Mit „Smarter Medicine“ auf Unnötiges verzichten

In bestimmten Krankheitsfällen bedeutet der bewusste Verzicht auf eine Behandlung mehr Lebensqualität für die betroffene Person – diese Überzeugung steht hinter dem Begriff smarter medicine, ebenso bekannt als choosing wisely.

Der neue Trägerverein «smarter medicine – Choosing Wisely Switzerland», dem neben Berufs- und Fachgesellschaften auch die Patienten- und Konsumentenorganisationen angehören, soll nun dafür sorgen, dass sich die Idee, die ursprünglich aus Amerika stammt, nun auch in der Schweiz noch besser durchsetzen kann. Dabei geht es um mehr als die Veröffentlichung von Listen unnötiger Behandlungen: Frühzeitige Behandlungsplanung, interprofessionelle Absprachen zwischen ärztlichen, therapeutischen und pflegerischen Leistungserbringern und die Information der Öffentlichkeit gehören zu den Zielen des Vereins.

Mit einer neuen und breit abgestützten Trägerschaft sollen jetzt auch die Interessen von PatientInnen und KonsumentInnen sowie der anderen Gesundheitsberufe eingebunden werden, damit sie die Kampagne aktiv mitgestalten. Der Trägerverein smarter medicine – Choosing Wisely Switzerland ist nun im Juni 2017 gegründet worden. Neben SGAIM (Schweiz. Gesellschaft für Allgemeine Innere Medizin und SAMW (Schweiz. Akademie der Medizinischen Wissenschaften) sind auch der Schweizerische Verband der Berufsorganisationen im Gesundheitswesen (svbg), der Dachverband Schweizerischer Patientenstellen (DVSP) sowie die Konsumentenorganisationen Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), Fédération Romande des Consommateurs (FRC) und Associazione Consumatrici e Consumatori della Svizzera Italiana (acsi) als Mitglied dabei.

Der Trägerverein will folgende Ziele erreichen:

  • Ausarbeitung und Publikation weiterer Top-5-Listen durch medizinische Fachgesellschaften etc. fördern;
  • Die Verbindlichkeit der Empfehlungen erhöhen;
  • Andere Gesundheitsberufe aktiv einbeziehen und interprofessionelle Ansätze in Choosing Wisely zur Diskussion bringen;
  • PatientIinnen und Versicherte für das Anliegen sensibilisiere und für den Dialog mit den Behandelnden zu befähigen;
  • Öffentliche Diskussion über Behandlungsqualität (Fehl- und Überversrogung) fördern;
  • Behandlungsqualität als Teil der medizinischen Weiter- und Fortbildung etablieren und verankern;
  • Unterstützung der Kampagne durch Politik und Behörden erreichen.

Den Gründungsmitgliedern des Trägervereins geht es darum, die Behandlungsqualität nach dem Motto «Weniger Medizin kann mehr sein» zu verbessern. Die damit einhergehende Kostendämpfung ist zwar wünschenswert, aber nicht das primäre Ziel.

Gleichzeitig mit der Gründung des Trägervereins werden auch zwei neue Listen für die Geriatrie und die Intensivmedizin publiziert. Die entsprechenden Fachgesellschaften empfehlen darin, bestimmte Behandlungen in ihrem Bereich zu vermeiden. So sollen zum Beispiel in der Geriatrie Demenzkranke weniger häufig mit Magensonden ernährt werden. Oder in der Intensivmedizin sollen lebenserhaltende Massnahmen nur dann fortgesetzt werden, wenn mit den Betroffenen oder den Angehörigen zuvor die Behandlungsziele besprochen und damit die Werte und persönlichen Wünsche des Patienten berücksichtigt worden sind.

Unter der Federführung der SAMW bereiten in den nächsten Monaten weitere Fachgesellschaften die Publikation von eigenen Listen vor.

Weitere Informationen zur Kampagne und zur Trägerschaft smarter medicine – Choosing Wisely finden Sie unter www.smartermedicine.ch

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