Was kann Dr. APP?

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Hunderte von Apps für iOS, Android auch für Windows tummeln sich im Netz. Nicht alle können halten, was sie versprechen; optimistische Schätzungen sprechen von über 100’000 Apps weltweit. Die Anwendungen reichen vom Schritt- und Kalorienzähler über das Schmerztagebuch bis zur Hautkrebsfrüherkennung. Smartphones können mithilfe des eingebauten Mikrofons als Stethoskop genutzt werden oder Schlafstörungen erkennen, wenn sie im Bett platziert werden. Aber die wirklich Guten gehen allzu leicht im unüberschaubaren Überangebot unter.

Welche Gesundheits-Apps sollte man sich etwas genauer anschauen und was können sie wirklich?

Viele dieser Apps befassen sich mit gesunder Ernährung, andere wollen aufgrund von Windelfotos feststellen, ob ein Kind krank ist, sie Berechnen die Dosierung von Pillen, informieren über Seuchen oder Allergien, messen und speichern Schritte, Treppensteigen, Puls und Atemfrequenz oder begleiten Raucher beim Ausstieg.

Kürzlich hat die SonntagsZeitung über einige der Gesundheits-Apps berichtet – und das Ergebnis ist ernüchternd.

191 Asthma-Apps soll es laut SZ geben; 40 Prozent davon gaben aber klar unwissenschaftliche Ratschläge. Beim Thema Hautkrebs beurteilten drei von vier getesteten Apps mindestens 30 Prozent der Fotos von bösartigen Tumoren als gutartig. Bei der Berechnung der Insulindosis trugen 31 von 46 Diabetes-Apps (67 Prozent) das Risiko von falschen oder irreführenden Dosierungsempfehlungen. Und die 47 Raucherstopp-Apps enthielten kaum Empfehlungen, die wirklich helfen.

Eines ist also sicher: den Arzt und sein Fachwissen können Apps noch lange nicht ersetzen.

Löbliche Ausnahmen

Die SonntagsZeitung erwähnt aber auch positive Ausnahmen: Gemäss Stefano Santinelli, Leiter Health bei der Swisscom, könne «beim Abnehmen und fitter werden die Begleitung durch eine App die Gesundheit verbessern». Auch das Überwachen von Risikofaktoren, wie z.B. Bluthochdruck, ist gemäss Henning Müller, Leiter des Bereichs E-Health an der Fachhochschule Westschweiz in Siders, durchaus nützlich: «Damit kann man mehr über sich selbst lernen, zum Beispiel, in welchen Situationen der Blutdruck steigt.

Viele Experten sehen eine interessante Zukunft in Apps für Chronischkranke. Apps seien wie gemacht dafür, denn hier spielt die Selbstverantwortung eine grosse Rolle. Apps können diese aktiv unterstützt, die nötigen Daten sammeln und die PatientInnen an notwendige Massnahmen erinnern.

Dennoch: einen sicheren Weg, die Perlen unter den hunderttausenden von Apps zu finden, gibt es noch nicht. Die Plattformen, von denen sie runtergeladen werden, prüfen auch Gesundheits-Apps nur auf technische Aspekte – eine Qualitätsgarantie in medizinischer Hinsicht ist das aber nicht. Und offizielle medizinische Bewertungsstellen, die im Dschungel der Angebote helfen könnten, gibt es nicht. Als gute Quelle für Ärzte gilt die Website iMedicalApps, allerdings nur in englischer Sprache. Ausserdem führt die U.S. Food and Drug Administration (FDA) eine Liste von Mobile Medical Applications (MMA oder medizinische Apps), die sie in medizinischer Hinsicht geprüft hat.

Eine nützliche Liste der 100 Gratis-Top-Apps über Medizin (für iOS) finden Sie auch unter itopchart, herausgegeben in Zusammenarbeit mit App Store Schweiz.

Datenschutz nicht vergessen

Viele Gesundheits-Apps speichern eine Vielzahl sehr persönlicher Daten über den Gesundheitszustand. Daher empfiehlt es sich immer, vor dem Download die Allgemeinen Bedingungen genau zu lesen. Wer steht hinter der App und wie aktuell sind die Informationen, Gibt es Test und Studien zur Qualität? Was kostet die App und was kostet die spätere Nutzung (InApp-Käufe). Was steht über den Datenschutz? Wie wird die App finanziert?

afgis e.V., das deutsche Aktionsforum für Gesundheitsinformationssyssteme, hat in diesem Zusammenhang die Basisangaben, die Produzenten von Gesundheits-Apps bereitstellen sollten, in einem „Gesundheits-App Fact Sheet“ zusammengefasst.

Diese Apps finde ich ganz gut und oft nützlich

Bildschirmfoto 2015-07-02 um 11.24.45Ich selbst mag Erste Hilfe vom Schweizerischen Roten Kreuz. Einfach, gratis und doch unglaublich wertvoll. Lebensrettende Infos und Wissen für den Notfall immer mit dabei. Übersichtliche und interaktive Anleitungen – Schritt für Schritt und ein Wissensteil beantwortet viele Fragen.

Ebenfalls auf meine mobilen Geräten geladen habe ich ein paar Apps, über die ich bereits früher hier im mediX-Blog berichtet habe: besonders erwähnt darunter Die App zum Pollenalarm für Pollenallergiker, die iOS-App über Zecken oder medicine 2.0 von CSS. Aktiviert auf meinem iPhone habe ich ausserdem die App Health: dort schau ich von Zeit zu Zeit, wie oft ich mich bewegt habe – und nehme mir dann immer wieder gute Vorsätze.

Bildschirmfoto 2015-07-02 um 11.22.22Inhaltlich seriös gemacht, aber doch eher etwas für Leute, die gerne in Krankheiten schwelgen ist iTriage (nur in Englisch): sie zeigt Ihnen bei einer Vielzahl von Beschwerden die mög­lichen Ursachen und macht auf Gefahren aufmerksam.

Welche Apps verwenden Sie häufig und welche würden Sie gerne mal ausprobieren? Schreiben Sie über Ihre Erfahrungen einen Kommentar!

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