Vernetzung führt zu mehr Qualität und Effizienz

Vor kurzem hat sich Bruno Letsch, Vorsitzender der Geschäftsleitung des Spitalzentrums Biel, im Newsletter fmc Impulse des Forums Managed Care (fmc) dazu geäussert, wie mit verstärkter Integration von Ärzten, Spitälern und Pflegeorganisationen das Schweizer Gesundheitswesen besser und effizienter werden könnte. Spitäler sind prädestiniert, dabei eine führende Rolle zu spielen, meint Latsch.

Die Schweiz verfüge über ein Gesundheitswesen auf hohem Stand. Die staatlichen Zuständigkeiten seien auf Bund, Kantone und Gemeinden verteilt, die Regulierungs- und Finanzierungssysteme entsprechend widersprüchlich. Das heutige System sei schwer durchschaubar, die Leistungserbringer seien stark fragmentiert, schreibt er.

Wer selbst schon einmal schwer erkrankt war oder über längere Zeit verschiedene Ärzte oder Spitäler aufsuchen musste, weiss aus eigener Erfahrung vom hohen Koordinationsaufwand. Oft führt man sich dann ohnmächtig hin und her geschoben, innerhalb und zwischen Institutionen. Dann wünscht man sich mehr Orientierungshilfe und Leistungen aus einer Hand. Zu viele Prozesse seien aus einer Innensicht der Institutionen definiert statt aus der Sicht der Bedürfnisse der Patienten, schreibt Letsch in seinem Beitrag: Integration statt Fragmentieren.

Umdenken ist gefragt

Gemäss Letsch brauchen wir aber nicht immer mehr vom Gleichen, sondern ein Umdenken. Die Medizin müsse sich konsequent auf die Bedürfnisse der Menschen ausrichten, nach Sicherheit und Qualität, Standardisierung und schlanke Prozesse streben und von den Besten lernen. Gerade in komplexen Systemen reiche es nicht, einzelne Teilsysteme zu optimieren. Es brauche eine Synchronisierung über die ganze Versorgungskette. Das heisst nicht zwingend die Bildung von grossen Konzernen. Die Integration der Versorgungsprozesse, nicht die Rechtsform sei entscheidend. Es soll Platz haben für verschiedene Leistungserbringer, von Hausärzten mit eigener Praxis bis zu integrierten Anbietern. Die Patienten sollen entscheiden. Doch der Trend sei klar, im ambulanten Bereich mit der Bildung von Gruppenpraxen und ambulanten Zentren, im stationären Bereich mit dem Zusammenschluss von Spitälern innerhalb von Kantonen und darüber hinaus.

Vorteile auch auf dem Arbeitsmarkt

Auch die Verbindung von Spitälern mit Ärztezentren, Pflegezentren oder Rehabilitationskliniken gewinne an Dynamik, meint Letsch und fordert integrierte Angebote aus einer Hand für die Patienten statt einem Irrlauf zwischen verschiedenen Institutionen. Hier bestehen gemäss Letsch noch erhebliche Potenziale in Form gemeinsamer Standards für Qualität, Sicherheit und Behandlungsprozesse sowie abgestimmte Leistungsangebote, bedarfsgerechter Übergange statt aufwendigem Schnittstellenmanagement. Gemeinsame Daten und Informationsplattformen, integrierte Prozesse in Logistik, Dienstleistungen und Führung seien Notwendig; Skaleneffekte und Marktstärke müssten in Preisverhandlungen eingesetzt werden. Auf dem Arbeitsmarkt müsste man vermehrt gemeinsam auftreten statt sich in Konkurrenz die BewerberInnen und Bewerber gegenseitig abzujagen. Spitäler könnten sich an Ärztezentren beteiligen und wären mit spezialisierten Diensten in diesen präsent oder Pflege- oder Rehabilitationszentren könnten sich auf dem Campus von Spitälern etablieren…. und vieles mehr. Erst solche Lösungen würden die Aufrechterhaltung einer bedarfsgerechten, dezentralen Gesundheitsversorgung auch in Zukunft ermöglichen.

Voneinander lernen

Die Spitäler könnten in der integrierten Versorgung eine führende Rolle übernehmen, schreibt Letsch. Sie verfügten über die nötigen Erfahrungen und Kompetenzen, müssen aber anpassungsfähiger und beweglicher auf dem Markt werden. Auch können sie von den Stärken vor- und nachgelagerter Institutionen lernen, von ambulanten Zentren, der Spitex, von Pflege- und Rehabilitationszentren. Unsere Branche verfügt über das Potenzial, die Zukunft zu gestalten. Darauf sollten wir vertrauen, nicht auf noch mehr staatliche Regulierung. Aufgabe der Behörden ist es, mit klugen Rahmenbedingungen und konsistenten Finanzierungssystemen den Wandel zu fördern. Dann brauchen wir auch vor einem Markteintritt ausländischer Anbieter oder der Migros, die mit ihrer Tochter Medbase in Zukunft das grösste Netzwerk in der ambulanten Grundversorgung der Schweiz betreibt, keine Angst zu haben. Doch sollten wir die Innovationskraft Dritter sowie den fmc | Zugerstrasse 193 | 6341 Neuägeri/Zug | T 041 544 84 67 | F 041 763 13 35 | info@fmc.ch Willen und die Fähigkeit der Menschen nicht unterschätzen, selber über die Wahl der Leistungsanbieter ihres Vertrauens zu entscheiden.

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