Mit Vitamin-D-Tests Geld zum Fenster hinaus werfen

Im Jahr 2017 verordneten Hausärztinnen in der Schweiz fast 1,2 Millionen Vitamin-D-Tests; 2008 waren es erst 9’500. Solche Tests sind offenbar im Trend. Prof. Dr. Thomas Rosemann, Professor für Hausarztmedizin an der Universität Zürich kann diesen Test aber wenig abgewinnen. Für ihn sind sie «hinausgeworfenes Geld». In der Sendung «Puls» von SRF sagt Rosemann klar und deutlich: «Wir haben hunderttausende von gesunden Patienten gerade zur Winterhalbzeit mit Vitamin D Supplementen behandelt. Man muss sagen auf Basis dieser Datenlage ist das eigentlich ein Schmarren, ein Unfug». Rund 700’000 Personen haben in der Schweiz Vitamin-D-Präparate geschluckt, mehr als doppelt so viele wie im Jahr 2013. Schätzungen gehen davon aus, dass allein die 1.2 Millionen Tests insgesamt 63 Mio. Franken verschlungen haben – ohne die zusätzlichen Kosten für die Vitamin-Präparate von rund 75 Mio. Franken.

Rosemann findet die Abgabe von Vitamin-D-Präparaten aber nur sinnvoll bei Säuglingen und Senioren, die nie im Freien an der Sonne sind und Menschen, die wegen einer Osteoporose bereits einen Knochenbruch hatten. Eigentlich genüge es, einfach regelmässig ans Tageslicht zu gehen, dann bilde sich das nötige Vitamin D von selbst.

Gemäss dem online-Magazin «medinside» empfehle das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) allen über 60-Jährigen, im Winter zusätzlich Vitamin D zu sich zu nehmen. Für diese Empfehlung hat Rosemann aufgrund der aktuellen Datenlage nur wenig Verständnis. In der Sendung «Puls» von SRF lässt er sich wie folgt zitieren: «Ich denke, dass die Datenlage mittlerweile durch diese Metaanalysen wirklich überzeugend gegen die bisherigen Empfehlungen spricht und wenn man jetzt die Empfehlungen nicht ändert, dann weiss ich eigentlich auch nicht was es noch für eine Datenlage braucht, um Empfehlungen zu verändern.» Für die breite und gesunde Bevölkerung stünden die Vitamin D-Tabletten und -Tropfen auf schwachem Fundament. Er fordert, «die Empfehlungen endlich der überzeugenden neuen Datenlage anzupassen.»

Den Beitrag in der Sendung Puls von SRF können Sie sich gerne hier in voller Länge anschauen.

medinside schreibt: «Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) gibt (…) zu, dass die Empfehlungen ‹mög­licherweise› nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. Es werde derzeit geprüft, ob Vitamin-­D-Präparate und Tests den Patienten wirklich nützen.»

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