16’000 Meniskusoperationen zu viel?

Jahr für Jahr kommen in der Schweiz 16’000 PatientInnen, die an Meniskusbeschwerden leiden, unters Messer – ohne medizinischen Nutzen. Diese unnötigen Eingriffe kosten pro Jahr rund 70 Millionen Franken.  Der Grund dafür: Fehlanreize durch die aktuelle Finanzierung dieser Eingriffe.

Dieses alarmierende Beispiel aus der Schweizer Welt der Medizin dokumentiert eine Studie des Instituts für Hausarztmedizin der Universität Zürich unter Prof. Thomas Rosemann; Autor ist Leander Muheim, der jetzt in der mediX Praxis Altstetten als Arzt für Allgemeine Innere Medizin arbeitet.

Die Ergebnisse der Studie wurde kürzlich in einer Medienmitteilung der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW) publiziert. Die Studie zeige, «dass die Operationen häufiger bei zusatzversicherten und seltener bei Patienten mit hoher Franchise zum Einsatz kamen. Das Forscherteam der UZH zieht daraus den Schluss, dass das Vergütungssystem in der Schweiz für Ärzte finanzielle Anreize setzt zur Durchführung einer Operation. Gleichzeitig sind für die Patienten die Anreize für eine konservative Therapie bzw. für den Verzicht auf eine Operation nur begrenzt.», heisst es dort.

Gemäss der Studie bringen beispielsweise bei altersbedingten Meniskusschädigungen chirurgische Eingriffe am Knie mittels Gelenkspiegelung (Arthroskopie) im Vergleich zur nicht-operativen Behandlung keinen Zusatznutzen. Trotzdem gehören diese Operationen in der Schweiz zu den häufigsten chirurgischen Eingriffen.

Patientinnen und Patienten drängen nicht selten auf einen operativen Eingriff am Knie, weil sie glauben, «mehr Behandlung» sei gleichbedeutend mit «mehr Nutzen». Demgegenüber stehen die Ergebnisse grosser Studien, die zeigen, dass die operativen Eingriffe keinen Zusatznutzen bringen im Vergleich zu einer Behandlung ohne Operation.

Im Auftrag der SAMW haben Forscher des Institutes für Hausarztmedizin der Universität Zürich (UZH) und der Abteilung Gesundheitswissenschaften des Krankenversicherers Helsana untersucht, ob solche Erkenntnisse in die Praxis umgesetzt wer­den und somit zu einer Reduktion der operativen Eingriffe führten.

Mit diesem Link gelangen Sie zur Studie (in Englisch) oder Sie können den Text der Studie in englisch hier herunterladen. Über die Studie von Leander Muheim, einem mediX-Arzt, haben auch die Medien berichtet: Sie können beispielsweise die Tages-Anzeiger-Titelseite hier herunterladen und den ganzen Bericht im Tages-Anzeiger hier als PDF herunterladen.

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