Fünfter Helsana-Arzneimittelreport

Arzneimittel seien ein wesentlicher und immer bedeutenderer Bestandteil unserer hochstehenden medizinischen Versorgung, Heist es im fünften, vor wenigen Tagen erschienen Arzneimittelreport der Helsana. Die Kosten der ambulant abgerechneten Medikamente seien Jahr für Jahr gestiegen und hätten im Jahr 2017 einen Höchststand von 7.5 Milliarden Franken erreicht. Für dieses Kostenwachstum seien vor allem neue, oft sehr teure Arzneimittel verantwortlich. Die Preisspirale bei Medikamenten drehe sich aufgrund der Fehlregulierung bei der Preisfestsetzung unaufhörlich weiter nach oben. Da muss man sich schon fragen, ob derart hohe Preise wirklich gerechtfertigt sind.

Der vorliegende Report liefert dazu Fakten. Ein Forscherteam der Universität Basel untersuchte den Schweizer Arzneimittelmarkt hinsichtlich der zwischen 2014 und 2017 neu auf den Markt gekommenen Produkte und beschreibt Häufigkeiten von neuen Wirkstoffen und Wirkstoff- gruppen. Das erschreckende Ergebnis gemäss dem Helsana-Bericht: «Nur ein Bruchteil der neuen Produkte weist einen echten Innovationscharakter auf.»

Mit ihrem fünften Arzneimittelreport habe sich die Helsana zum Ziel gesetzt, verlässliche Zahlen zur Mengen- und Kostenentwicklung des Schweizer Arzneimittelmarktes der letzten Jahre zu erfassen und zugänglich zu machen, schreibt sie in der Zusammenfassung. Als Basis für die Untersuchungen dienten wiederum die bei der Helsana-Gruppe in Rechnung gestellten Leistungen. Die in diesem Bericht dargestellten Auswertungen konzentrierten sich, sofern nicht anders vermerkt, auf die ambulanten Medikamentenbezüge und -kosten des Zeitraums zwischen 2014 und 2017 und die Resultate ermöglichten ein umfassendes Bild des Schweizer Medikamentenmarkts.

Starkes Kosten-Wachstum im Medikamentenmarkt

Gemäss dem Helsana-Bericht, sind die Medikamentenkosten im Bereich der obligatorischen Krankenpflege-Versicherung (OPK) in den letzten Jahren stetig angestiegen, von  CHF 5‘232 Millionen (2010) auf CHF 7‘507 Millionen (2017), was einem Anstieg von 43% respektive CHF 2‘275 Millionen entspricht. Der jährliche Zuwachs schwankte dabei zwischen 2.8% und 8.9% und betrug im betrachteten Zeitraum von 2016 bis 2017 rund 6.3%. Auch die abgerechneten Medikamentenbezüge stiegen deutlich an, von 85.2 Millionen (2010) auf 113.4 Millionen Bezüge (2017).

Ein Trend zu neuen, hochpreisigen Therapien (beispielsweise im Bereich Krebs und Immunologie) stellt eine zunehmende Herausforderung für das solidarisch finanzierte Gesundheitswesen der Schweiz dar.

Neue Krebsmittel und Immunsuppressiva schlagen zu Buche

Die Immunsuppressiva und Krebsmittel waren 2017 mit Kosten von CHF 1‘016 Millionen respektive CHF 683 Millionen denn auch die kostenintensivsten Medikamentengruppen. Zusammen erzielten sie einen Anteil an den Gesamtausgaben für Medikamente von über einem Fünftel. Dies belegt eindrücklich, wie preisintensiv die Therapien im Bereich Krebs- /Immunsystem im Vergleich zu anderen therapeutischen Medikamentengruppen sind. Ebenfalls hohe Kosten- zunahmen von mehr als 5% gab es zusätzlich bei den Antidiabetika (Arzneimittel gegen Diabestes). Pantoprazol und der Lipidsenker Atorvastatin, waren wichtige Kostenverursacher; sie gehörten nicht nur zu den kostenintensivsten, sondern auch zu den meistbezogenen Wirkstoffen.

Zusatzanalyse zur Impfsituation in der Schweiz.

Die Helsana untersuchte im Report auch die Impfsituation in der Schweiz bei Kindern im Alter von 13, 25 und 37 Monaten. Es zeigte sich, dass insgesamt eine vorsichtig positive Bilanz der vom Bundesrat getragenen nationalen Impfstrategie gezogen werden kann. Die Durchimpfungsraten stiegen im untersuchten Bereich zwischen 2010 bis 2016 deutlich an. Insgesamt waren die Durchimpfungsraten jedoch deutlich tiefer als erwartet. Allerdings gab es grosse Unterschiede zwischen den Kantonen: Die Kantone Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden und Thurgau wiesen unterdurchschnittliche Durchimpfungsraten auf, die Kantone Zug, Solothurn und Glarus die insgesamt höchsten.

Zusatzanalyse neue Produkte

In einer zweiten Zusatzanalyse wurde der Schweizer Arzneimittelmarkt hinsichtlich der zwischen 2014 und 2017 neu hinzugekommenen Produkte näher betrachtet. Weniger als jeder achte neue Eintrag auf der Spezialitätenliste war tatsächlich durch die Verwendung eines neuen Wirkstoffes gekennzeichnet. Es fanden sich insgesamt 64 neue Wirkstoffe, welche aber aus schon bekannten Wirkstoffgruppen hervorgingen, und 50 neue Wirkstoffe aus gänzlich neuen Wirkstoffgruppen. Zu den letzteren gehörten unter anderem 20 neue Krebswirkstoffe, acht Antiviralia (alle zur Behandlung von Hepatitis C eingesetzt) und sechs Antidiabetika. Nur gerade ein Dutzend der neuen Präparate, die auf einem neuen Wirkstoff mit neuer Wirkstoffgruppe basierten, zeigte vermutlich echten Innovationscharakter.

Möchten Sie mehr erfahren über die Medikamenten-Landschaft Schweiz, dann können Sie sich hier den Helsana-Arzneimittelreport, Ausgabe 2018 als PDF herunterladen.

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