Ist die Medizin ein krankes System?

NZZ-Inlandredaktor Simon Hehli zweifelt in seinem Meinungs-Artikel über das Schweizer Gesundheitssystem keinen Moment daran, dass dieses krank ist. Aus seiner Sicht braucht es zwei kostendämpfende Massnahmen, damit «die Gesundheitspolitiker endlich aus dem Tiefschlaf erwachen» schreibt er.

Die eine Massnahme ist eine Verlagerung vieler kleinerer operativer Eingriffe, wie z.B. eine Meniskusoperation vom Spital in den ambulanten Bereich. Dies steigere nicht nur das Wohlbefinden des Patienten – da er dann im eigenen Bett bei seiner Familie verbringen könne-, sondern entlaste auch die Gesundheitskosten. Ein solcher Eingriff koste nämlich im Spital allgemeine Abteilung 3’700 Franken, ambulant aber nur 2’400 Franken. Bloss: gemäss dem heutigen System der Kostenverteilung führt diese Verlagerung absurderweise zu steigenden Prämien für die PatientInnen, da heute die Kantone aus Steuergeldern 55 Prozent der Spitalkosten mitträgt, nicht aber die Krankenkassenprämien. Dies ist auch der Grund, weshalb die Kantone möglichst viele Behandlungen in den ambulanten Bereich verlagern möchten. Aus Sicht der Krankenkassen und der PrämienzahlerInnen ist das jedoch ein Versuch, sich auf deren Kosten zu entlasten, die knappen Mittel anders einsetzen zu können, ohne Steuern zu senken.

Bundesrat, Krankenkassen, die Verbände von Ärzten und Spitälern seien sich alle im Grundsatz einig, dassdie Finanzierung ambulant und stationär einheitlich erfolgen soll,umd ie heute bestehenden Fehlanreize auszumerzen, schreibt Hehli. Die Chancen stünden also nicht schlecht, dass die Reform, die seit mehr als zehn Jahren auf der politischen Agenda steht, endlich Realität wird. Die Gesundheitskommission des Nationalrats wolle noch in diesem Jahrkonkrete Vorschläge präsentieren.

Die zweite nötige Reform sieht Hehli in der Einführung einer «obligatorischen Pflegeversicherung, dank der jede Bürgerin und jeder Bürger individuell für das hohe Alter vorsorgt.»  Es sei an der Zeit, dass die Gesundheitspolitiker wieder mehr Gestaltungswillen an den Tag legten und die beiden Grossreformen der einheitlichen Finanzierung und der Pflegeversicherung angehen. Das bedeutete viel Arbeit – doch die Chance, die Finanzierung des Gesundheitswesens auf gesündere Beine zu stellen, sei einen Effort wert.

Lesen Sie den vollständigen Beitrag von Simon Hehli hier als PDF-Download.

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Ein Kommentar zu Ist die Medizin ein krankes System?

  1. Danke Herr Mäder, dass Sie nicht nur mit nackten Zahlen operieren, sondern die Hintergründe ausleuchten.

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