Die Dänen sind der Schweiz in der Digitalisierung voraus

Während wir in der Schweiz noch immer heftig über Nutzen und Grenzen vom elektronischen PatientInnendossier streiten und dessen flächendeckende Einführung noch Jahre brauchen wird, weil die Nutzung zum Beispiel für Hausärzte weiterhin freiwillig ist, scheint die Digitalsierung der Gesundheitsdaten in Dänemark schon seit langem als Selbstverständlichkeit.

Gemäss einem NZZ-Artikel sei es zwar auch in der Schweiz alltäglich, sich einen Tisch im Restaurant oder das Kino-Ticket online zu reservieren, aber schon bei der Online-Terminvergabe von Artzterminen werde es eng. Obwohl gemäss einer Umfrage der Plattform Sanasearch.ch 37 Prozent der Schweizer gerne online einen Arzttermin vereinbaren würden, hätten dies erst 4 Prozent effektiv schon einmal gemacht; es fehlen schlicht und ergreifend die Möglichkeiten dazu. Viele mediX-Praxen bieten jedoch schon seit langem online-Terminreservationen und diese werden gerne genutzt.

Dänemark sei europaweit führend bei der Digitalisierung in der Medizin, schreibt die NZZ weiter. Bereits 2016 habe jeder zweite Däne seine Arztkonsultationen online gebucht. Noch frappierender seien die Unterschiede beim elektronischen Patientendossier (EPD). Alle dänischen Hausärzte und Spitäler arbeiteten damit. Die Dänen nutzten Dienste, von denen die Schweizer vorerst nur träumen könnten oder die lediglich Nischenprodukte seien: Patientinnen könnten beispielsweise jederzeit online auf ihre gesamte Krankenakte zugreifen oder das Rezept für Medikamente verlängern. Auch der Impfausweis sei dort hinterlegt.

Der dänische Experte Morten Elbäk Petersen, CEO des öffentlichen Gesundheitsportals Sundhed.dk, glaubt zu wissen, worauf sich der Erfolg der Digitalisierung der Gesundheitsdaten in Dänemark gründet: Betreiber von PatientInnendossiers, wie z.B. Sundhed, gäben ihre Daten nicht für die Forschung frei, geschweige denn für kommerzielle Zwecke. Aus Sicht von Petersen ist es zentral, dass es eine demokratische Kontrolle über die Informationen gebe und nicht Amazon oder Google sich die sensiblen Daten unter den Nagel rissen. Die Dänen seien gegenüber der Privatwirtschaft skeptisch eingestellt. Die Bürgerinnen und Bürger könnten nachprüfen, wer auf ihre Patientendossiers zugegriffen habe. Missbrauche ein Arzt seine Befugnisse, drohten ihm Bussen oder sogar der Entzug der Berufslizenz.

Natürlich bestehe die Gefahr, dass die Daten eines Tages gehackt würden, meint auch Petersen, im NZz-Beitrag: «Selbst wenn alle Gesundheitsdaten der dänischen Bevölkerung durch kriminelle Machenschaften publik würden, könnte dies den Prozess der Digitalisierung nicht infrage stellen. Denn die Vorteile sind so gewaltig, dass sie alle Risiken überwiegen. Wir können es uns schlicht nicht leisten, zur Dokumentation auf Papier zurückzugehen.»

Dieser Beitrag wurde unter Fit & Gesund veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.
Dein Kommentar wird von der Blog-Redaktion geprüft und und erscheint erst nach der Freigabe.

Spamschutz * Frist ist abgelaufen. Bitte laden Sie den Spamschutz erneut.