Damit Gesundheit zahlbar bleibt

Die Ziele des Schweizer Gesundheitswesens sind klar definiert:

  • die soziale Krankenversicherung soll der gesamten Bevölkerung Zugang zu einer qualitativ hochstehenden Gesundheitsversorgung sichern (Versorgungsziel).
  • Personen in bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen sollen finanziell entlastet werden und die Solidarität zwischen Gesunden und Kranken, alten und jungen Personen sowie Frauen und Männer soll gewährleistet sein (Solidaritätsziel)
  • die Entwicklung der Gesundheits- bzw. Krankenversicherungskosten sollen eingedämmt werden (Kostendämpfungsziel).
  • Die Medizin, die in das Gesundheitswesen eingebunden ist, hat die Aufgabe, auf individueller wie auf Bevölkerungsebene Krankheiten vorzubeugen, Kranke zu heilen und Leiden zu lindern.

So steht es im Bericht einer Expertinnengruppe von SAMW, FMH und der fünf Medizinischen Fakultäten «Ziele und Aufgaben der Medizin zu Beginn des 21. Jahrhunderts» im Rahmen des Projekts «Zukunft Medizin Schweiz».

Zielkonflikte sind wahrscheinlich

Diese Ziele stehen teilweise in Widerspruch zueinander und keines kann ohne Rücksicht auf seine finanziellen Konsequenzen vollständig umgesetzt werden. Denn die finanziellen Mittel, die einer Gesellschaft zur Erfüllung gesellschaftlich erwünschter Aufgaben zur Verfügung stehen, sind nicht unendlich. Die Mittel, die für eine bestimmte Aufgabe verwendet werden, stehen nicht für andere ebenfalls erwünschte Aufgaben zur Verfügung. Im Rahmen der Ökonomisieren der Medizin stellen sich vermehrt Kosten-/Nutzen- oder das Kosten-/Wirksamkeitsüberlegungen bei der Beurteilung von ärztlichen Massnahmen. Mit solchen Argumenten hat auch das Bundesgericht beispielsweise die Ablehnung einer extrem teuren Behandlung einer PatientIn begründet. Der Entscheid löste intensive Diskussionen aus, denn er zeigte die enge Verbindung auf zwischen Medizin und Ökonomie. Wenn nämlich ÄrztInnen zwischen Wirtschaftlichkeit und Nutzen einer teuren Behandlung entscheiden müssen, stellen sich dabei schwerwiegende – auch ethische – Fragen.

Wirtschaftlichkeit hilft und ist manchmal kontraproduktiv

Zwar trägt die Ökonomie auf den ersten Blick dazu bei, die politisch gesetzten Ziele im Gesundheitswesen in effizienter Weise zu erreichen. Im Schweizer Kontext, in dem es nicht primär um eine Senkung der Ausgaben, sondern um einen sinnvollen Ressourceneinsatz geht, bedeutet dies, durch eine Verbesserung der Versorgungsqualität – mehr Patientenorientierung, bessere Koordination der Abläufe, Integration der Versorgung über den Behandlungspfad hinweg usw. – oder durch das Vermeiden unnötiger Ausgaben eine Kostendämpfung zu erreichen. Dennoch kann es in der Umsetzung dazu kommen, dass sich Mechanismen der Effizienzsteigerung wie Globalbudgets, Wettbewerb und Anreize negativ auf die Patientenversorgung und den klinischen Alltag auswirken.

Spannungsfeld im ärztlichen Alltag

Ärzte und Pflegende handeln in ihrem Alltag vermehrt im Spannungsfeld ökonomischer Interessen und dem Patientenwohls und geraten dabei in vielen Fällen in einen Interessenkonflikt. Solange es bei ökonomischen Interessen um privaten oder rein betriebswirtschaftlich motivierten Gewinn geht, ist klar, dass das Patientenwohl das primäre Interesse sein sollte. Schwieriger wird es, wenn die ökonomischen Interessen Ausdruck eines sorgsamen Umgangs mit knappen Ressourcen sind.

Positionspapier der SAMW

Unter dem Titel «Ökonomie und Medizin – wie weiter» und zum Umgang mit den aus der zunehmend Ökonomisierung im ärztlichen Alltag möglichen Konflikten hat die Schweizerische Akademie der medizinischen Wissenschaften (SAMW) kürzlich ein lesenswertes Positionspapier veröffentlicht. Das Papier können Sie hier als PDF downloaden.

Das Papier präsentiert denkbare Lösungsansätze, wie in der Schweiz eine kostengünstige Medizin mit hoher medizinischer Behandlungsqualität verbunden werden kann,

Lesen Sie zu diesem Thema auch die Blogbeiträge Was ist eigentlich mediX, Dürfen ÄrztInnen Fehler machen und Wenn Medikamente krank machen.

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2 Kommentare zu Damit Gesundheit zahlbar bleibt

  1. Daniel sagt:

    Interessant zu wissen! Ein Artikel, der aufklärt und die Dinge auf den Punkt bringt. Ich werde mir die weiteren Artikel ebenso durchlesen und diese Seite Bookmarken um weiter auf dem laufenden zu bleiben.

  2. Andreas sagt:

    Interessant zu wissen! Ein Artikel, der aufklärt und die Dinge auf den Punkt bringt. Ich werde mir die weiteren Artikel ebenso durchlesen und diese Seite Bookmarken um weiter auf dem laufenden zu bleiben.

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