Treiben Medikamente die Kosten in die Höhe?

Die Helsana hat kürzlich ihren zweiten Arzneimittelreport 2015 veröffentlicht. Dieser bietet wie im Vorjahr eine datenbasierte Sicht auf die Medikamentenlandschaft in der Schweiz. Er analysiert die relevanten Entwicklungen auf der Basis anonymisierter Daten von insgesamt knapp 1.2 Millionen Personen, die 2014 bei der Helsana-Gruppe grundversichert waren.

Medikamentenkosten steigen weiter

Zwar zeigt der Bericht, dass bei den patentgeschützten Medikamenten die ordentlichen Preisüberprüfungen des Bundesamts für Gesundheit zwischen 2012 und 2014 wechselkursbedingt eine preisdämpfende Wirkung hatten. Trotzdem sind die gesamten Medikamentenkosten seit 2011 weiter angewachsen, was auf gestiegene Bezüge und auf den Markteintritt neuer, sehr hochpreisiger Medikamente zurückzuführen ist. Der Report zeigt deutlich, dass die Einsparpotenziale noch immer beachtlichen sind. «Auch bei den Generika ist der Handlungsbedarf offensichtlich: Die Preise sind in der Schweiz deutlich zu hoch.», heisst es im Vorwort des Berichts.

Gemäss dem Helsana-Bericht, schreibt die SonntagsZeitung, seien die Kosten ambulant verschriebener Medikamente zwischen 2013 und 2014 um 2.1 Prozent auf knapp 6.3 Milliarden Franken angestiegen.

Trend zu sehr teuren Behandlungen für wenige als Kostentreiber

In ihrem Report beschreibt die Helsana einen Trend der letzten Jahre, dass neue, innovative Therapien vorwiegend in den Indikationsgebieten Immunologie und Onkologie auf den Markt kommen. Dieser werde sich fortsetzen, heisst es im Helsanabericht. Zum Teil gebe es ganz neue Ansätze mit hervorragenden Therapieergebnissen bei Gesundheitsproblemen, die bisher nur sehr ungenügend behandelt werden konnten. Die Kehrseite dieser Medaille seien sehr hohe Kosten, welche zu einer echten Belastungsprobe des Gesundheitswesens führen werden. Die gesellschaftliche und politische Brisanz dieser Entwicklung liege darin, dass nur sehr wenige Patienten von solch teuren Therapien profitierten, aber für einen grossen Anteil der Gesamtkosten sorgten. Das Hepatitis-C-Medikament Sofosbuvir schaffte es

beispielsweise im Jahr 2014, dem Jahr der Marktzulassung, bereits auf Platz 14 des Kostenrankings. Bei den Bezügen fand sich das Präparat dagegen auf Platz 1’004. Es wurde nur von 811 Patienten bezogen. Gemäss Helsana müsse man für solche Medikamente dringend neue Finanzierungsmodelle und Modelle der Preisbildung diskutieren. Es dürfe dabei jedoch nicht darum gehen, die Attraktivität der pharmazeutischen Forschung generell oder in der Schweiz zu gefährden, denn daraus resultiert letztlich Innovation und therapeutischer Fortschritt, welchen die ganze Gesellschaft wolle.

Den vollständigen Helsana-Arzneimittelreport 2015 können Sie sich hier als PDF downloaden.

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Ein Kommentar zu Treiben Medikamente die Kosten in die Höhe?

  1. Sven Michelsen sagt:

    Diese Tatsache werde wir wohl hinnehmen müssen.
    Hingegen ist nicht hinzunehmen, wie viele Medikamente unbenutzt im Abfall landen ! Das sind die Kosten, die wir uns keineswegs leisten können !! Bei Erstabgabe darum mal erst eine Kleinpackung abgeben, und die Grosspackung erst bei der Kontrolle, ob das Mittel genommen wird und auch den erwünschten Erfolg bringt. (Leider ist das immer noch nicht bei allen Aerzten so .) Die Rezeptur fordert leider nur die Malcompliance, weil sich die Einnahme-Disziplin nicht kontrollieren lässt. Viele Aerzte verkennen da noch ihre erzieherische Aufgabe. Leider sind viele Patienten nur auf dem Papier mündig, oder wollen es gar nicht sein.

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