Im Einsatz für den Hausarztberuf

Er will uns vor zu viel Medizin schützen und setzt sich mit der wissenschaftlichen Arbeit seines Teams am Institut für Hausarztmedizin der Universität Zürich mit Kräften für den Beruf des Hausarztes ein – erfolgreich seit 10 Jahren: der Institutsdirektor Prof. Dr. med. Thomas Rosemann PhD. «Das Institut hat die Aufgabe, die Studierenden an der medizinischen Fakultät mit der Arbeit und den Aufgaben des Hausarztes, der Hausärztin vertraut zu machen. In der Forschung werden innovative Ansätze in Diagnostik und Therapie untersucht, die darauf abzielen, die Lebensquantität und Lebensqualität von Patienten in der Grundversorgung zu verbessern», liest man auf der Website seines Instituts zu seinem Aufgabenbereich

Institut für Hausarztmedizin der UZH ist das aktivste im deutschsprachigen Raum

Rosemann leite in Zürich das aktivste Hausarztmedizin-Institut im deutschsprachigen Raum, schreibt der Tages-Anzeiger aus Anlass seines 10-jährigen Jubiläums in einem ganzseitigen Beitrag, den Sie hier als PDF herunterladen können. Dass Rosemann trotz anfänglicher, grosser Skepsis gegenüber seiner Person und dem zu seinem Amtsantritt neu geschaffenen Institut seinen Humor nicht verloren hat, beweist er zum Beispiel mit seiner Aussage zum Beruf des Radiologen: «Die schauen den ganzen Tag Schwarzweissbilder an, das wäre mir viel zu einseitig» oder mit einer seiner Lieblingsstudien, bei der es gelang, Tauben so zu trainieren, dass sei auf Gewebeaufnahmen Brustkrebs ähnlich gut erkennen wie Radiologen. Lobende Worte findet er aber – wen wundert’s – für den Hausarztberuf: «Die Hausarztmedizin ist so anspruchsvoll und vielseitig, das sollten eigentlich nur die Allerbesten machen.» Das heutige Vergütungssystem führe aber leider dazu, dass dies nicht immer der Fall ist. In den letzten Jahren hat er sich aber mit seiner seriösen Arbeit und seinen wichtigen Beitrag zur Versorgungsforschung in der Schweiz weit über die Schweizer Grenzen hinaus einen Namen gemacht und auch bei den frühen Skeptikern Anerkennung gefunden.

Hausärztinnen müssen die problematischen Fälle erkennen

Als grösste Herausforderung für Hausärztinnen bezeichnet Rosemann die Aufgabe, im Rahmen der Sprechstunden unproblematische von schwierigen Fällen zu unterscheiden: «Wenn Sie täglich Patienten mit Brustschmerzen in der Praxis haben, müssen Sie den einen mit Herzinfarkt erkennen und ins Spital überweisen», wird Rosemann im Tages-Anzeiger zitiert. Oder bei Rückenschmerzen, der vielleicht häufigsten Beschwerde in der Hausarztpraxis, gelte es, die seltenen Fälle von Krebs nicht zu übersehen. Dies sei eine sehr anspruchsvolle Aufgabe.

Als Verfechter des Schweizer Hausarzt-Systems und von Managed-Care, bei dem am Anfang jeder Behandlung eine AllgemeinmedizinerIn steht, die die PatientIn dann auch weiter durch den medizinischen Dschungel begleitet, setzt sich Rosemann ein gegen «ein Zuviel an Medizin». Die Zeiten, in denen besonders sozial schwächere Menschen nur beschränkten Zugang zu medizinischer Behandlung hatten, scheinen definitiv vorbei zu sei. Rosemann betont denn auch, dass man sich heute vielmehr aktiv vor zu viel Medizin schützen müsse. Viele PatientInnen hätten noch nicht verstanden, dass auch zu viel Medizin schaden könne. Damit will er die immensen Fortschritte der Medizin in keiner Weise schmälern, aber auch aufzeigen, dass heute noch viel zu oft Behandlungen durchgeführt werden, für die es eigentlich keine medizinische Begründung gibt – oder bei denen es nicht klar ist, ob sie überhaupt etwas nützen. Als Beispiele erwähnt Rosemann die Operation bei bloss verknacksten Füssen oder das Einsetzen von Stents bei stabiler Angina Pectoris, das gemäss einer neuen Studie keinen Nutzen bringt.

Rosemann ist Pionier der Schweizer Versorgungsforschung

Dass Professor Rosemann in der Schweiz mit der Versorgungsforschung eine neue Forschungsrichtung etabliert hat, die in anderen Ländern längst zum wissenschaftlichen Standard gehört, ist für die Arbeit von mediX besonders wichtig. Indem er untersucht, wie PatientInnen im Schweizer Gesundheitswesen tatsächlich versorgt werden, leistet er einen wichtigen Beitrag zur faktenbasierten Diskussion um den grossen Nutzen von Managed Care oder um die wichtige Rolle der Hausärztinnen als GatekeeperInnen und erste Anlaufstelle bei Krankheiten.

In diesem Blog haben wir schon verschiedentlich über Professor Rosemann und seine Arbeit berichtet, so z.B. in den Blogbeiträgen Managed Care ist bei chronisch Kranken besser und günstiger, Mit Managed Carl weniger Hospitalisierungen bei chronisch Kranken, 20 Jahre mediX zürich, Auf der Suche nach der besten medizinischen Versorgung, 16’000 Meniskusoperationen zu viel?, Wenn Medikamente krank machen oder im Video-Interview Es fehlt an der Wertschätzung für HausärztInnen.

Rosemann arbeitet seit Jahren in verschiedenen Projekten mit mediX zusammen. Auf der Website seines Instituts macht  er sich insbesondere auch für spezifische Guidelines für Hausärzte im Alltag stark: «Guidelines geben eine wichtige Orientierung im ärztlichen Alltag. Spezialärztliche Guidelines können meist nicht ohne Adaption an die Niedrigprävalenzsituation auf die Grundversorgung übertragen werden. mediX leistet hier seit Jahren eine wichtige Aufgabe in der Erstellung hausärztlicher Leitlinien, die sowohl die nationalen und internationalen Leitlinien der Fachgesellschaften reflektieren, als auch die spezifische Situation in der Schweizer Grundversorgung.» Sein Institut unterstützt in einer Kooperation, die von Frau Dr. Andrea Rosemann geleitet wird, die Arbeit der mediX. So habt es die folgenden mediX-Guidelines miterstellt (Links zum Herunterladen doppelklicken):

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