht herauswachsen: Dann könnte ein Melanom (schwarzer Hautkrebs) dahinterstecken.
  • Brüchige Nägel: Schilddrüsenerkrankungen können zu empfindlichen, brüchigen Nägeln führen. Möglicherweise steckt aber auch ein Mangel an Biotin dahinter; das Vitamin ist zum Beispiel enthalten in Eigelb, Weizenkleie, Spinat und Leber.
  • Pincer Nail: Eine Verdickung der Zehennägel, die durch eine ungünstige Form des Nagelbetts zustande kommt. Weil es hinten breiter ist als vorne, wird mehr Nagelmaterial produziert, als im Nagelbett Platz hat. Folge: Die Nägel rollen sich vorne zusehends seitwärts auf. Die Verformung kann zu Druckstellen und Schmerzen in den Schuhen führen. Behandelt werden kann sie mit Klammern (wie bei einer Zahnspange); bei schlimmen Beschwerden können die Nägel operativ verschmälert werden. Einfacher ist es, genügend breite Schuhe zu tragen.
  • Löffelnägel: Die Nägel bilden in der Mitte eine Quergrube und wölben sich gegen vorne aufwärts. Es kann sich um eine angeborene, harmlose Eigenheit handeln oder eine Begleiterscheinung bei Eisenmangel, selten auch bei einer Schilddrüsenerkrankung.
  • Uhrglasnägel: Runde, stark nach oben gewölbte Nägel. Sie treten bei chronischem Sauerstoffmangel auf, zum Beispiel bei einer Lungenerkrankung.
  • Nagelpilz: Unbehandelter Fusspilz kann auf die Nägel übergreifen. Meist macht er sich zuerst durch weissliche Flecken oder Streifen bemerkbar. In fortgeschrittenem Stadium verfärben sich die Nägel weiss-gelblich bis bräunlich, verdicken sich, werden porös oder heben sich gar vom Nagelbett ab. Bei Beschwerden ist eine medikamentöse Behandlung möglich.
  • Nagelpsoriasis Bei manchen Psoriasis-Patienten tritt die Wucherung der Hautzellen hauptsächlich an den Nägeln auf. Sie verfärben sich weiss, werden dick, stehen vom Nagelbett ab und sind druckempfindlich.»
Dieser Beitrag wurde unter Fit & Gesund, Krankheiten erkennen, Vorsorgen und heilen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.
Dein Kommentar wird von der Blog-Redaktion geprüft und und erscheint erst nach der Freigabe.

Spamschutz * Frist ist abgelaufen. Bitte laden Sie den Spamschutz erneut.