Verstehen Sie „medizinisch“?

Manche Menschen sprechen viele verschiedene Sprachen. In der Schweiz gehen wir meist davon aus, dass wir neben unserer Muttersprache mindestens eine weitere Landessprache und englisch verstehen. Aber verstehen Sie „medizinisch“? Sind Sie sicher, was es bedeutet, wenn der Corona-Immuntest negativ ist oder ob sie gesund sind, wenn im Arztbericht «o.B.» steht. Das online-Magazin medinside hat sich kürzlich mit einem Artikel diesem Thema angenommen.

Nehmen Sie einmal an, Sie seien kürzlich bei Ihrer ÄrztIn gewesen und diese habe eine Biopsie wegen Krebsverdacht gemacht. Und nun erhalten Sie ihren Befund (sprich: das, was die ÄrztIn gefunden hat): «Die Biopsie ist negativ.» Erste Reaktion: Bin ich jetzt krank oder gesund? Zweite Reaktion: Was ist eigentlich eine Biopsie?

Also schlagen wir doch einfach mal im DocCheck-Flexikon, dem Medizinlexikon zum Medmachen, nach, was hier zum Thema Biopsie zu finden ist: «Mit dem Begriff Biopsie bezeichnet man die Entnahme und anschliessende histologische bzw. zytologische oder laborchemische Untersuchung einer Gewebeprobe.» Und damit Sie nicht selber nachschauen müssen: Zytologie ist die Lehre vom Aufbau der Zelle und Histologie ist die Wissenschaft von den biologischen Geweben. Alles klar? Und keine Panik: Ist ein Test negativ, so heisst das, dass man nichts gefunden hat. Sie sind also – zumindest was das getestete Gewebe betrifft – gesund! Aber warum schreibt man es dann nicht auch gleich  «Wir haben Ihnen Gewebe entnommen und untersucht. Wir haben dabei keine Krebszellen gefunden.»?

Abkürzungen und Fremdworte werden nicht immer verstanden

medinside schreibt weiter, dass auch Abkürzungen oder Fremdwörtern von vielen Menschen nicht verstanden würden. So sei z.B. die Kurzformel «o.B.» für «ohne Befund» (sprich «nichts gefunden») missverständlich und auch die Vorschrift, ein Medikament «oral» anzuwenden, werde nicht von allen richtig verstanden. medinside schreibt: «Genauso wie Suppositorien von Laien nicht zwingend als Zäpfchen identifiziert werden können. Und zwar auch dann nicht, wenn der Hinweis «rektal» dabeisteht. Die Fremdwörter sind nicht allen Patienten geläufig. Es gab deshalb auch schon Fälle, in denen Zäpfchen unter grossem Aufwand und Ekel geschluckt werden.» ÄrztInnen würden Krankheiten, deren Ursachen Sie nicht kennen, gerne als «ideopatisch» bezeichnen, was ungefähr für «keine Ahnung» stehe. Gebräuchlich dafür seien auch Ausdrücke wie «essentiell» oder «kryptogen», was auf den Laien natürlich mehr Eindruck mache, als das Eingeständnis, dass sie MedizinerInnen über diese Krankheit nichts wissen.

Wenn der Arzt in Rätseln spricht

Unter dem Titel «Wenn der Arzt in Rätseln spricht» hat schon vor einiger Zeit, das Migros Magazin einen lesenswerten Beitrag zum Thema «ÄrztInnen-Latein» veröffentlicht. Hätten Sie beispielsweise gewusst, dass bei einer «physiologische Lordose der HWS» her Halswirbelsäule eine ganz natürliche Krümmung aufweist und dass Sie bei «Sono Abdomen o. p. B.» beruhigt schlafen können, denn der Ultraschall des Bauchs hat keine Auffälligkeiten gezeigt (o. p. B. = ohne pathologischen Befund)?

Dort finden Sie übrigens unter dem Titel «Wie gut verstehen Sie Ihren Arzt?» auch einen unterhaltsamen Kurztest in sieben Fragen.

Arztberichte übersetzen lassen bei washabich.de

Haben auch Sie einen Arztbericht erhalten, den Sie schlicht und einfach nicht verstehen, dann fragen Sie in jedem Fall erst einmal Ihre ÄrztIn. Ausserdem gibt es seit 2011 die von deutschen MedizinerInnen ehrenamtlich getragene Website washabich.de, welche für Sie den Bericht anonym und kostenlos in verständliche Sprache übersetzt. Aus «Corticale Imprimierung des Humeruskopfes an der ventralen Zirkumferenz.» beispielsweise wird dann «Vorn an Ihrem Oberarmkopf ist die äussere harte Schicht des Knochens eingedrückt. Der Oberarmkopf ist das obere Ende des Oberarmknochens.»

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