Geht es jetzt dem Zucker an den Kragen?

In den letzten dreissig Jahren hat sich die Zahl der Überwichtigen dieser Welt auf 600 Millionen Menschen verdoppelt. Der Konsum von Zucker spielt dabei eine zentrale Rolle. Mit einer raffinierten Kampagne sei es der Zuckerindustrie über viele Jahre hinweg gelungen, sich aus ihrer Verantwortung zu nehmen – ähnlich wie seinerzeit der Tabakindustrie, zeigt ein kürzlich von Arte gezeigter kanadischer Doc-Film. Statt eingestehen zu müssen, dass ein übermässiger Zuckerkonsum mit zur wachsenden Zahl von Übergewichtigen beiträgt, habe es die Industrie verstanden, die Diskussion immer wieder abzulenken auf den generellen Zusammenhang zwischen zu hoher Kalorieneinnahme und zu geringer körperlicher Betätigung. Nun haben offenbar Kritiker der Industrie dazugelernt und die Wissenschaft sammelt neue Erkenntnisse über die Rolle des Zuckers.

Der wirklich interessante Dokumentarfilm „Die grosser Zuckerlüge“, der noch bis am 6. März 2019 auf Arte online angeschaut werden kann, zeigt im Detail, mit welchen Methoden die Zuckerbranche während Jahren die öffentliche Meinung gesteuert hat und welche gesundheitlichen Folgen übermässiger Zuckerkonsum wirklich hat.

Der Film macht deutlich, wie es „Big Sugar“ über 40 Jahre lang geschafft hat, sein milliardenschweres Imperium auszubauen und die Ernährung der Welt zu verzuckern. Übergewicht, Diabetes, Herzerkrankungen haben sich vervielfacht. Die nichtalkoholische Fettleber sei längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen – inzwischen auch bei immer mehr Kindern, kann man im einleitenden Text zum Film lesen. Kinderärzte wie Dr. Robert H. Lustig kämpften unermüdlich gegen die Behauptung, dass wir doch selbst daran schuld seien, weil wir zu viel ässen. Die Zucker-Lobby sitzt auf der Anklagebank, doch ihre neue Verteidigungsstrategie ist die alte: Sie fordert immer weitere Beweise.

Professor Stanton Glantz erinnern diese Schachzüge an seinen Kampf gegen die Tabakindustrie, die es auch verstanden habe, jahrelang politische Entscheidungen und Rauchverbote hinauszuzögern, weil es ihrer Meinung nach keinen hinreichenden wissenschaftlichen Beweis für die gesundheitsschädigende Wirkung des Tabakrauchens gab. Während Industrie und Wissenschaft ihren Kampf noch ausfechten, tickt die gesundheitliche Zeitbombe weiter.

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