New York Times bezeichnet «Dr. Google» als Lügner

Medizinische Fake News könnten unser Leben bedrohen, schreibt die New York Times kürzlich in einem Online-Beitrag (englisch). So habe beispielsweise eine Patientin einen Herzinfarkt gehabt, da sie auf die Einahme eines Medikaments verzichtet hat, weil sie beängstigende Dinge darüber im Internet gelesen hat. Sie sei Opfer einer Krankheit geworden, die sich schnell auf eine moderne Pandemie vorbereitet – falsche medizinische Online-Nachrichten. Wie bei gefälschten Nachrichten im Allgemeinen, verbreiteten sich medizinische Lügen tendenziell weiter als Wahrheiten im Internet – und sie hätten sehr reale Auswirkungen.

Statine werden online bewusst schlechtgeredet

Am Beispiel von Statinen zeigt die  New York Times auf, wie ernstzunehmende Studien, die belegen, dass deren Vorteile die Risiken bei weitem überwiegen, «von paranoiden Fanatikern, Menschen, die alternative Therapien verkaufen und solche, die nur Klicks wollen» im Internet überstimmt werden. Unzählige Webseiten und Social-Media-Posts übertrieben seltene Risiken und schürten unbegründete Behauptungen, von der Behauptung, dass Statine Krebs verursachten, bis hin zu der Annahme, dass ein niedriger Cholesterinspiegel tatsächlich schlecht für die Gesundheit sei, schreibt die NY Times weiter.

«Dr. Google»« verstärkt den Nocebo-Effekt

Gemäss der NY Times könnten «falsche medizinische Informationen (….) auch dazu führen, dass die Patienten durch den „Nocebo-Effekt“ grössere Nebenwirkungen erfahren. Manchmal profitieren Patienten von einer Intervention, nur weil sie glauben, dass sie es tun werden – das ist der Placebo-Effekt. Der Nocebo-Effekt ist das Gegenteil: Patienten können negative Auswirkungen haben, nur weil sie sie erwarten. Das gilt sehr wohl für Statine. In verblindeten Studien sind Patienten, die Statine erhalten, nicht wahrscheinlicher, Muskelschmerzen zu melden als Patienten, die ein Placebo bekommen. Doch in der klinischen Praxis, so eine Studie, berichten fast ein Fünftel der Patienten, die Statine einnehmen, über Nebenwirkungen, die viele dazu veranlassen, die Medikamente abzusetzen.» schreibt die NY Times (Übersetzung ins Deutsche vom mediX-Blogger).

Impfgegener sind im Internet übermässig aktiv

Und wie immer seien auch Impfstoffe beliebte Angriffsziele von Fake-Newsern heisst es im Beitrag: «Falsche Bedenken, dass der Impfstoff gegen das humane Papillomavirus Anfälle verursacht und andere Nebenwirkungen haben die Impungsrate in Japan in den letzten Jahren von 70 Prozent auf weniger als 1 Prozent reduziert. Polio-Impfärzte in Pakistan werden häufig von Militanten angegriffen, weil sie denken, dass der Impfstoff dazu bestimmt ist, die lokale Bevölkerung zu sterilisieren.»

Gemäss dem NY-Times-Beitrag, sei auch Krebs ist ein weiteres grosses Ziel für die Verbreiter medizinischer Fehlinformationen – viele von ihnen verdienten Geld mit alternativen Therapien.

Echte News haben gegen Fake News einen schweren Stand

Ärzte und Krankenschwestern versuchten häufig, ihre Patienten davon abzuhalten, sich im Internet nach Antworten umzusehen. Und doch würden die Patienten weiterhin ihre Symptome und Medikamente mit Google auswerten, denn das Internet erfordere keinen Termin und keine lange Wartezeiten.

Die grossen Internetplattformen aus dem Silicon Valley müssten dieses Problem dringend in den Griff bekommen, fordert der Autor. Wenn es um die menschliche Gesundheit gehe, sollten Suchmaschinen, Social Media-Plattformen und Websites für die Förderung oder das Hosting gefälschter Informationen verantwortlich gemacht werden. Aber auch die Wissenschaft müsse ihren Teil dazu beitragen, die Öffentlichkeit über Schlüsselkonzepte in der Forschung aufzuklären, wie z.B. den Unterschied zwischen Beobachtungsstudien und höherwertigen randomisierten Studien. Transparenz sei für die Aufrechterhaltung des Vertrauens der Öffentlichkeit von grösster Bedeutung.

Um eine Chance zu haben, den Informationskrieg zu gewinnen, müssten Ärzte und Forscher die medizinische Wissenschaft mit Geschichten verknüpfen. Nur so könne der Keil geschlossen werden, der sich zwischen Medizin und breiter Bevölkerung geöffnet habe und der jetzt von Händlern medizinischer Fehlinformationen ausgenutzt werde.

(Der Artikel in der New York Times wurde verfasst vom Kardiologen Dr. Haider Warraich. Alle Zitate und inhaltlichen Bezüge sind vom Autor aus der amerikanischen in die deutsche Sprache übersetzt worden.)

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