Ambulant oder stationär – gibt es einen dritten Weg?

Die Diskussionen über die Frage, ob eine ambulante oder stationäre Behandlung der richtige Weg sei und wie diese zu finanzieren sei, damit die richtigen Anreize geschaffen werden schlagen hohe Wellen in der Schweiz. Grundsätzlich ist in vielen Fällen die ambulante Behandlung kostengünstiger; weil aber stationäre Eingriffe in Spitälern von der öffentlichen Hand mitfinanziert werden, sind die Einsparungen durch mehr ambulante Behandlungen für Versicherungen und die Versicherten nicht deutlich genug spürbar. Um die richtigen Anreize zu schaffen, müssen hier sicherlich neue Finanzierungsmodelle entwickelt werden.

Ob der Diskussionen über die Vor- und Nachteile der beiden Systeme in der Schweiz ist aber erstaunlicherweise nur wenig bekannt, dass in anderen Ländern auch ein dritter Weg zur Diskussion steht, wie kürzlich bei medinside, dem Online-Portal für die Gesundheitsbranche, nachzulesen war: «In der Diskussion um die Verschiebung zwischen stationär und ambulant geht in der Schweiz eine Idee ganz vergessen: Hospital-at-Home. Kurz zusammengefasst geht es bei diesem Konzept darum, Patienten zu ermutigen, sich zu Hause für die stationäre Behandlung zu entscheiden. Ein Modell, das weit über die herkömmliche Spitex-Versorgung hinausgeht.»

Erfahrungen in Australien, Grossbritannien, Kanada und den USA zeigen, dass Menschen mit akuten Erkrankungen in einem solchen Modell gut zuhause gepflegt und behandelt werden können. medinside schreibt: «So konnte das Spitalpersonal eine ältere Patientin mit akuter Lungenentzündung wirksam zu Hause behandeln, wie ein Beispiel der grossen Spitalgruppe Brigham Health aus den USA zeigt. Dabei kamen zweimal pro Tag Ärzte und Pflegende zu Hause vorbei und führten die notwendigen Tests durch oder untersuchten das Blut. Ein kabelloser Sensor in Form eines Pflasters überwachte die Vitalparameter und sendete relevante Daten direkt ins Spital. Per Video-Chat war es der 71-jährigen Frau jederzeit möglich, einen Arzt oder eine Pflegefachperson zu kontaktieren.»

Es habe sich gezeigt, dass diese Art von Pflege und Behandlung nicht nur zu signifikant tieferen Kosten führe – die Einsparungen betrugen rund 50 Prozent gegenüber im Spital stationär behandelten PatientInnen – sondern dieses Modell entspreche auch dem, was sich viele PatientInnen wünschen. Ausserdem sinke die Wiederaufnahmerate, die Aufenthaltsdauer im Spital sei kürzer und die Methode könne auch die spitalbedingten Infektionen senken.

Wenn Sie mehr wissen möchten über diesen „dritten Weg“, können Sie hier die wichtigsten Erkenntnisse der Studie „Hospital-Level Care at Home for Acutely Ill Adults: a Pilot Randomized Controlled Trial“ in englischer Sprache nachlesen.

Warum dieses Modell in der Schweiz kaum bekannt ist und weshalb es auch keine Versuche dazu gibt, lesen Sie im medinside-Beitrag „Ambulant vor stationär: Der dritte Weg“ online nach. Kurz zusammengefasst haben es offenbar die Spitäler verpasst, eine direkte Verbindung mit der Spitex aufzubauen, fehle eine direkte Verbindung zu den PatientInnen zuhause, seien Spitäler mehr von ihrer Tradition als von den Wünschen ihrer PatientInnen geprägt und für die Spitalmitarbeitenden seien Hausbesuche unattraktiv oder ungewohnt. Darüberhinaus fehle es der Schweizer Bevölkerung an Selbstkompetenz in Bezug auf die eigene Gesundheit. Die Digitalisierung der Medizin werde aber „Hospital-at-Home“ in Zukunft vermehrt zum Durchbruch verhelfen.

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Ein Kommentar zu Ambulant oder stationär – gibt es einen dritten Weg?

  1. Nyffenegger AnnaRosa sagt:

    interessanter Artikel , der“ dritte Weg“ , Hospital at home.
    Das würde ich sofort unterstützen , falls die Bevölkerung dazu abstimmen könnte.
    Als Erfahrene in Heim – und Spitexpflege kann es aber für Angehörige zu einer unerträglichen Situation führen, wenn die Patienten unruhig sind, ständige Präsenz der Angehörigen fordern, ständig etwas erledigt haben wollen, ihre eigene Situation nicht einschätzen und akzeptierenn können. Alles erlebt im APH Burgdorf , in 24 Stunden -Pflege ( Spitex) in Zürich, , als Sitzwache im LimmattalSpital Schlieren. Angegörige sind manchmal direkt froh, wenn ihre Pflegebedürftigen mal einen Spitalaufenthalt „brauchen“. Das ergibt ihnen eine Erholungsphase.

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