Neue Bluthochdruckstudie verändert Behandlung

Sprint (Systolic Blood Pressure Intervention Trial) heisst die neueste Blutdruck-Studie amerikanische Gesundheitsbehörde NIH. Sie ist die grösste je durchgeführte Hypertonie-Studie ihrer Art. Und noch selten war eine medizinische Studie so klar in ihren Ergebnissen und so akzeptiert in der Fachwelt. Sie sei methodisch gut durchgeführt worden, industrieunabhängig und zeige überzeugende Resultate hiess es dazu kürzlich im Tages-Anzeiger.

Wer seinen Blutdruck stärker senken lässt als bislang empfohlen, hat grössere Überlebenschancen. Gemäss der Studie kam es zu einem Drittel weniger Herzinfarkten und Schlaganfällen sowie einem Viertel weniger Todesfällen, wenn bei Risikopatienten der obere Blutdruckwert auf 120 mmHg statt auf 140 mmHg reduziert wurde.

Im Einzelfall weiter senken

Obwohl die Resultate eindeutig sind, zögern viele Ärzte noch mit veränderten Behandlungsempfehlungen. Sie warten auf die Richtlinien der grossen Fachorganisationen. Dennoch: Thomas Lüscher, Direktor der Klinik für Kardiologie des Universitätsspitals Zürich rät heute schon, Patienten, die die Medikamente gut vertragen, den Blutdruck stärker zu senken als bisher. Er sei selber schon bei einzelnen seiner Patienten dazu übergegangen.

mediX-Behandlungsrichtlinien anfangs Januar angepasst

Auch Medix hat im Januar 2016 die internen Hypertonie-Guidelines angepasst. Angesichts der klaren Studienergebnisse wollten die mediX-Ärzte wissen, wie sie nun damit umgehen sollten. Medix-Präsident Felix Huber empfiehlt in den angepassten Richtlinien nun eine stärkere Senkung des Blutdrucks im Einzelfall, nach Abwägung von Nutzen und Risiken. Eine intensivere Senkung bei allen Risikopatienten erachte er zurzeit allerdings nicht als sinnvoll.

Nebenwirkungen und noch mehr Pillen

Denn ganz problemlos ist die stärkere Senkung des Blutdrucks mit Medikamenten nicht. Da sind zum Einen die möglichen Nebenwirkungen: Schwindel, der zu Stürzen führen kann, vermehrte Müdigkeit oder eine beeinträchtigte geistige Leistungsfähigkeit schlagen auf die Lebensqualität. Oft muss, um die tieferen Werte zu erreichen, ausserdem ein zusätzlicher Blutdrucksenker eingenommen werden. Meist möchten aber gerade ältere Menschen nicht noch mehr Pillen und ein zusätzlicher Wirkstoff erhöht auch das Risiko, dass sich dies Medikamente gegenseitig negativ beeinflussen.

Good News von der Blutdruck-Messfront

Zum Thema Blutdruckmessung sagt Dr. med. Felix Huber von mediX: «Messungen im Sprechzimmer fallen nach unseren Erfahrungen 5 bis 20 mmHg höher aus als unter Studienbedingungen». Daher sollten in Zukunft in allen mediX-Praxen das gleiche Verfahren wie in der Sprint-Studie verwendet werden. Der Blutdruckwert wäre dann der Durchschnitt aus mehreren Messungen, welche Patienten unbegleitet selbst bestimmen – am besten zu Hause. Allein diese Anpassung dürfte bei nicht wenigen Patienten dazu führen, dass sie den Zielwert von 120 mmHg von selbst erfüllen – ohne Erhöhung der Medikamentendosis.

Hier können Sie den Artikel im Tages-Anzeiger vom 29. Januar 2016 als PDF herunterladen.

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Eine Antwort auf Neue Bluthochdruckstudie verändert Behandlung

  1. BLOCH ERICH sagt:

    Diese Information ist sehr beruhigend und stimmt mit meinen
    jahrelangen Erfahrungen überein.

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