Braucht das Schweizer Gesundheitswesen mehr Wettbewerb.

Unter dem Titel „Genesung durch Wettbewerb – Vorschläge zur Stärkung des schweizerischen Gesundheitssystems“ ist kürzlich ein Buch der beiden früheren Ökonomie-Professoren Bernd Schips und Silvio Borner erschienen, das dieser Frage nachgeht. Sie legen in ihrem Werk Geschichte, Stand und Zukunft des Krankenversicherungsgesetzes dar und unterbreiten Therapievorschläge für das Gesundheitssystem Schweiz: Wie könnte ein realistisches Reformkonzept für das schweizerische Gesundheitssystem aussehen? Eine Gesundung des schweizerischen Gesundheitssektors sei nur mit einer Stärkung des Wettbewerbs und unter Berücksichtigung der vielfältigen Beziehungen zwischen den einzelnen Akteuren zu erreichen, lautet ihr Fazit.

Das Buch wurde kürzlich in der NZZ unter dem sehr reisserischen Titel „8000 Franken Prämie für Ältere“ vorgestellt und kritisch beleuchtet. Die Gesamtkosten des Schweizer Gesundheitssystems beliefen sich bereits auf etwa 80 Mrd. Fr. pro Jahr oder rund 10’000 Fr. pro Einwohner. Gemessen an der Wirtschaftsleistung gehörten die Gesundheitsausgaben der Schweiz zu den höchsten der Welt, und die Kosten stiegen prozentual überdurchschnittlich, heisst es im erwähnten NZZ-Beitrag.

Schips und Borner fordern nun ausgehend vom bestehenden Versicherungsobligatorium und dem Zwang für Krankenkassen zur Aufnahme interessierter Kunden in der Grundversicherung deutlich mehr Markt. Dazu gehören gemäss den Autoren zwei wichtige Forderungen zur Vermeidung von Fehlanreizen:

  • Die Abschaffung der Vertragsfreiheit für Krankenkassen gegenüber Ärzten und Spitälern, Heute müssen Krankenkassen Leistungen aller ÄrztInnen mit anerkanntem Diplom und aller Spitäler auf den kantonalen Listen über die Grundversicherung abrechnen. Sie verfügen über keine Möglichkeiten, Medizinern oder Institutionen die Zusammenarbeit zu verweigern, auch wenn diese den qualitativen Anforderungen nicht entsprechen.
  • Die Forderung, für ambulante und stationäre Leistungen in Spitälern die gleichen Finanzierungsgrundlagen anzuwenden. Heute werden Spitalaufenthalte mit Übernachtungen vom Kanton zu mindestens 50 Prozent subventioniert, ambulante Leistungen müssen von den Krankenkassen – und damit vom Prämienzahler – vollständig übernommen werden. Das setzt aber falsche Anreize bei der Wahl der Behandlung, die in vielen Fällen ambulant günstiger wäre.

Beide für die Kostensenkung und die Beseitigung von Fehlanreizen Wichten und berechtigten Ansätze sind jedoch nicht neu und werden in der Schweiz schon auf verschiedensten Ebenen intensiv diskutiert. Deren Umsetzungen scheitert aber meist an den stark unterschiedlichen Positionen der Vielzahl an Betroffenen, am sehr komplexen Finanzierungsmodell des Schweizer Gesundheitswesens und an den unterschiedlichen Interessenlagen der Kantone.

Eine weitere zentrale Forderung der Autoren, die letztlich auch zu dem sehr reisserischen Titel des NZZ-Artikels geführt hat, ist die Anpassung der Prämien an die verursachten Kosten bei älteren Menschen. Dies könnte – je nach Art der Umsetzung – tatsächlich zu den erwähnten Jahresprämien von CHF 8’000 für die Grundversicherung von über 61-jährigen führen und die Prämien jüngerer Versicherten halbieren.

Mit dieser Forderung dürfte – wie die NZZ selber schreibt „auf der Politikbühne kein Blumentopf zu holen sein. Gäbe es zum Beispiel eine neue Prämienklasse «ab Alter 61», müsste diese Gruppe laut grober Schätzung in einem Grundmodell wohl durchschnittlich etwa 8000 Franken Prämien pro Jahr zahlen (statt wie derzeit rund 5000 Franken), um die Nettoleistungen der Krankenkasse in dieser Altersgruppe zu decken. Im Gegenzug würde sich die Prämienlast der 26- bis 60-Jährigen etwa halbieren, auf 2000 bis 2500 Franken. Doch im Parlament und an der Urne wiegen die Älteren viel schwerer als die Jüngeren. Etwa ein Drittel aller Urnengänger sind 65-jährig oder älter, und über drei Fünftel sind mehr als 50 Jahre alt. Das sagt schon fast alles.“

Das Buch „Genesung durch Wettbewerb – Vorschläge zur Stärkung des schweizerischen Gesundheitssystems“ ist kürzlich ein Buch der beiden früheren Ökonomie-Professoren Bernd Schips und Silvio Borner können Sie hier direkt beim NZZ libro-Verlag für CHF 32 bestellen.

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