Vorsicht bei revolutionären medizinischen Erkenntnissen

Vielleicht haben Sie es ja auch gelesen – oder gar den TV-Bericht gesehen: Methadon soll gemäss neuen Studien bei der Krebstherapie sensationelle Ergebnisse erzielen und die Behandlung verbilligen. Seit die ARD in ihrer Sendung «Plusminus» im April dieses Jahres über die Superwirkung von Methadon bei der Krebsbehandlung berichtet hat, wurden nicht nur Hoffnungen bei Betroffenen geweckt, sondern auch gleich die Frage gestellt «warum ein preiswertes Mittel für Krebspatienten nicht erforscht wird». Wieder einmal, könnte man meinen, weigert sich die Pharma-Industrie, ein günstiges Medikament zu fördern, wenn es in Konkurrenz zu den heute verfügbaren, sehr teuren Mitteln treten könnte.

Aber halb so wild: Ausgangspunkt des ARD-Berichts ist kein am Menschen erprobtes Mittel ohne Nebenwirkungen, sondern basiert auf Studien der Ulmer Chemikerin Claudia Friesen, die Methadon an Zellkulturen und im Tierversuch getestet hat und glaubt, dass mithilfe des Opioids Tumorzellen effektiver zerstört werden können. Ob diese Methode auch an Menschen wirkt und welche Nebenwirkungen sie haben könnte, ist aber noch völlig unklar. Zwar wurde das Medikament an einzelnen Probanden erprobt, verlässliche Studienergebnisse dazu gibt es aber nicht.

Der Journalist Werner Bartens hat kürzlich in der SonntagsZeitung zu diesem Fall einen interessanten Artikel veröffentlicht, der zeigt, was die Folgen sein können, wenn erste Ergebnisse von Laborstudien in der Öffentlichkeit als Allheilmittel breitgetreten werden. Sein Fazit: «Viele Laien und Patienten sehen in der Ankündigung der Studie nur eine Verzögerungstaktik auf Kosten der Kranken. Und viele Ärzte sind bei dem bereits verfügbaren Wissen über Methadon skeptisch, dass jemals ein Heilmittel für Krebspatienten daraus wird.» Mehr darüber wird man wohl erst erfahren, wenn die klinische Studie der Uniklinik Heidelberg zur Wirksamkeit von Methadon in der Krebstherapie im Jahr 2022 abgeschlossen und veröffentlicht ist.

Hier können Sie den ganzen Artikel als PDF herunterladen.

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