Kräftiges Marketing für zehnmal teurere Medikamente

Im Infosperber – dem Online-Magazin, das «sieht was andere übersehen» – ist kürzlich ein Artikel erschienen, der zeigt, wie Pharmaunternehmen neue, aber massiv teurere Medikamente pushen, obwohl diese signifikante Risiken aufweisen und deren Vorteile umstritten sind.

Der Erfolg des intensiven Marketings hat sich offenbar bereits bezahlt gemacht: In der Schweiz erhalten gemäss einer Statstik der Helsana bereits mehr als die Hälfte aller PatientInnen die neuen, zehnmal teureren Blutverdünnter, schreibt Infosperber. Seit 2013 hat sich deren Einsatz (in den Monaten Januar bis März) bis 2015 verdoppelt und die Kosten der Krankenkassen für die neuen Arzneien sind im gleichen Zeitraum von 7.7 Mio CHF auf 21.2 Mio CHF gestiegen (+275%). Diese Zahlen basieren auf einer vorsichtigen Hochrechnung der Helsana für die ganze Schweiz, basierend auf eigenen Zahlen.

Das Bundesamt für Gesundheit habe die massiv teureren Preise der neuen Arzneien bewilligt, weil es bei diesen keine regelmässigen Kontrollen mehr brauche. Die Hersteller verschweigen bei ihren intensiven Werbeanstrengungen aber, dass es zum Beispiel bei schweren Blutungen kein wirksames Gegenmittel gibt. Daher warnt zum Beispiel das deutsche «Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte» vor einem «signifikanten Risiko schwerer Blutungsereignisse». Ausserdem sind bei den seit den 50er-Jahren bekannten Marcoumar und Sintrom die Langzeitrisiken bekannt und gering. Über diese Risiken weiss man bei den neuen Produkten noch wenig. Für PatientInnen, die mit den traditionellen Wirkstoffen gute Erfahrungen machen, gibt es also keine Grund, auf andere Produkte umzustellen.

mediX hat zu den neuen Blutverdünnern eine klare Haltung: In den mediX-Guidelines Neue/direkte Koagulation  sollen Patientinnen, die mit Marcoumar oder Sintrom während längerer Zeit eine gut eingestellte Antikoagulation (Blutverdünnung) erzielen, nicht auf die neuen Arzneien umstellen. Eine langfristige Abgabe der neuen, deutlich teureren Produkte empfiehlt mediX vor allem bei nicht-valvulärem Vorhofflimmern (Herzflimmern, das nicht von einer Herzklappe ausgeht) oder im Fall von Thrombosen trotz Einnahme von Marcoumar.

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