Ein kritischer Blick hinter die Machenschaften der Pharmaindustrie

Es ist nicht selten, dass Fachbuchautoren unverblümt, aber kompetent ihre Finger auf heikle Punkte in unserem Gesundheitssystems legen. Selten aber sind Werke, die so detailreich und fundiert aufzeigen, was die Pharmaindustrie alles unternimmt, um ihre Gewinne zu sichern. Und wenn sogar die gute alte SÄZ (Artikel steht hier zum Download bereit) ein solches Werk lobend erwähnt, dann muss das Buch ja etwas ganz Besonderes an sich haben.

Peter Gøtzsches Buch „Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität – Wie die Pharmaindustrie das Gesundheitswesen korrumpiert“ ist in Fachkreisen leider noch wenig bekannt. Sein Buch  hält aber, was sein provokativer Titel verspricht. Neben der Manipulation von Studien und Unterschlagung von Studienergebnissen beschreibt der Autor auch die Aktivitäten und Marketing-Tricks der Pharmakonzerne, die weit über das Legale hinausgehen und die Ärzteschaft sowie zunehmend auch Patientenorganisationen im Visier haben. Das Werk verspricht also nicht nur spannende Lektüre sondern vertiefte Einblicke in ein Kapitel einer Geschichte, die für unser Gesundheitswesen von grosser Bedeutung ist. Gøtzsche vergleicht die Machenschaften der Pharmaindustrie mit der Tabakindustrie, was aufhorchen lässt, und belegt diese Behauptung mit zahlreichen Dokumenten.

Gøtzsche macht auch Lösungsvorschläge

Das Buch handelt nicht nur von Missständen und Problemen, sondern Gøtzsche schlägt auch Lösungen vor, die eine breite öffentliche Diskussion verdienen. Neben einem (längst fälligen) Verbot für Direktwerbung von Medikamenten beim Konsumenten (in Presse, TV, Internet usw.) fordert Gøtzsche auch eine konsequente Offenlegung aller finanziellen Verbindungen zwischen der Pharmaindustrie und Ärzten, Fach- und Berufsverbänden, Patientengruppen sowie Fachzeitschriften. Ausserdem sollen alle Prüfpläne und Studiendaten, die für die Zulassung von Medikamenten notwendig sind, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und nicht mehr als Geschäftsgeheimnis der Industrie gehütet werden dürfen. Zudem fordert der Autor einen Systemwechsel bei der Medikamentenprüfung: Medikamentenstudien sollen durch unabhängige Forschergruppen und staatliche Institutionen durchgeführt werden. Das erfordert eine Stärkung der Unabhängigkeit der Institutionen, die Medikamente zulassen und überwachen. Da die grossen Gewinne in der Pharmaindustrie durch die Gelder der Allgemeinheit (u.a. mit Steuern und Krankenkassenbeiträgen) bezahlt werden, hat diese auch ein Anrecht zu erfahren, ob die Medikamente wirklich nützen oder die Gesundheit gefährden.

Der Autor

Peter C. Gøtzsche ist ein profunder Kenner der Materie. Er ist Facharzt für Innere Medizin, hat viele Jahre für Pharmaunternehmen klinische Studien durchgeführt und sich dort um die Zulassung von Medikamenten gekümmert, war später Mitbegründer der Cochrane Collaboration und ist heute renommierter Professor für Forschungsdesign und Forschungsanalyse an der Universität Kopenhagen sowie Leiter des Nordic Cochrane Centre.

Sein Buch Tödliche Medizin und organisierte Kriminalität ist im Buchhandel erhältlich. Sie können es aber auch hier bei Orell Füssli direkt bestellen.

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Ein Kommentar zu Ein kritischer Blick hinter die Machenschaften der Pharmaindustrie

  1. Carla Bianchi-Buchli sagt:

    Liebes Team, Ich bin hoch erfreut über die Empfehlung zu diesem Buch, das ich nur „tröpfchenweise“ lesen kann und hoffe dass in Ihrer Praxis auch entsprechend behandelt wird, falls ich einen Termin wahrnehmen muss.
    Mit freundlichen Grüssen
    Carla Bianchi-Buchli

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