Werden ÄrztInnen bald online bewertet?

Was bei uns noch wenig beachtet wird, ist in den USA ein Trend: Ärzteratings auf Online-Seiten. In der Schweiz sind beispielsweise doktor.ch, medicosearch.ch, meindoktor.ch, docapp.ch oder OKdoc.ch in diesem Bereich aktiv. Dort sollen PatientInnen und Patienten nicht nur einen geeigneten Arzt finden, sondern auch gleich ein Rating abgeben darüber, wie gut sie von diesen behandelt wurden. Wir kennen das bestens von Reisepartalen wie ebooker.com, tripadvisor.com, airbnb.com und ähnlichen Internetseiten. Dort hat sich das Rating-Tool zu einer wahrhaft informativen Quelle gemausert und dient den KundInnen bei der Reiseplanung wirklich, eine passende Unterkunft zu finden. Wird sich dieser Trend nun auch im Gesundheitswesen ausbreiten und werden wir in Zukunft unseren Hausarzt, unser Spital oder unseren Spezialisten online anhand von Patientenratings suchen?

medinside – Das Portal für die Gesundheitsbranche – hat kürzlich über eine amerikanische Studie berichtet, die zeigt, wie sich die Ärzteratings in den USA in den letzten Jahren entwickelt haben und wie gut sie genutzt werden. Natürlich lassen sich die Verhältnisse in Amerika nicht direkt mit der Schweiz vergleichen, die Ergebnisse zeigen aber doch, was in den nächsten Jahren auf unser Land zukommen könnte und ob sich diese Form der Qualitätsbeurteilung durchsetzen wird.

Kurz zusammengefasst kommt medinside zum Schluss, «dass die Ärzte-Vergleichsseiten auch heute noch sehr zufällige, meist bloss vereinzelte Angaben ans Licht bringen – und dass sich dies in den letzten Jahren eigentlich nicht verbessert hat.»

In der amerikanischen Studie wurden 600 zufällig ausgewählte Ärzte gefragt, wie intensiv sie auf den Vergleichsseiten bewertet werden. Bei insgesamt 28 verschiedenen Plattformen zeigte sich:

  • Bei einem Drittel der Ärzte gab es überhaupt keine Ranking-Angaben. Sie waren auf den entsprechenden Websites zwar aufgeführt, aber niemand hatte sie bewertet oder kommentiert.
  • Mehr als die Hälfte der Ärzte hatte höchstens eine Bewertung.
  • Von den anderen Ärzten hatten viele weniger als vier Beurteilungen beziehungsweise Sternchen-Klicks.
  • Am meisten Sternchen und Beurteilungen gab es bei Neurologen, Internisten,  Chirurgen, Psychiatern und Gynäkologen.

Noch scheint sich diese Form des Online-Dialogs zwischen ÄrztIn und PatientIn nicht so schnell durchzusetzen. Aussagen über die Eignung von Ärzten oder deren Behandlungsqualität sind auf der Basis von derart zufälligen Eintragen also sicherlich nicht möglich. Man sollte aber die Entwicklung nicht ganz aus dem Blickwinkel verlieren, denn im Internet werden viele interessante Ansätze zu Beginn oft unterschätzt und entwickeln dann plötzlich eine Eigendynamik, die so nicht absehbar war.

Dieser Beitrag wurde unter Arzt als Beruf, Politik & Gesundheit veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Spamschutz * Frist ist abgelaufen. Bitte laden Sie den Spamschutz erneut.