Warum informierte Patienten bessere Patienten sind

Jede zehnte Person in der Schweiz verfüge über eine ausgezeichnete Gesundheitskompetenz; bei etwas mehr als einem Drittel der Bevölkerung sei sie ausreichend, bei rund 45 Prozent aber problematisch und bei 9 Prozent unzureichend, heisst es in einer Studie im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit, des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen sowie der Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz.

Wie übrigens auch in umliegenden Ausland können PatientInnen in der Schweiz also meist nur schlecht beurteilen, welches die Vor- und Nachteile einer Behandlung sind und wann eine Zweitmeinung eines anderen Arztes oder einer anderen Ärztin eingeholt werden sollte. Umgekehrt haben sie aber gemäss Studie «weniger Schwierigkeiten damit, Anweisungen von Ärztinnen und Apothekern zu befolgen oder ihre Anleitungen zur Einnahme von Medikamenten zu verstehen.»

Wenn wir ein Hotel buchen, ein Smartphone oder ein Auto kaufen, dann informieren wir uns meist ausführlich und surfen im Internet nach Vor- und Nachteilen. Wir vergleichen und entscheiden erst dann. Bei unserer Gesundheit informieren wir uns meist schlecht und gehen oft eher unvorbereitet zum Arzt.

Doch nicht alle medizinischen Untersuchungen, die empfohlen werden, sind sinnvoll respektive für alle sinnvoll, meint Daniel H. Schmutz, CEO Helsana in einem kürzlich bei influence.ch veröffentlichten Interview. Die Konsequenzen seien oft unnötige Behandlungen, Verunsicherung und Ineffizienzen im System. Patienten seien die Leidtragenden, wenn wirkungslose, aber unter Umständen schädliche Verfahren empfohlen würden, sagt er im Gespräch. Das sei eine Gefahr für unsere Gesundheit und eine Bürde fürs Gesundheitssystem.

Als klassisches Beispiel dafür erwähnt Schmutz einmal mehr das Brustkrebs-Screening (Screening = systematische Untersuchungen breiter Bevölkerungskreise ohne vorgängige Abklärung auf Beschwerden oder Risikofaktoren): weitherum empfohlen und teilweise staatlich bzw. kantonal gefördert, obwohl mit zweifelhaftem Leistungsausweis. Oder die Situation in der Praxis, bei der der Arzt bei der Diagnose auch gleich die entsprechende Behandlung festlegt. Oft, meint Schmutz, wäre es sinnvoller, wenn die PatientIn den Entscheid für oder gegen eine Behandlung selbst treffen würde; selbstverständlich auf Basis des Ratschlags des Arztes, aber auch in Kenntnis der Faktenlage, der Vor- und Nachteile.

Deshalb hat die Helsana in Zusammenarbeit mit dem renommierten Harding-Zentrum für Risikokompetenz am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin eine entsprechende Initiative lanciert. Sie soll in der Schweiz die Basis zur Förderung der Gesundheitskompetenz breiter Bevölkerungsschichten legen. Damit solle man nicht den Leistungskatalog für medizinische Leistungen oder den Zugang zu medizinischen Innovationen in Frage zu stellen, so Schmutz, sondern sicherstellen, dass wer sich in eine Untersuchung begebe, dies im Wissen bzw. in Kenntnis aller damit zusammenhängenden Begebenheiten tue und nicht einfach unreflektiert therapeutischen Trends folge.

Entscheidend für den Erfolg einer solchen Initiative sei die Einbindung von gleich gesinnten und vertrauenswürdigen Partnern. Aus diesem Grund lasse er sich von Experten beraten: Von Medix, dem Netzwerk innovativer Ärztenetze, der Schweizerische Stiftung SPO Patientenschutz, dem Institut für Hausarztmedizin der Universität Zürich, der Careum-Stiftung und des Instituts für biomedizinische Ethik der Universität Zürich.

Lesen Sie den vollständigen Artikel von von Daniel H. Schmutz, CEO Helsana, hier direkt im immer sehr interessanten Polit-Blog influence von Furrer&Hugi.

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