Wenn Medikamente krank machen

Besonders ältere Menschen werden meist über längere Zeit für eine ganze Reihe von akuten Krankheiten mit mehreren Medikamenten behandelt. Das Ziel ist dabei natürlich, diesen PatientInnen die Lebensqualität zu verbessern und das Leben zu verlängern. Folgt man den Ergebnissen einer aktuellen Studie, so wird dieses Ziel mit wachsender Zahl unterschiedlicher Medikamente immer schlechter erreicht.

Ärztliche Leitlinien empfehlen Verzicht

Multimorbidität, das gleichzeitige Bestehen mehrerer Krankheiten bei einer einzelnen Person, geht in der Regel einher mit der Einnahme mehrerer Medikamente. Mit jedem zusätzlichen Medikament steigt das Risiko unerwünschter Nebenwirkungen. Um die Medikamentensicherheit zu erhöhen, empfehlen deshalb neue ärztliche Richtlinien, die die Problematik der Polymedikation angemessen berücksichtigen, bei älteren Menschen gewisse als «potentiell inadäquate Medikamente» (PIM) eingestufte Arzneimittel zu vermeiden.

PIM-PatientInnen müssen häufiger ins Spital

Eine kürzlich im Auftrag der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) durchgeführte Studie aus der Schweiz zeigt nun eine weite Verbreitung potentiell inadäquater Medikamente bei älteren Patienten und bestättigt die Gefährlichkeit der PIM: Patienten, die PIM einnehmen, müssen häufiger ins Spital. Bei mehr als 3 PIM gleichzeitig ist die Wahrscheinlichkeit einer Spitaleinweisung bereits 63% höher als bei Patienten ohne PIM-Verordnung.

Managed-Care-PatientInnen weniger betroffen

Erfreulich ist die Tatsache, dass Patienten, die in einem Managed-Care-Modell versichert sind, weniger PIM verordnet bekommen als traditionell versicherte Personen. Die Beobachtung, dass Managed-Care-Patienten weniger häufig potentiell inadäquaten Medikamenten ausgesetzt werden, deutet auf eine gezieltere Arzneimitteltherapie in gesteuerten Versorgungsmodellen hin.

mediX bemüht sich schon seit Jahren besonders um die Frage der Medikamentensicherheit, nicht nur bei älteren Menschen. Dazu Dr. med. Christian Peter, stv. medizinischer Leiter mediX zürich: «mediX misst dem Thema Polymedikation und Arzneimittelsicherheit im Allgemeinen sehr hohe Bedeutung zu. Wir sind momentan im Rahmen eines Projektes gemeinsam mit der Helsana dabei, die Medikamentenverschreibung mittels Einsatz von IT-basierten Hilfsmitteln weiter zu unterstützen und zu optimieren. Bei Medikamenten gilt nicht selten: „weniger ist mehr“. Wichtig ist, dass Ärzte und Patient gemeinsam festlegen, welche Therapien unabdingbar sind, und welche nicht. Der Hausarzt hat hier eine Schlüsselrolle.»

Brandneues EQUAM-Modul erhöht Arzneimittelsicherheit

Die Resultate der Studie legen die Notwendigkeit vermehrter Anstrengungen im Bereich der Arzneimittelsicherheit nahe. Im Wissen um die grosse Bedeutung dieses Themas für das Wohl vor allem von älteren PatientInnen und für eine kostengünstige Medizin wird EQUAM, die Stiftung zur Förderung der externen, unabhängigen Qualitätssicherung in der ambulanten ärztlichen Versorgung, im September das neue Qualitätssicherungsmodul C zur Zertifierung der Medikamentensicherheit veröffentlichen. Bei der Zertifizierung mit dem Modul „Medikationssicherheit“ wird in den Arztpraxen der Einsatz von Medikamenten überprüft. Damit können Ärztinnen und Ärzte unter Beweis stellen, dass sie bei der Verschreibung von Medikamenten grösstmögliche Sorgfalt walten lassen.

Mehr über die Studie, die Oliver Reich von der Abteilung für Gesundheitswissenschaften der Helsana in Zürich in Zusammenarbeit mit Thomas Rosemann vom Institut für Hausarztmedizin der Universität Zürich durchführte, lesen Sie hier (in englischer Sprache).

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Ein Kommentar zu Wenn Medikamente krank machen

  1. Mike Schwarz sagt:

    Der Artikel zeigt deutlich, das Handlungsbedarf besteht! Ich bin auch der Meinung, dass man auch noch im hohen Alter durchaus vermehrt auf alternative Methoden setzen sollte. Zu oft werden hoher Blutdruck oder andere Beschwerden mit Pillen behandelt. Dabei wäre mehr Bewegung und Entspannung mit Techniken wie z.B. Yoga, Medidation oder Hypnose durchaus auch sinnvoll und unterstützend.

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