Welche Studien nicht veröffentlicht werden

Es wäre eigentlich eine wissenschaftliche Ehrenfrage (und in vielen Ländern gesetzlich vorgeschrieben), dass einmal gestartete klinische Versuche veröffentlicht werden – unabhängig vom Resultat, schreibt medinside in einem ihrer kürzlich erschienen Beitrag über klinische Studien, die geheim bleiben.

Nun sorgt aber die Website Trialstracker der Universität Oxford für mehr Transparenz. Die Site informiert darüber, welche klinischen Studien nicht veröffentlicht wurden – und welche nicht. Sie zeigt auch, welche Forschungsinstitute und Universitäten besonders gerne Resultate unter den Tisch wischen.

bildschirmfoto-2016-11-14-um-23-38-48

Wer auf Trailstracker geht, wird gleich in Leuchtfarben auf das was kommt eingestimmt: «Who’s not sharing their trial results?» Niemand gibt gerne zu, dass sich eine Hypothese im Versuch nicht bestätigt hat, aber negative oder Null-Ergebnisse wären oft so informativ wie eine erfolgreiche Studie.

Und doch: Bei rund der Hälfte der klinischen Versuche blieben die Ergebnisse unter Verschluss, auch in Europa, auch in der Schweiz, schreibt medinside weiter. Interessanterweise seien staatliche und universitäre Institutionen dabei sogar nachlässiger: Die Quote der abgeschlossenen, aber nicht publizierten Studien liegt hier bei etwa 60 Prozent. Dies ist umso erstaunlicher, als diese Organisationen – im Gegensatz zur Pharmabranche – sich weniger auf Konkurrenzdruck und betriebliche Geheimhaltungs-Interessen berufen können.

Und hier ein Blick in die Sünderliste von Trailstracker

Auf Rang 1 der Nachlässigkeit in absoluten Zahlen: Sanofi – hier stehen von insgesamt 435 Versuchen bei 285 die Ergebnisse aus, auf Rang zwei Novartis mit 534 Versuchen, davon 201 unveröffentlicht.

Transparent sind andererseits angelsächsische Grosskonzerne wie Bristol-Myers Squibb (4,3 Prozent), Eli Lilly (5,1 Prozent), Johnson & Johnson Pharmaceutical(5,2 Prozent), Allergan (5,4 Prozent) sowie die Roche-Tochter Genentech (5,7 Prozent).

Die Schweizer Universitäten schaffen es gerade mal so ins Mittelfeld:

  • Universität Zürich: 85 angekündigte klinische Versuche, 39 nicht veröffentlicht (45,9 Prozent)
  • Universitätsspital Basel: 64 angekündigte klinische Versuche, 38 nicht veröffentlicht (59,4 Prozent)
  • Inselspital Bern: 54 angekündigte klinische Versuche, 29 nicht veröffentlicht (53,7 Prozent)
  • Hopitaux Universitaires de Genève: 49 angekündigte klinische Versuche, 24 nicht veröffentlicht (49 Prozent

Dieser Blogbeitrag basiert weitgehend auf einem Blogbeitrag von medinside, der lesenswerten Online-Plattform für die Schweizer Gesundheitsbranche.

Dieser Beitrag wurde unter Politik & Gesundheit veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Spamschutz * Frist ist abgelaufen. Bitte laden Sie den Spamschutz erneut.