Gesundheit nach Mass – möchten Sie das?

Gesundheit nach Mass, oft auch personalisierte Gesundheit genannt, wird heute immer häufiger als Medizin der Zukunft bezeichnet. Natürlich hätte jeder gerne immer genau die Behandlung, die für ihn und seinen Köper gerade die richtige ist. Aber zu welchem Preis? Personalisierte Gesundheit hat nämlich auch eine Reihe von Folge- und Nebenwirkungen, über die man sich heute noch gar nicht richtig bewusst ist.

Die Akademien der Wissenschaften Schweiz (SAMW) möchten daher im Rahmen eines öffentlichen Dialogs von der Schweizer Bevölkerung wissen, was sie von diesem Wandel hält und was sie sich von der personalisierten Gesundheit verspricht – und vor allem auch, was sie heute bereits darüber weiss. Weil ein so komplexes Thema nicht mit einem einfachen Fragebogen erforscht werden kann, soll in den kommenden Monaten ein intensiver Dialog mit der Bevölkerung entstehen.

Was ist personalisierte Gesundheit?

Die sogenannten «Life Sciences» entwickeln sich rasant. Immer schneller werden immer grössere Datenmengen produziert: Daten zu unseren Genen, unserem Gesundheitsverhalten, unseren Krankheiten. Diese Daten stehen bei der personalisierten Gesundheit im Vordergrund. Mit Hilfe der Informationstechnologien werden sie analysiert und interpretiert. Das Ziel ist es, mit Hilfe dieser Daten Therapien anbieten zu können, die auf jeden Patienten oder ganz bestimmte Patientengruppen zugschnitten sind.

Durch Genanalysen können auch Hinweise auf die genetische Veranlagung für bestimmte Krankheiten gefunden werden. Deshalb erhofft man sich von personalisierter Gesundheit auch Fortschritte in der Prävention. Personalisierte Gesundheit geht also über die personalisierte Medizin hinaus.

Personalisierte Gesundheit ist nicht nur Zukunftsmusik, sie wird bereits heute angewendet – zum Beispiel bei Krebserkrankungen. Bei diesen wird oft untersucht, welche Genvarianten vorliegen, und je nach Befund wird eine unterschiedliche Therapie angewendet.

Viele Fragen sind aber noch offen und müssen geklärt werden: Welche Daten braucht es für die Forschung? Wer stellt sie zur Verfügung? Wer bewahrt sie auf und wer darf sie nutzen? Wer sorgt  dafür, dass diese Daten nicht missbraucht oder gehackt werden? Welche grundsätzlichen gesellschaftlichen Veränderungen kommen auf uns zu?

SAMW sucht den Dialog

Die Schweizerische Akademie der medizinischen Wissenschaften sucht daher den Dialog mit der Bevölkerung. In ihrer Medienmitteilung schreibt zu diesem Projekt: «Daten im Patientendossier, aus Gentests, in Gesundheits-Apps, bei der Krankenversicherung – gesundheitsbezogene Daten werden gesammelt, analysiert und interpretiert. Sie ermöglichen die Erkennung von Krankheitsrisiken, individuell zugeschnittene Therapien und somit die Entwicklung entsprechender Gesundheitsstrategien. Wie verändert sich dadurch die Medizin? Welche Behandlungen können und wollen wir uns leisten? Wer hat Zugriff auf Gesundheitsdaten und wozu? Es ist eine Aufgabe der Gesellschaft, über solche Fragen nachzudenken, um Entwicklungen mitzugestalten.

Hier setzen die Akademien der Wissenschaften Schweiz an: Mit dem Dialogprojekt «Mensch nach Mass – personalisierte Gesundheit» wird die Bevölkerung zum Mitdenken und Mitreden eingeladen. Auf der neuen Website Menschnachmass erhalten alle, die mehr wissen wollen, wissenschaftlich fundierte, verständliche Informationen und so die Grundlagen für eine fundierte Diskussion.

Dialog mit der Gesellschaft

Immer häufiger berichten Medien über Themen der personalisierten Gesundheit. Wie viel die Bevölkerung dazu weiss, was ihre Hoffnungen oder Bedenken sind, ist unklar. Das Projekt «Mensch nach Mass» will herausfinden, was die Menschen denken, Fragen klären und Erkenntnisse zurück in die Wissenschaft spielen. Ausgangspunkt ist die Website menschnachmass.ch mit einem kurzen Videoclip und Online-Fragen, die ohne Vorwissen beantwortet werden können. 2018/19 finden acht öffentliche Veranstaltungen in der Deutschschweiz und der Romandie statt, an denen die Bevölkerung mit Fachpersonen auf Augenhöhe diskutieren kann.

Für alle, die mehr wissen wollen

Vertiefende Informationen zu personalisierter Gesundheit gibt es auf dem Themenportal Naturwissenschaften. Dort lesen Sie mehr über Methoden und Anwendungen, Stand der Forschung, gesetzlichen Rahmen sowie wirtschaftliche Auswirkungen. Zielgruppe sind interessierte Personen aus der breiten Bevölkerung, die mehr über personalisierte Gesundheit erfahren möchten.

Wer steht hinter dem Projekt?

Personalisierte Gesundheit ist ein strategisches Thema der Akademien der Wissenschaften Schweiz. «Mensch nach Mass» wird durch die Stiftung Science et Cité, durch das Forum Genforschung der SCNAT und unter Verantwortung der SAMW durchgeführt.

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