Wie die Swissair vor dem Grounding

Das Schweizer Gesundheitswesen sei in einer Situation, wie die Swissair vor ihrem Grounding. Denn es brauche nicht mehr viel, dann könnte es wegen der ständig steigenden Krankenkassenprämien zu einem Volksaufstand kommen, sagt der Präsident der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW), Dr. med. Daniel Scheidegger im Interview mit der NZZ. Vor seiner Pensionierung war er Chefarzt Anästhesie am Unispital Basel. Trotzdem – oder gerade deswegen – kritisiert er unter anderem auch die hohe Anzahl unnötiger Operationen, welche nur die Gesundheitskosten in die Höhe treiben.

Dr. med. Daniel Scheeidegger ist Präsident der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften (SAMW); vorher war er Chefarzt Anästhesie am Universitätsspital Basel.

Weil zu viele Akteure zu viel profitierten, könnten aktuell kaum Reformen Erfolg haben, meint er im Interview. «Ich finde es komisch, wenn Ärzte, Apotheker und Krankenkassen sich gemeinsam zur Wehr setzen, bevor sie überhaupt ernsthaft die Vorschläge haben prüfen können. Auch die Standesorganisation der Ärzte, die FMH, sollte ein bisschen auf die Bremse gehen und nicht immer noch mehr fordern. …. Aber wenn die Kosten ungebremst weitersteigen, kommt es irgendwann zum Volksaufstand.» warnt er im äussert aufschlussreichen Gespräch.

Er plädiert für wissenschaftlich begleitete Probeläufe von Reformmodellen. Dann könne man sehen, wo man noch nachbessern müsse und könne dann das Volk auf der Basis von sicheren Informationen abstimmen lassen. «Es könnte niemand mehr eine Angstkampagne machen wie die Spezialisten gegen Managed Care, als sie die Patienten davor warnten, dass diese die freie Arztwahl verlören.» ist Scheidegger überzeugt.

Seiner Ansicht nach sei auch in Zukunft nicht mit sinkenden Kosten zu rechnen, aber die Wachstumskurve müsse flacher werden. Aber die PatientInnen müssten eine Nutzen haben von dem Mehr an Medizin. Dazu Scheidegger: «Wir machen heute so viel Unsinniges! Viele Operationen an den Knien oder am Rücken sind überflüssig.» Scheidegger plädiert daher für das System der Zweitmeinung. In der Krebsmedizin habe man z.B. mit Tumorboards mit mehreren Experten gute Erfahrungen gemacht. Sie könnten gemeinsam darüber entscheiden, wie man einen Patienten behandeln soll. Weil sie selber nichts verdienten an solchen Fällen, hätten sie auch keine Eigeninteressen.

Lesen Sie das ganze Interview in der NZZ online.

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