Der Hype um Gluten-Allergie

Rund 0.5 bis maximal 1 Prozent der Bevölkerung leiden an Zöliakie; sie vertragen kein Gluten in ihrem Essen. Für sie gilt eine strenge Diät mit glutunfreien Lebensmitteln – und das macht auch Sinn. Glutenfreie Ernährung ist jedoch in den letzten Jahren zum Modetrend geworden, ganz als ob Gluten auch schädlich seien für Menschen, die darauf gar nicht allergisch sind, wie «Brand eins» in seinem sehr lesenswerten Beitrag «Lukrativer Irrglaube» kürzlich dargestellt hat.

Laut Umfragen versucht in den USA bereits jeder Dritte, Gluten zu meiden; in Deutschland ist gemäss dem Marktforschungsinstitut Nielsen im Jahr 2015 der Umsatz mit glutunfreien Produkten um 32 Prozent gestiegen und sichert ein Geschäft von mehr als 130 Euro. In der Schweiz dürften die Verhältnisse nicht anders sein. Wer sich heute in einem trendeigen Lokal zum gemütlichen Mal niederlässt kann fast sicher sein, dass mindestens eine Person – ganz abgesehen von anderen Allergien – auf Gluten verzichten will.

Nun könnte man ja sagen: Nützt es nicht, so schadet es nicht. In einer globalen Welt mit einem globalen Lebensmittelhandel hat aber der rasch wachsende Hang zur glutunfreien Kost in den wohlhabenden Hemisphären fatale Auswirkungen auf die Lebensmittelmärkte in vielen armen Ländern. Dies zeigt der Artikel aus dem Tages-Anzeiger «Die Schattenseiten des Quinoa-Boom» drastisch.

Dort heisst es: «Die weltweit wachsende Nachfrage nach Quinoa hat die Preise für das «Supergetreide» aus den Anden in die Höhe getrieben und den Lebensstandard bolivianischer Bauern verbessert. Doch der Boom hat auch eine Kehrseite: Immer mehr Bauern wenden sich nach Angaben von Agrarwissenschaftlern von traditionellen Anbaumethoden ab und gefährden damit das empfindliche Ökosystem des kargen Hochlands.» Quinoa sei reich an Proteinen und Aminosäuren und gleichzeitig frei von Gluten, heisst es weiter. Durch die steigende Nachfrage aus reichen Ländern seien die Preise in den letzten 5 Jahren um das dreifache gestiegen und die lokale Bevölkerung könne sich ihr sein traditionsreiches, seit bald 3000 Jahren angebaute Grundnahrungsmittel kaum mehr leisten.

Während wir also in den wohlhabenden Gegenden der Welt aus Angst vor einer angeblichen Gefährdung und einem Modetrend folgend in wachsendem Ausmass glutunfreies Quinoa importieren, wird die lokale Bevölkerung wegen der explodierenden Preise zunehmend von ihrer traditionellen Ernährungsbasis ausgeschlossen. Der Trend zur Monokultur fördert ausserdem die Auslegung der lokalen Böden und verhindert den Anbau anderer Produkte für die lokalen Märkte. Wer also nicht wirklich gluten-allergisch ist, sollte eigentlich essen, was bei uns auf den Tisch kommt.

Dieser Beitrag wurde unter Krankheiten erkennen, Was tun bei ......? veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Ein Kommentar zu Der Hype um Gluten-Allergie

  1. Marco Welter sagt:

    Es gibt aber einige Studien und praktische Erfahrungen das der Verzicht auf Gluten eher Gesund für den Menschen ist.
    Natürlich macht es keinen Sinn auf exotische Alternativen zurückzugreifen, da gebe ich Ihnen völlig recht. Weiterhin sind die allermeisten Fertigprodukt-Alternativen durch die verwendeten zugesetzten Inhaltsstoffe sicher nicht gesünder. Meistens wird (warum auch immer) auch noch Zucker zugesetzt. D.h. wenn man auf Gluten verzichten will um gesünder zu leben, macht es wohl auch keinen Sinn alles durch einen 1:1 Ersatz zu ersetzen. Hier ist eher eine Ernährungsumstellung sinnvoll.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Spamschutz * Frist ist abgelaufen. Bitte laden Sie den Spamschutz erneut.