Was bringt es, wenn Roboter operieren?

„Ausser Spesen nichts gewesen?“ oder gibt es einen echten Nutzen für PatientInnen, wenn der Arzt mit einem Operationsroboter operiert. Eigentlich würde man ja erwarten, dass die Vorteile überwältigend sind, denn seit vor rund 15 Jahren das erste und bis heute einzige Operationssystem namens «Da Vinci» auf den Markt gekommen ist, stehen fast in jedem Spital eines oder mehrere dieser teuren Geräte – und sie werden rege genutzt. «Wir haben eine der grössten Roboterdichten der Welt», lässt sich Tullio Sulser, Direktor der Klinik für Urologie am Unispital Zürich (USZ) im Tages-Anzeiger zitieren.

Rund 2 Millionen kostet ein «Da Vinci» und verursacht circa 200’000 Franken Unterhaltskosten. Wer so viel Geld ausgibt, sollte auch sicher sein, dass der Nutzen in einem guten Verhältnis zu den hohen Kosten steht. Darüber aber sind sich die Ärzte gar nicht so einig, besonders die Urologen nicht, welche den Roboter am häufigsten benutzen.

Jetzt schafft eine Studie aus Australien Klarheit: Ein Ärzteteam um Prof. Robert A. Gardiner von der Universität Queensland hat 308 Krebs-Patienten, bei denen die Prostata vollständig entfernt werden musste, je zur Hälfte mit und ohne Roboter operiert. Ob der Patient mithilfe des Roboters in einem Schlüssellocheingriff oder traditionell in einer offenen Operation behandelt wurde, hat man per Los entschieden. Operiert haben zwei erfahrene Chirurgen.

Das Ergebnis spricht nicht für den Roboter: Patienten, die mit Unterstützung eines Roboters operiert wurden, hatten kaum Vorteile gegenüber den konventionell operiert Patienten. Inkontinenz und Erektionsstörungen waren bei beiden Gruppen drei Monate nach der Operation etwa gleich häufig – und die Zahl der Tage, während der die Patienten krank geschrieben werden mussten, wichen statistisch kaum voneinander ab. Zwar waren die Schmerzen und die körperliche Verfassung kurz nach dem Robotereingriff etwas geringer als bei der Vergleichsgruppe, aber drei Monate später gab es keine Unterschiede mehr.

Nach einer Empfehlung gefragt, wie sich Patienten aufgrund dieser Erkenntnisse verhalten sollten, meinte Professor Gardiner im Interview: „Bevor wir über längerfristige Ergebnisse verfügen, sollten Patienten sich eher für einen Chirurgen entscheiden, mit dem sie gut zurecht kommen als die eine oder andere Operationsmethode zu bevorzugen. (Wörtliches Zitat aus MedicalSearch: Until longer follow-up is published from this trial at 24 months follow-up, patients should choose a surgeon with whom they relate well rather than one or other surgical approach.)“

Detaillierte Informationen über die Studie finden Sie hier.

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