Vorsicht bei rezeptfreien Schmerzmitteln

Sie sind so nützlich im Alltag: Habe ich mir den Finger eingeklemmt, so lindern sie den Schmerz. Oder habe ich am Morgen Kopfweh, so geht es mir dank ihnen schon bald wieder besser. Gemeint sind die rezeptfreien Schmerzmittel wie Panadol, Algifor, Aspirin oder Volateren Dolo, die sich fast in jeder Hausapotheke finden und die sich in jeder Apotheke problemlos besorgen lassen – oft sogar ohne warnende Hinweise des Verkäufers. In einem Online-Artikel über diese Medikamente schreibt der Beobachter: «Bei über der Hälfte von 20 Testkäufen durch die Beobachter-Redaktion wurde höchstens gefragt, ob man das Medikament kenne – oder gar nichts gesagt. In nur zwei Apotheken wurde der Käufer darauf aufmerksam gemacht, dass die Tabletten nicht länger als drei bis vier Tage eingenommen werden sollten, wie Pharmakologen schon lange raten.»

Denn harmlos sind diese Mittel in keinem Fall, auch wenn nicht alle Menschen mit so drastischen Folgen rechnen müssen, wie die im Beobachter-Artikel beschriebene Person. Dennoch: Bis zu 16 Prozent der mit Ibuprofen behandelten Personen leiden an Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt. Auch andere Entzündungshemmer können übrigens ähnliche Nebenwirkungen haben. Gemäss der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft dürften bei den über 65-jährigen bis zu 30 Prozent der Krankenhausaufenthalte wegen Magen- oder Darmgeschwüren auf die Einnahme solcher Wirkstoffe zurückzuführen sein. Andere Studien zeigen, dass Ibuprofen und Diclofenac in Einzelfällen schwere Nebenwirkungen auf das Herz-Kreislauf-System haben. Der Beobachter schreibt: «Bei der Einnahme von Diclofenac stieg die Wahrscheinlichkeit eines Herzstillstands um 50 Prozent im Vergleich zu Patienten, die keine Schmerzmittel genommen hatten. Bei Ibuprofen lag das Risiko um 31 Prozent höher.»

«Der Anstieg des Blutdrucks unter Ibuprofen ist signifikant», sagt gemäss Beobachter auch Frank Ruschitzka, stellvertretender Direktor der Klinik für Kardiologie am Universitären Herzzentrum Zürich. Er hat eine aktuelle Studie zu den Auswirkungen von Ibuprofen auf Patienten mit rheumatoider Arthritis geleitet. «Ibuprofen ist eindeutig nicht so sicher, wie man früher gedacht hat.» Gerade für ältere Patienten, die oft unter Arthrose und hohem Blutdruck litten, seien die Ergebnisse von grosser medizinischer Bedeutung.

Das Problem ist nicht zu unterschätzen: gemäss dem Helsana-Arzneimittelbericht gingen im Jahr 2015 in der Schweiz rezeptfreie Schmerzmittel im Wert rund 100 Millionen Franken über den Ladentisch; zum Vergleich: bei den verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln waren es rund 132 Millionen. Spitzenreiter ist dabei Paracetamol, Ibuprofen und Acetylsalicylsäure lagen auf Platz vier und fünf und Diclofenac steht auf Platz acht.

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