Medikamente in der Schweiz weiterhin zu teuer

Das Preisniveau der 200 umsatzstärksten, patentgeschützten Medikamente war im September 2015 vermutlich währungsbedingt rund 10 Prozent höher als das Preisniveau in den neun Vergleichsländern. Damit liegt das Schweizer Preisniveau bei jenem von Deutschland und Dänemark. Patentabgelaufene Originalpräparate waren rund 11% teurer als im Durchschnitt der Vergleichsländer. Weiterhin hoch ist aber der Unterschied mit 47 Prozent bei den Generika, wie der siebte gemeinsame Auslandpreisvergleich von santésuisse und Interpharma zeigt.

Vor allem Generika extrem teurer

Bei den Generika ist die Preisdifferenz zum Ausland mit 47 Prozent extrem hoch. Sie sind in der Schweiz weiterhin rund doppelt so teuer wie im Durchschnitt der Vergleichsländer. Verena Nold, Direktorin von santésuisse, ist besorgt: «Die massiv überhöhten Generika-Preise bereiten santésuisse am meisten Bauchschmerzen. Wir erwarten, dass für patentabgelaufene Medikamente ein griffiges Preissystem eingeführt wird. Es kann nicht sein, dass auf Kosten der Prämienzahler derart hohe Preise verlangt werden.»

Der Auslandpreisvergleich von Medikamenten wurde vom Krankenversicherungsverband santésuisse und vom Branchenverband der forschenden Pharmaindustrie, Interpharma, bereits zum siebten Mal gemeinsam durchgeführt. Er vergleicht die Fabrikabgabepreise in der Schweiz mit denjenigen in Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Grossbritannien, den Niederlanden, Österreich und Schweden für patentgeschützte und patentabgelaufene Medikamente sowie Generika. Handelsmargen,länderspezifische Rabattsysteme und Marktbesonderheiten werden dabei nicht berücksichtigt.

Den vollen Text der Medienmitteilung zur Studie können Sie hier als PDF herunterladen.

Studie des Preisüberwachers bestätigt Ergebnisse für Generika

Generika-Preise in der Schweiz sind deutlich überhöht – das ist auch das Fazit des Auslandpreisvergleichs des Preisüberwachers vom letzten Oktober. In 15 europäischen Ländern kosten Generika im Durchschnitt nur 41% des Schweizer Preises.

Für den Vergleich wurden die Schweizer Publikumspreise von 20 umsatzstarken Wirkstoffen einer international tätigen Generikafirma den Preisen in 15 Vergleichsländern gegenübergestellt. Das Ergebnis: Die Preise des ausgewählten Herstellers sind in der Schweiz mit Abstand am höchsten. In den Niederlanden beispielweise entsprechen die Preise im Durchschnitt weniger als einem Zehntel der Schweizer Preise. Im teuersten Vergleichsland, Norwegen, sind sie durchschnittlich ein Drittel günstiger.

Den Grund für diese Diskrepanz sieht der Preisüberwacher in dem heutigen Preisfestsetzungssystem. Ein weiteres Problem sei der niedrige Marktanteil der Generika in der Schweiz. Hier führt der Preisüberwacher die Grundversicherung an, die die Kosten für kassenpflichtige Generika sowie Originalmedikamente übernimmt – im Falle der Originalpräparate manchmal mit einem höheren Selbstbehalt. Dadurch hätten Patienten einen geringeren Anreiz, Preise zu vergleichen und sich für die günstigeren Medikamente zu entscheiden.

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