Intensivmediziner setzen mit 9er-Liste Grenzen der Behandlung

Die hohen Gesundheitskosten in der Schweiz (und anderswo) haben auch damit zu tun, dass viele Ärzte aus welchen Gründen auch immer, lieber das Mögliche tun als sich auf das Notwendige zu beschränken. In den letzten Jahren haben sich nun eine Reihe von Medizinern (oft in Zusammenarbeit mit ihren Fachorganisationen) daran gemacht, ihre Arbeitsalltag auf Massnahmen abzuklopfen auf Massnahmen, die im Prinzip „überflüssig“ sind oder deren Nutzen nicht nachgewiesen ist. Wenn es gelingt, diese Massnahmen aus der Routine von Arztpraxen und Spitälern zu verbannen, kann nicht nur viel Geld eingespart werden, sondern in manchen Fällen macht das den Arztbesuch oder Spitalaufenthalt für die PatientInnen weniger beschwerlich. Solche Listen folgen dem Prinzip «Weniger ist mehr» und laufen oft unter dem Slogan «Choosing Wisely»

«Es kommt vor, dass Ärzte Blutentnahmen und Laboruntersuchungen systematisch täglich anordnen», zitiert die SoZ Thierry Fumeaux von der SGI (Schweiz. Gesellschaft für Intensivmedizin). «Dies ist oft sinnlos, weil es die Diagnose oder die Therapie nicht beeinflusst. Und es kann für Patienten schädlich sein.» Weitere Beispiele sind überflüssige Katheter, Sonden und Infusionen, der vorschnelle Einsatz von Breitbandantibiotika oder Zusatzuntersuchungen, die für die Diagnose nicht wirklich nötig sind.

Gemäss medinside gaben in der SGI-Umfrage beim medizinischen Kader von 94 Schweizer Intensivstationen immerhin 25 Prozent der befragten Ärzte an, dass sie Zusatzuntersuchungen anordnen würden, auch wenn dies für den Patienten keinen direkten Nutzen habe. Und 15 Prozent sagten, dass sie nicht systematisch darauf achteten, keine unnötigen Katheter zu legen beziehungsweise nicht regelmässig später prüften, ob der Patient das noch brauche.

Die Schweizerische Gesellschaft für Intensivmedizin ist eine der ersten Fachgesellschaften der Schweiz, die eigenständig eine Liste an medizinischen Massnahmen erarbeitet hat, deren Verordnung aufgrund ihres häufig geringen Nutzens für den Patienten hinterfragt werden sollte. Diese „Top-9-Liste“ samt Hintergrundinformationen zu «Choosing Wisely» können Sie hier als PDF herunterladen.

Prof. Dr. med. Thierry Fumeaux, Präsident Ärzte der SGI (Schweiz. Gesellschaft für Intensivmedizin), wurde vom Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) zur Kampagne „Choosing Wisely“ der SGI befragt. Den Videobeitrag können Sie sich hier online anschauen.

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