Wenn man im Alter immer schlechter sieht

Sehbeeinträchtigung im Alter bewältigen lernen

Wie wichtig gutes Sehen ist, merkt man oft erst, wenn es mit den Augen nicht mehr so gut klappt. Von der ersten Brille bis zur Sehschwäche im Alter ist ein langer Weg. Lassen sich Probleme mit den Augen in jüngeren Jahren mit einer modischen Brille oder mit Kontaktlinsen meist nicht nur äusserlich gut kaschieren sondern auch auch die Fehlsichtigkeit beheben, so wirken sich wachsende Augenprobleme im Alter direkt auf die Lebensqualität der Betroffenen aus. Der Schweizerische Zentralverein für das Blindenwesen – auch SZBLIND genannt – ist dieser Frage in der Studie COVIAGE nachgegangen und hat Empfehlungen ausgearbeitet.

Herausforderung Sehbehinderung im Alter

Sich im Alter einer wachsenden Sehbehinderung stellen zu müssen, fällt den meisten Betroffenen schwer und sie versuchen ihre Sehprobleme zu verdrängen. Und verpassen so die Chance, unabhängig zu bleiben. Viele meinen, es lohne sich doch in in ihrem Alter nicht mehr, etwas zu unternehmen. Häufig stehen auch Ängste im Vordergrund: die Angst, dass sich die Sehbehinderung weiter verschlechtert, oder die Angst, von seinem sozialen Umfeld abhängig zu sein und seine Autonomie zu verlieren.

Studie zur Bewältigung von Sehbehinderung im Alter

Die schweizweite COVIAGE-Studie (Coping with Visual Impairment in Old Ageging) geht der Frage nach, wie die Betroffenen ihre Sehbehinderung im Alter bewältigen. Gemeinsam mit Experten der Universität Zürich, der Fachhochschule der Westschweiz HES-SO Lausanne und auf der Basis von Interviews mit 1299 befragten Personen erarbeitete der SZBLIND das COVIAGE-Modell.

Schwierigkeiten im Alltag mindern die Lebensqualität

Die befragten Personen gaben zum Beispiel an, dass sie alltägliche Aktivitäten wegen ihrer Sehprobleme als mühsam empfinden oder sogar aufgeben: Texte lesen, Auto fahren, von Hand schreiben, Theaterbesuche oder andere geschätzte Tätigkeiten. Die Schwierigkeiten im Alltag schränken sie ein und mindern ihre Lebensqualität. Rund ein Drittel der Befragten fühlt sich durch die Sehbehinderung und die täglichen Gedanken daran psychisch belastet. Weitere Teilnehmer der Befragung leiden unter der Angst, dass ihre Sehfähigkeit zusehends schlechter und damit ihre Abhängigkeit von anderen Personen immer grösser wird.

Wie begegnen die Betroffenen den Herausforderungen, die ihre Sehbeeinträchtigung mit sich bringt? Die Hilfe ihres persönlichen Umfeldes sei wichtig, erklärten die meisten. Sie nehmen Unterstützung durch ihre Partner, Kinder, Freunde und Verwandte oder Bekannte an. Als ebenso bedeutend erachten sie das eigene Problemlöseverhalten und damit die Bereitschaft, Schwierigkeiten aktiv anzugehen. Ausserdem gaben die befragten Personen an, dass sie spezielle Hilfsmittel wie etwa Leselupen benutzen sowie externe Unterstützung in Anspruch nehmen.

Die Studie stellte fest, dass es entscheidend ist, wie die betagte sehbehinderte Person Belastungen ausgleichen und Ressourcen einsetzen kann, um die Lebensqualität trotz Sehbehinderung zu erhalten. Die Beratung von älteren sehbehinderten Menschen durch Fachpersonen der Augenmedizin und Rehabilitation soll deshalb darauf fokussieren, wie die Betroffenen neue Ressourcen aufbauen können.

Was soll eine betroffene Person tun

Primär gilt: bei Anzeichen von Sehproblemen einen Augenarzt aufzusuchen. Betroffene sollen ausserdem das breite Beratungsangebot nutzen, um Möglichkeiten und persönliche Fragen rund um die Sehbeeinträchtigung zu klären. So lernen die sehbehinderten Personen gleichzeitig die spezifischen Hilfsmittel kennen, die ihnen den Alltag erleichtern können. Unerlässlich ist es auch, das eigene soziale Umfeld früh miteinzubeziehen. Man kann mit einer Sehbeeinträchtigung leben lernen, anstatt sie zu verdrängen. Betroffene können nämlich gemäss der Studie die Lebensqualität positiv beeinflussen, wenn sie die Herausforderung annehmen und nach vorwärtsblicken. Wer aktiv nach Bewältigungsstrategien sucht, um mit seinen Sehproblemen umzugehen, wird eher eigene Wege finden und eine positive Einstellung bewahren können.

Angehörige und Fachpersonen sollen gemäss der Studie im Umgang mit den sehbehinderten Personen den Fokus auf die Selbständigkeit legen. Diese sollen Motivation, funktionale und emotionale Unterstützung erhalten, damit sie ihren Alltag so selbständig wie möglich bewältigen können.

Mehr über Sehbehinderungen im Alter und wie man damit umgehen kann finden Sie auf der Website (www.szb.ch). Das Fachheft zu Sehbehinderung im Alter können Sie sich hier als PDF herunterladen.

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